Warum Metcalf ihren Ruf für Die Conners-Kollegen aufs Spiel setzt
Ausgerechnet Metcalf bricht das Schweigen über Rudins Rückkehr. Die sonst zurückhaltende 'Die Conners'-Darstellerin äußert sich im New Yorker zu zwei der giftigsten Themen ihrer Karriere. Dass sie dabei auch Roseanne Barr verteidigt, dürfte die wenigsten erwartet haben.
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Metcalf verteidigt Scott Rudins Rückkehr
Scott Rudin kehrte nach einer Pause auf den Broadway zurück, nachdem 2021 schwere Vorwürfe wegen Mobbing und Machtmissbrauchs durch frühere Mitarbeiter gegen ihn erhoben worden waren. Sein erstes Broadway-Stück nach der Auszeit war 'Little Bear Ridge Road', in dem Laurie Metcalf die Hauptrolle spielte und das von Joe Mantello inszeniert wurde.
Metcalf stellt sich in dem Porträt klar hinter Rudin: Er habe über seine Therapie gesprochen, sich entschuldigt, sein Verhalten anerkannt und darüber nachgedacht. Er befinde sich in einem Prozess der Rehabilitation. Wenn man nicht glaube, dass echte Rehabilitation möglich sei, dürfe man von niemandem verlangen, es zu versuchen.
Die Entscheidung, mit Rudin zu arbeiten, hatte allerdings einen hohen persönlichen Preis. Die Steppenwolf Theatre Company in Chicago, Metcalfs langjährige künstlerische Heimat, weigerte sich, mit Rudin zusammenzuarbeiten. Metcalf drohte daraufhin, Steppenwolf zu verlassen, wenn das Theater die Rechte an dem Stück nicht für die Broadway-Produktion freigebe.
Bruch mit Steppenwolf nach 50 Jahren
'Little Bear Ridge Road' hatte seine Uraufführung 2024 bei Steppenwolf, bevor es auf den Broadway wechselte. Die Auseinandersetzung um die Rechte und Rudins Beteiligung führte zu einem tiefen Riss zwischen Metcalf und ihrer langjährigen Theaterfamilie. Metcalf ist nicht Teil der aktuellen und 50. Spielzeit von Steppenwolf.
Auf die Frage nach ihrer Beziehung zu Steppenwolf gibt sich Metcalf bedeckt: Sie könne darauf nicht wirklich eingehen, weil das etwas sei, das sie selbst noch nicht für sich geklärt habe. Eine allgemeine Traurigkeit habe den ganzen Ort umgeben, beschreibt sie die Stimmung.
Gleichzeitig äußert Metcalf den Wunsch, das 50-jährige Jubiläum auf eigene Weise zu feiern, gemeinsam mit der alten Garde. Sie wolle mutig sein mit den Menschen, die ihr das Mutigsein beigebracht hätten, ohne Angst davor, jemanden zu verletzen oder politisch unkorrekt zu sein. Es solle wie die letzte Tournee einer Band sein.
Roseanne Barr: Kein Kontakt mehr
Auch das Thema Roseanne Barr kommt in dem Gespräch mit Michael Schulman zur Sprache. Metcalf sagt, sie habe gewusst, dass diese Frage irgendwann kommen würde. Die Antwort fällt knapp aus: Es gebe nichts Kontroverses zu berichten.
Seit dem Abschied am Ende des Reboots hätten die beiden einfach nicht mehr miteinander gesprochen. Metcalf beschreibt Barr als jemanden, vor dem sie sich einst eingeschüchtert gefühlt habe, weil sie sich alles selbst aufgebaut habe.
Die Frage, wie das Verhältnis heute zu bewerten sei, lässt Metcalf offen. Sie wisse nicht einmal, wie sie das beantworten solle, sagt sie schlicht. Die Aussagen unterstreichen, wie komplex die persönlichen und beruflichen Verbindungen rund um 'Die Conners' nach wie vor sind.
Prominente Unterstützer im Porträt
Das New-Yorker-Porträt zeichnet ein vielschichtiges Bild von Metcalf, die zu den renommiertesten Schauspielerinnen des amerikanischen Theaters und Fernsehens zählt. Neben Rudin und Barr kommen in dem Stück weitere Namen aus ihrem Umfeld vor, darunter Nathan Lane, Barry Diller, Valerie Jarrett, Edward Albee und Regisseur Antoine Fuqua.
Nathan Lane und Metcalf verbindet eine lange Bühnengeschichte, während Barry Diller als einflussreicher Medienmanager im Kontext ihrer Karriereentscheidungen erwähnt wird. Valerie Jarrett, frühere Beraterin im Weißen Haus, ist ebenfalls Teil des gesellschaftlichen Umfelds, das das Porträt skizziert.
Der Artikel von Michael Schulman beleuchtet Metcalf als Künstlerin, die stets bereit war, unbequeme Entscheidungen zu treffen, sei es in der Zusammenarbeit mit kontroversen Figuren oder im Bruch mit langjährigen Institutionen.
Mut und Kontroverse als Karriereprinzip
Metcalf beschreibt im Gespräch eine Art künstlerisches Credo: Sie wolle zurückgehen zu einer Zeit, in der man keine Angst haben musste, jemandem auf die Zehen zu treten. Damals habe man nicht fürchten müssen, durch einen Fehltritt zu Fall gebracht zu werden.
Dieses Prinzip erklärt möglicherweise sowohl ihre Entscheidung für Rudin als auch ihre Haltung gegenüber Steppenwolf. Metcalf, die für ihre Arbeit in 'Die Conners' mehrfach ausgezeichnet wurde, gilt als eine der wenigen Schauspielerinnen ihrer Generation, die Theater und Fernsehen mit gleicher Ernsthaftigkeit betreibt.
Das Porträt erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem 'Die Conners' weiterhin zu den beständigsten Familiendramen im amerikanischen Fernsehen zählt. Metcalfs Offenheit über die Konflikte hinter den Kulissen dürfte das Bild der Sendung um eine weitere Dimension erweitern.
Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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