The Shards startet: Wohlstand, Entführung und ein Geheimnis, das Bret verfolgt

Ausgerechnet Bret Easton Ellis schrieb selbst die Vorlage zu seiner eigenen Horrorgeschichte. Ryan Murphy hat den autobiografisch gefärbten Roman für FX verfilmt und den Protagonisten nach dem Autor benannt. Dass Ellis seinen eigenen Jugendtrauma-Stoff für das Fernsehen freigegeben hat, macht die Serie zu einem seltenen Fall.
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Los Angeles 1981: Glanz und Schrecken
Ryan Murphy hat den Roman von Bret Easton Ellis für das Fernsehen adaptiert und dabei eine Serie geschaffen, die den Wohlstand und die Dunkelheit von Los Angeles zu Beginn der Achtzigerjahre gleichzeitig feiert und seziert. Im Mittelpunkt steht der Protagonist Bret, ein charismatischer Schüler im letzten Gymnasialjahr, der in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen ist und die Annehmlichkeiten seines Lebens genießt: teure Kleidung, ein Luxusauto und frühe Kinovorführungen von Stanley Kubricks 'The Shining'.
Doch die glitzernde Oberfläche der Stadt täuscht. Parallel zu Brets privilegiertem Alltag zeigt die Serie, wie eine Welle der Paranoia durch Los Angeles rollt. Auslöser ist eine Serie von Verbrechen, die der Bevölkerung das Gefühl gibt, nirgendwo wirklich sicher zu sein.
Katherine Latchford ist eine dieser Figuren, die dieses Unbehagen körperlich spürt. Ihr Hund Shadow ist verschwunden, und als sie nachts Plakate aufhängt, wird sie von einem maskierten Mann überwältigt, in einen Transporter gezogen und entführt. Es ist ein brutaler Schnitt, der klarstellt: Diese Serie meint es ernst.
Bret und sein kompliziertes Innenleben
Bret führt nach außen hin ein mustergültiges Schülerleben. Seine Freundin Debbie Schaffer stammt aus einer einflussreichen Showbusiness-Familie, seine Kindheitsfreundin Susan Reynolds ist seit Jahren an seiner Seite, und ihr Freund Thom komplettiert den engsten Kreis. Was niemand weiß: Brets Gefühle für Susan sind für beide eine Art unausgesprochenes Geheimnis, das sie bislang nicht zerstört hat.
Im Verborgenen lebt Bret eine andere Seite seines Lebens. Er beschreibt sich selbst als genderfluid und führt eine leidenschaftliche, geheime Beziehung mit Matt Kellner, dem Außenseiter der Klasse. Gleichzeitig schreibt er an einer autofiktionalen Geschichte, die die seltsame Zeit widerspiegelt, in der er lebt.
Debbie Schaffer lädt vor Schulbeginn zu einer Hausparty ein, bei der Brets angespanntes Verhältnis zu einigen Mitschülern, darunter ein Junge namens Ryan, deutlich wird. Ihr Vater Terry zeigt großes Interesse an Brets schriftstellerischem Werk und macht ihm später sogar ein konkretes Angebot zur Verfilmung seines Drehbuchs, was mehr Hintergedanken vermuten lässt, als es zunächst scheint.
Robert Mallory: Faszination und Abweisung
Der erste Schultag bringt gleich zwei Schocks. Vor dem Schulgebäude hängt Katherines Leiche, verstümmelt und auf dem Tennisnetz drapiert. Für Bret ist das jedoch nicht einmal das erschütterndste Ereignis des Tages. Er erkennt im neuen Schüler jenen jungen Mann wieder, den er ein Jahr zuvor im Kino fasziniert beobachtet hatte.
Der Neue stellt sich als Robert Mallory vor und strahlt eine Anziehungskraft aus, die Bret sofort wieder in seinen Bann zieht. Doch Robert bestreitet jede Erinnerung an die frühere Begegnung und lässt Bret abblitzen. Dieser fährt wütend und verletzt nach Hause.
Wenig später enthüllt Robert in einem weiteren Gespräch, dass er sich für Susan interessiert. Bret ahnt, dass Susan Thom früher oder später betrügen wird. Robert hinterlässt bei jeder Begegnung mehr Fragen als Antworten und entwickelt sich zur zentralen Unbekannten der Serie.
Der Trawler und wachsende Paranoia
Katherine Latchford war nicht das erste Opfer. Unter dem Spitznamen 'Trawler' terrorisiert ein maskierter Killer seit geraumer Zeit Los Angeles. Bret beginnt, die Fälle obsessiv zu recherchieren und stößt dabei auf eine weitere Gruppe, die 'Riders of the Afterlife', die von Einbrüchen und Folterungen zu Morden übergegangen zu sein scheinen. Bret glaubt, dass alle Taten durch rituelle Opferhandlungen miteinander verbunden sind.
Die Paranoia wird für Bret persönlich. Mehrfach weckt ihn ein klingelndes Türklingeln mitten in der Nacht, doch draußen ist niemand. Er hört die Garagentür, findet aber keine Spur eines Eindringlings. Die Grenze zwischen echter Bedrohung und eingebildeter Gefahr verschwimmt zunehmend.
Gleichzeitig erfährt Bret, dass Matt Kellner in den Tagen zuvor durch verdächtige Anrufe und rassistische Drohbriefe eingeschüchtert wurde. Matt glaubt, Bret stecke dahinter. Bret wiederum schiebt alles auf Matts Drogenkonsum. Das Gespräch endet ohne Versöhnung.
Matt verschwindet: Das Kassettenband
Susan überbringt schließlich die Nachricht, die alles verändert: Matt ist aus seinem Haus verschwunden. Bret ist womöglich der Einzige, der eine Ahnung hat, was Matt durchgemacht hat. Doch er wendet sich nicht an die Polizei, weil eine Ermittlung seine eigenen Geheimnisse ans Licht bringen würde.
Die Antwort kommt auf anderem Weg. In seinem Briefkasten findet Bret ein Kassettenband. Darauf ist Matts Stimme zu hören, gepeinigt und verängstigt. Ein Mann zwingt ihn, etwas Unbekanntes zu essen. Ein kurzer Blick in die Szene zeigt denselben vermummten Mann, der bereits Katherine entführt hat.
Die ersten beiden Folgen von The Shards bauen so einen beunruhigenden Sog auf. Brets Welt aus Privilegien, unterdrückten Gefühlen und literarischem Ehrgeiz bricht Stück für Stück auf, während die Identität des Täters im Dunkeln bleibt. Die Serie macht deutlich, dass sie nicht nur Horror-Genre-Pflichtprogramm abarbeitet, sondern ein präzises Porträt einer Stadt und einer Generation zeichnet, die beide kurz vor dem Zerbrechen stehen.
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Ob Murphy den düsteren Ellis-Ton wirklich trifft, bleibt offen. The Shards startet am 5. August 2026 bei FX und Hulu, produziert von 20th Television und Ryan Murphy Television. Für deutsche Zuschauer ist noch kein Starttermin bekannt.
Artikel geschrieben von:

Marie Weber berichtet über Action-, Drama- und Mystery-Serien mit besonderem Fokus auf Spannungsdramaturgie und Figurenzeichnung.
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