Warum Criminal Minds mit Voit tiefer geht als je zuvor

Criminal Minds kehrt mit Staffel 19 auf Paramount+ zurück. Showrunnerin Erica Messer, seit 2011 an Bord, stellt Elias Voit in den Mittelpunkt, flankiert von einem True-Crime-Podcast mit Paul F. Tompkins. Der Wegfall der CBS-Richtlinien erlaubt dabei erstmals konsequent dunklere Storylines.
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Vom Unbekannten zum Haushaltsname
Elias Voit wollte im Verborgenen bleiben. Sein größter Alptraum war nicht das Gefängnis, sondern die Aufmerksamkeit. Showrunnerin Erica Messer, die seit 2011 die kreative Leitung von Criminal Minds innehat, beschreibt diese innere Spannung als Kern von Voits Figur: Er führte ein Doppelleben, versuchte ein guter Ehemann und Vater zu sein, während ihn die Dunkelheit antrieb.
Der True-Crime-Podcast, moderiert von Paul F. Tompkins, hat das alles verändert. Voit ist nun ein Name, den jeder kennt. Messer vergleicht seinen Bekanntheitsgrad gegenüber ScreenRant direkt mit dem von Ted Bundy: 'Er wäre lieber im Verborgenen verrottet, ohne dass jemand weiß, wer er war. Und jetzt kennt ihn jeder. Das ist eine große Reise für ihn.'
Diese ungewollte Berühmtheit zwingt Voit, sich mit einer völlig neuen Version seiner selbst auseinanderzusetzen. Für die Serie bedeutet das einen Figuren-Bogen, der weit über das klassische Täter-Ermittler-Schema hinausgeht.
Was Streaming ermöglichte, was CBS nicht konnte
Der Wechsel von CBS zu Paramount+ war für das Autorenteam mehr als ein Plattformwechsel. Ohne die Einschränkungen eines klassischen Sendenetzwerks konnten die Macher tiefer in die Psyche eines Täters eindringen. Messer formuliert es klar: 'Wir wollten wirklich in einen Bösewicht hineingraben, einen kriminellen Geist, und das war im Broadcast-Format nicht möglich.'
Voit brachte Szenarien ins Spiel, die die BAU-Helden noch nie erlebt hatten. Der Gefängniskeller, in dem sie ihn befragen mussten, weil er Informationen über die Gold-Star-Operation besaß, war eine Situation ohne Vorlage in der Seriengeschichte. Dann kam der Angriff in der Haft während Staffel 18, der Voit ein Schädel-Hirn-Trauma und Amnesie einbrachte.
Ob Voit wirklich nicht mehr weiß, wer er ist, oder ob die Erinnerungslosigkeit schlicht praktisch für ihn ist, bleibt eine offene Frage. Messer lässt diese Ambiguität bewusst stehen: 'Ist es bequem, dass er sich nicht erinnert, oder erinnert er sich wirklich nicht?' Drei Staffeln lang hat das Team Neuland betreten.
Copycats als Rückgrat der neuen Staffel
Staffel 19 dreht sich um ein Phänomen, das die Serie bislang höchstens in Einzelepisoden streifte: Trittbrettfahrer. Fans von Serienmördern, die deren Taten nachahmen wollen, sind in der realen Kriminologie ein bekanntes Muster. Messer erkannte darin das Potenzial für eine ganze Staffel: 'Das passiert massiv in der Welt der Serienkiller, und wir haben das nie wirklich für mehr als eine Episode gemacht.'
Die Copycats zwingen die Verhaltensanalyse-Einheit BAU in eine neue Arbeitsbeziehung mit Voit. Er sitzt nicht mehr nur als Informant im Keller, sondern wird zum aktiven Teil der Ermittlungen, ob das Team will oder nicht.
Zehn neue Folgen stehen für diese Staffel bereit, das Finale ist für den 23. Juli 2026 geplant. Paramount hat bereits eine zwanzigste Staffel in Auftrag gegeben, was zeigt, wie stark die Serie auch nach dem CBS-Ende im Jahr 2020 und dem Neustart 2022 bei Paramount+ weiterläuft.
Tara Lewis übernimmt, Rossi tritt zurück
Die veränderte Dynamik im Umgang mit Voit spiegelt sich auch in der Besetzung der Verhöre wider. Tara Lewis, gespielt von Aisha Tyler, übernimmt die Interviews mit dem Serienmörder. David Rossi (Joe Mantegna), der diese Rolle bislang ausfüllte, tritt in den Hintergrund. Messer zitiert Lewis direkt: 'Rossi, du musst nicht zu ihm gehen. Ich führe die Interviews.'
Das ist kein zufälliger Rollentausch. Für Messer ist das Befragen von Serienmördern das Fundament der BAU-Arbeit, und diese Kernkompetenz soll in Staffel 19 nicht nur episodisch, sondern als tragendes Element der gesamten Handlung sichtbar werden.
Joe Mantegna als Rossi bleibt dennoch präsent, allerdings auf ungewöhnlichem Weg: als Halluzination in Voits Kopf. Zach Gilford, der Voit verkörpert, und Mantegna harmonieren laut Messer außergewöhnlich gut, weshalb das Team beide Figuren miteinander verbunden halten wollte, ohne die Interaktion zu wiederholen.
Halluzination Rossi kehrt zurück
Das Staffel-18-Finale zeigte eine Halluzination von Rossi in Voits Kopf. In Staffel 19 wird dieses Motiv weitergeführt. Messer beschreibt es als bewussten Rückbezug auf die Halluzination von Voit in Rossis Kopf aus früheren Staffeln: 'Das fühlte sich wie ein unterhaltsamer Weg an, die beiden zusammenzuhalten.'
Für das Autorenteam löst diese erzählerische Entscheidung ein konkretes Problem: Wie hält man zwei Figuren in enger Verbindung, wenn ihre Wege sich eigentlich trennen müssten? Die Halluzination erlaubt es, Joe Mantegna und Zach Gilford weiterhin gemeinsame Szenen zu geben, ohne die Logik der Geschichte zu verbiegen.
Das Ensemble der Serie umfasst neben Mantegna und Gilford auch A.J. Cook, Kirsten Vangsness, Paget Brewster, Aisha Tyler, Adam Rodriguez und RJ Hatanaka. Alle kehren für die zehn neuen Folgen zurück, die ab dem 28. Mai 2026 bei Paramount+ verfügbar sind.
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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