Warum Something Very Bad is Going to Happen im Drehbuch schon Blut rot druckte

·04.06.2026, 21:31 Uhr·3 Min
Warum Something Very Bad is Going to Happen im Drehbuch schon Blut rot druckte
Bild: Netflix · TMDB

Wer Nicky liebt, hat in Boston eine Verbündete. Die Schöpferin der Netflix-Horrorserie bezeichnet sich selbst als 'Nicky-Apologistin' und schrieb die Serie wie eine öffentliche Therapiesitzung. Fans der Figur dürfen darauf vertrauen, dass diese Haltung jeden Schreibentscheid beeinflusst hat.

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Schreiben ohne Plan, mit vollem Risiko

Haley Z. Boston, Schöpferin der Netflix-Horrorserie 'Something Very Bad is Going to Happen', arbeitete bei der Entwicklung der Serie ohne klassisches Outline. 'Ich mache kein Outline. Alles kommt, wie es kommt', sagte Boston. Diese Arbeitsweise beschreibt sie selbst als frustrierend, aber unvermeidlich für ihren kreativen Prozess.

Für die erste Folge nutzte sie das Bild einer Autofahrt ohne festes Ziel: Man hält an einer Raststätte an, findet ein Baby, und dann? Das Nächste ergibt sich. Dieses instinktive Vorgehen zieht sich durch die gesamte erste Staffel.

Parallel dazu entwickelte Boston eine ungewöhnliche Skript-Ästhetik: Jedes Mal, wenn das Wort 'Blut' oder verwandte Begriffe auftauchten, setzte sie den Text in Rot und Fettdruck. Damit wollte sie Leser, Regisseure und Schauspielerinnen schon auf der Seite spüren lassen, welches Gewicht Blut in der Mythologie der Serie haben würde.

Drehbuch-Regeln? Bewusst gebrochen

Boston ignorierte klassische Drehbuch-Konventionen nicht aus Unwissenheit, sondern aus Überzeugung. In ihren Skripten spricht sie die Lesenden direkt an, erklärt in Klammern, was eine Szene emotional bedeutet, und macht Ton-Vorgaben, die weit über technische Regieanweisungen hinausgehen.

Camila Morrone, die Hauptdarstellerin Rachel spielt, reagierte mit einem Scherz auf Bostons Parenthesen: Sie fragte, ob Boston das für alle ihre Zeilen machen könne. Eine Autorin im Writers' Room nannte Bostons Stil 'nervig, aber charmant'.

Auch die Titeleinblendungen gestaltete Boston zunächst als übergroße, auffällige Seiten am Ende jeder Episode. Erst im Schnitt entschied sie, den Titel für jede Folge an einem eigenen, thematisch passenden Moment zu platzieren.

Seelenpartner: Schicksal oder Entscheidung?

Die zentrale Frage der Serie lautet: Ist ein Seelenpartner vorherbestimmt, oder wählt man ihn bewusst? Boston wollte die Antwort nicht als universelle Wahrheit formulieren. 'Meine Perspektive war, dass dein Seelenpartner jemand ist, der dich wirklich sieht', erklärte sie.

Der Fluch in der Serie steht symbolisch für Zweifel in Beziehungen. Boston wollte zeigen, dass Zweifel normal ist und keine Schwäche bedeutet, auch wenn sie selbst lange dachte, das Ziel sei, nie zu zweifeln.

Diese persönliche Auseinandersetzung floss direkt in Rachels Figur ein, gespielt von Camila Morrone, und in Nickys Charakter, den Adam DiMarco verkörpert. Das Ergebnis: zwei Figuren, deren innere Reisen sich kreuzen, ohne sich zu treffen.

Boston als Nicky-Apologetin

Boston bekennt sich offen dazu, die umstrittenste Figur der Serie zu verteidigen. 'Ich bin eine Nicky-Apologetin. Er basiert in gewisser Weise auf mir', sagte sie. Nicky verkörpert ihre eigene Haltung zu Ehe und die Bedeutung, die sie der Beziehung ihrer Eltern beimisst.

Eine Autorin im Writers' Room stellte die entscheidende Frage: Was würde Boston selbst dazu bringen, nicht mehr an die Ehe zu glauben? Die Antwort: Wenn sie herausfände, dass die Ehe ihrer Eltern nicht das ist, was sie immer geglaubt hatte. Genau das wurde Nickys Storyline. 'Writing this show was like being in therapy with a bunch of people being like: Haley, tell us what's wrong with you. And then we'll figure out how to make a show about it', so Boston.

Gleichzeitig war Boston besorgt, dass Nicky zu früh als Bösewicht wahrgenommen werden könnte. Sie wollte, dass das Publikum versteht: Wäre Rachel nicht verflucht, wäre Nickys Entscheidung am Altar die richtige.

Das Finale als Trennungsgeschichte

Das Ende der Serie interpretiert Boston als Trennungsgeschichte, nicht als Horrorfinale im klassischen Sinne. Rachel erkennt, dass Nicky nicht der richtige Partner für sie ist, und trifft eine bewusste Entscheidung. 'Sie wählt zu gehen. Das ist eine vollständige Geschichte', betonte Boston.

Das Blutbad am Ende war von Anfang an geplant, die Mechanik dahinter entstand im Writers' Room: Rachel hat drei Optionen, von denen nur eine zum gewünschten Abschluss führt. Dass Nicky derjenige ist, der am Altar Nein sagt, kam von einem anderen Autor im Raum und löste sofort Begeisterung aus.

Dass beim Verlassen des Hauses kein Blut im Schnee zu sehen ist, hat für Boston eine klare symbolische Bedeutung: Es steht für Neuanfang und Wiedergeburt, für das Gefühl, nach einer Trennung als anderer Mensch herauszugehen. Die Figuren Jules und Nell, die das Publikum als eigentliche Seelenpartner erkennt, obwohl beide kurz vor der Scheidung stehen, spiegeln ebenfalls Bostons These wider: Wahre Nähe bedeutet, jemanden wirklich zu sehen.

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Quelle: NetflixZuletzt aktualisiert: 04.06.2026, 21:31 Uhr

Artikel geschrieben von:

Sarah Becker
Autor
Sarah Becker
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Sarah Becker analysiert Streaming-Highlights aus den Bereichen Krimi, Drama und Mystery mit geschultem Blick für Erzählstrukturen.

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