To Catch a Predator wurde abgesetzt, nachdem ein Mann im Einsatz starb

Nicht die Täter beendeten To Catch a Predator, sondern das Format selbst. Ein Einsatz in Murphy, Texas, eskalierte so weit, dass Zielobjekt Bill Conradt sich das Leben nahm. Dass eine Sendung über Kinderschutz durch den Tod eines Verdächtigen fällt, hatte niemand vorhergesehen.
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Die Sendung und ihr Konzept
To Catch a Predator war ein Ermittlungsformat, das von 2004 bis 2007 produziert wurde. Versteckte Kameras filmten Männer, die in eine Falle gelockt wurden: Erwachsene, die sich online als Minderjährige ausgaben, luden die Täter in sogenannte Sting-Häuser ein, wo Moderator Chris Hansen auf sie wartete.
Die Sendung fand ein riesiges Publikum und galt als gesellschaftlich relevant. Kritiker bemängelten jedoch von Anfang an, dass das Format mehr auf Fernsehwirkung als auf echte Strafverfolgung ausgerichtet war. Mehr als zwei Dutzend Männer wurden allein bei einer einzigen Operation in Murphy, Texas, gelockt.
Chris Hansen verteidigte das Ende der Sendung später mit den Worten, man habe seinen Punkt bewiesen. Gegenüber dem Magazin Time sagte er 2015: 'Am Ende des Tages hatten wir unsere Botschaft vermittelt.' Ob das der eigentliche Grund für die Einstellung war, blieb umstritten.
Der Fall Bill Conradt
Bill Conradt war Bezirksstaatsanwalt aus dem Raum Dallas-Fort Worth. Er hatte online Nachrichten und Bilder mit einem Lockvogel ausgetauscht, der sich als 13-jähriger Junge ausgab. Als Conradt nicht zum Sting-Haus in Murphy, Texas, erschien, rückten Polizisten mit einem Haftbefehl zu seiner Wohnung aus.
Die Polizei betrat das Grundstück gemeinsam mit einem Kamerateam von Dateline. Innerhalb von 60 Minuten nach ihrer Ankunft schoss sich Conradt selbst und starb noch vor Ort. Er wurde per Hubschrauber in ein Krankenhaus in Dallas geflogen, wurde dort aber für tot erklärt.
Walt Weiss, ehemaliger Detektiv der Polizei Murphy, der an der Operation beteiligt war, zog später eine vernichtende Bilanz. Er sagte: 'Sie sind dort hingegangen, weil es etwas für die Sendung bringen sollte, nicht für die Gesellschaft, nicht im Interesse der Strafverfolgung. Die Rolle, die ich dabei gespielt habe, ist ein Fleck auf meiner Seele, mit dem ich leben muss.'
Klage und außergerichtliche Einigung
Conradts Schwester verklagte den Sender auf rund 100 Millionen Euro Schadenersatz wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung. Der Fall wurde außergerichtlich beigelegt. Ihr Anwalt teilte danach mit: 'Die Angelegenheit wurde zur Zufriedenheit beider Parteien einvernehmlich gelöst.'
Der Rechtsstreit verstärkte den Druck auf die Produktion erheblich. Obwohl nie offiziell bestätigt wurde, dass Conradts Tod direkt zur Absetzung führte, fiel das Ende der Sendung zeitlich eng mit dem Skandal zusammen. Die letzte Folge wurde 2007 ausgestrahlt, die formale Absetzung folgte 2008.
Für die Polizei von Murphy hatte der Einsatz ebenfalls Konsequenzen. Detektiv Weiss, der öffentlich Selbstkritik übte, sprach von einer Mitverantwortung, die er nicht loswerde. Seine Aussage gilt als eines der deutlichsten öffentlichen Zeugnisse darüber, wie die Grenzen zwischen Journalismus und Strafverfolgung bei der Sendung verschwammen.
Robert Pattinson spielt Chris Hansen
Das Thema kehrt 2026 auf die große Leinwand zurück. Robert Pattinson übernimmt in dem A24-Film 'Primetime' die Rolle von Chris Hansen, dem Moderator von To Catch a Predator. Der Film soll im September 2026 in den Kinos starten, ein Startdatum für Deutschland steht noch aus.
Das Projekt rückt die ethischen Fragen rund um das Format erneut in den Fokus. Wie weit darf investigativer Journalismus gehen, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen? Die Geschichte um Bill Conradt liefert dafür den dramatischsten Anhaltspunkt.
Pattinson ist bekannt dafür, moralisch vielschichtige Figuren zu wählen. Die Rolle des Hansen, der das Scheitern seiner Sendung bis heute öffentlich relativiert, dürfte dem Schauspieler reichlich Spielraum bieten.
Erbe einer umstrittenen Sendung
To Catch a Predator bleibt ein Grenzfall in der Geschichte des Reality-Fernsehens. Das Format stellte echte Straftäter bloß, operierte aber in einer rechtlichen und ethischen Grauzone, die letztlich nicht zu verteidigen war. Der Tod Conradts machte aus einem Quotenerfolg ein Warnsignal.
Die Debatte, die die Sendung auslöste, betrifft bis heute die Frage, wann Medien zu Akteuren werden statt zu Beobachtern. Dass ein Kamerateam bei einer Polizeiaktion mitläuft, die direkt zum Tod eines Menschen führt, war für viele Beobachter die überfällige Grenze.
Chris Hansen moderiert bis heute andere Projekte und hat To Catch a Predator nie als Fehler bezeichnet. Walt Weiss hingegen zog eine andere Konsequenz: öffentliche Reue. Beide Perspektiven zeigen, wie tief der Fall Conradt die Beteiligten gespalten hat.
Artikel geschrieben von:

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.
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