Warum Es - Welcome to Derry zum Finale hin so viele Zuschauer gewann

Praktische Effekte aus Gurkenwasser haben eine ganze Serie gerettet. Die Prequel-Serie zu Stephen Kings Es, erschaffen von Andy und Barbara Muschietti, läuft bei WOW und gewann zum Finale hin konstant neue Zuschauer. Wer auf digitale Tricks verzichtet, erntet offenbar echte Fangemeinden.
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Praktische Effekte statt digitaler Tricks
Das Credo hinter der Produktion war von Anfang an klar: So viel wie möglich sollte direkt vor der Kamera entstehen, ohne nachträgliche digitale Bearbeitung. Daryl Sawchuk, der für die visuellen Effekte verantwortlich zeichnet, betont, dass das Team fest daran glaubte, echte Materialien einzusetzen, um glaubwürdige Darstellungen zu ermöglichen. Regisseur Andy Muschietti trug diesen Ansatz mit.
Besonders deutlich wurde diese Philosophie bei der Gurken-Szene: Das Spezialeffekt-Team füllte hunderte von Gläsern mit echten Gurken und echtem Gurkenwasser. Die Drehorte rochen laut Sawchuk etwa eine Woche lang nach Gurken. Das Ergebnis war eine Szene, die für die Schauspieler und das Publikum gleichermaßen greifbar und real wirkte.
Dieser Ansatz, den Sawchuk als 'altmodisches Horror-Filmemachen' beschreibt, zieht sich durch die gesamte erste Staffel. Digitale Nachbearbeitung ergänzte die praktischen Effekte dort, wo es nötig war, ersetzte sie aber nie vollständig.
Amanda Christine und die Ausdauer-Herausforderung
Schauspielerin Amanda Christine stand vor einer der körperlich anspruchsvollsten Aufgaben der Staffel. Laut Sawchuk war ihre Leistung außergewöhnlich: Sie musste konstant hohe Energie aufbringen und dabei über längere Zeit unter dem sogenannten 'schrecklichen Schleim' von Pennywise durchhalten.
Zwischen den einzelnen Einstellungen musste das gesamte Set zurückgesetzt werden, was aufgrund der nassen und klebrigen Materialien extrem aufwendig war. Sawchuk bezeichnete diesen Prozess als 'enorm belastend' für alle Beteiligten. Christine habe das alles mit beeindruckender Ausdauer gemeistert.
Solche Szenen verdeutlichen, warum die Produktion so personalintensiv war. Hinter jedem Schockmoment stecken nicht nur visuelle Ideen, sondern auch körperliche Höchstleistungen der Darsteller und des gesamten Filmteams.
Tenika Davis: Eine Mutter voller Schrecken
Tenika Davis überraschte das gesamte Team mit ihrer Darstellung einer bedrohlichen Mutterfigur. Andy Muschietti erkannte früh, welch außergewöhnliche Schauspielerin Davis ist, besonders in den Momenten, in denen ihre Figur von beängstigend zu regelrecht terrorisierend kippt.
Die entsprechende Szene wurde eigens verlängert, weil Davis so überzeugend agierte. Ihre Fähigkeit, den Charakter Schritt für Schritt wachsen und gleichzeitig immer bedrohlicher werden zu lassen, übertraf die ursprünglichen Erwartungen des Regieteams.
Solche spontanen Entscheidungen am Set, eine Szene auszubauen, weil ein Darsteller etwas Besonderes liefert, sind typisch für Andy Muschiettis Arbeitsweise. Er reagiert auf das, was Schauspieler im Moment erschaffen, und lässt sich davon leiten.
Das Mumifizierungs-Monster und der Oktopus
Für die Mumifizierungs-Sequenz arbeiteten die Künstler zunächst mit detaillierten digitalen Gemälden, die über echte Fotografien gelegt wurden. Diese Vorab-Visualisierungen dienten als verbindlicher Maßstab für das gesamte Team. Sawchuk betont, dass Andy Muschietti stets hohe Anforderungen an solche Referenzwerke stellt: Es gibt immer noch eine weitere Anmerkung, noch einen weiteren Gedanken.
Ein anderes Monster der Staffel basierte auf dem Konzept eines zerschnittenen Menschen. Die Frage, wie ein solches Wesen aussehen sollte, führte zu intensiven Diskussionen: Sollte es wie ein Rubik-Würfel aus Gesichtsscheiben wirken? Am Ende entschied das Team, die Eingeweide des Monsters als Tentakel zu gestalten, angelehnt an einen Oktopus. Die Darmstränge dienen dabei gleichzeitig als Fortbewegungsmittel.
Das Ergebnis, umgesetzt vom Effektestudio Rodeo, ist nach Sawchuks eigener Beschreibung schlicht 'ekelhaft'. Genau das war das Ziel: ein Wesen zu erschaffen, das auf einer tief körperlichen Ebene abstößt und verstört.
Finales Staffel-Highlight und Ausblick
Das Staffelfinale der ersten Staffel erzielte die stärksten Zuschauerzahlen der gesamten Staffel. Die Kombination aus praktischen Effekten, starken Darstellern wie Lilly Bainbridge und Clara Stack sowie der konsequenten Erweiterung des Pennywise-Mythos, verkörpert von Bill Skarsgård, kam beim Publikum an.
Die Prequel-Serie baut die Welt des gestaltwandelnden Kindermörders aus und zeigt, wie Derry zwei Jahrzehnte vor den Ereignissen des Films von 2017 unter dem Einfluss der Kreatur litt. Eine zweite Staffel ist bereits angekündigt, ein konkreter Starttermin steht noch aus.
Für deutschsprachige Fans ist die erste Staffel bei WOW verfügbar. Wer sich auf die zweite Staffel vorbereiten möchte, findet dort alle Folgen des Auftakts, inklusive des viel diskutierten Finales.
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Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
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