The Shards debütiert mit Murphys persönlichster Krise als Vorlage

Wer Murphy wirklich verstehen will, muss jetzt The Shards sehen. Er war 16, als die Geschichte spielt, er trug die Kleider, er kannte die Musik. Zuschauer bekommen keine erfundene Welt, sondern Murphys eigene Vergangenheit als Horrorkulisse.
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Murphys persönlichstes Projekt bisher
'The Shards' spielt im Jahr 1981 in Los Angeles: Wohlhabende Teenager werden von einem Serienmörder gejagt, während sie mit ersten Liebeserfahrungen und Identitätsfragen kämpfen. Ryan Murphy, Schöpfer von 'American Horror Story' und 'Glee', bezeichnet die Serie als sein bislang persönlichstes Werk. 1981 war auch sein eigenes Schlüsseljahr: Er wurde 16, erlebte sein erstes Date, seine ersten Fahrstunden und seine ersten sexuellen Erfahrungen.
Murphy verstand die Figuren intuitiv, besonders die Hauptfigur Bret, die auf Ellis selbst basiert. Gegenüber dem Hollywood Reporter erklärte er: 'Ich wusste, wie die Kleider aussahen. Ich trug sie. Ich wusste, wie die Musik klang.' Diese Vertrautheit mit der Ära überzeugte Ellis letztlich, ihm die Rechte zu überlassen.
Der Subtext der Serie geht tiefer als ein einfaches Whodunnit. Murphy sieht in dem mysteriösen Killer eine Metapher für die frühe AIDS-Krise: Nur wenige Monate nach seinen ersten sexuellen Erfahrungen las er 1981 von der neuen, rätselhaften Krankheit, die schwule Männer tötete. Dieses Trauma, dass Intimität und Tod untrennbar wurden, prägt die emotionale Grundlage der Serie.
HBO scheiterte, Murphy übernahm
Ursprünglich entwickelte HBO eine Adaption des Romans, doch das Projekt scheiterte an kreativen Differenzen. Murphy sicherte sich die Rechte im Februar 2025, als der Vertrag offiziell abgeschlossen wurde. Er und Ellis hatten sich jedoch bereits früher getroffen und die Grundlagen ausgehandelt.
Casey Bloys, Vorsitzender von HBO und Max, begegnete Murphy kurz nach der Ankündigung bei den Golden Globes und reagierte laut Murphy ausgesprochen kollegial: 'Er sagte, er sei so froh, dass ich das mache und diese Geschichte erzählen kann.' Murphys Pitch an Ellis war schlicht und direkt: Er werde die Serie realisieren und etwas schaffen, das Ellis gefallen werde.
Produziert wurde die Serie von Brad Simpson und Nina Jacobson, die als ausführende Produzenten vor Ort die Verbindung zu Ellis hielten. Ellis schrieb die ersten beiden Folgen gemeinsam mit Murphy und übernahm danach eine beratende Rolle. Als die fertigen ersten Episoden Ellis gezeigt wurden, soll er sie nach Angaben aus dem Produktionsteam sehr gemocht haben.
Fünfhundert Castings für neun Folgen
Das Casting von 'The Shards' war ungewöhnlich aufwendig. Murphy, der sonst Stars direkt verpflichtet, ließ diesmal rund 500 Schauspieler vorsprechen. Viele lasen für mehrere Rollen, wurden gemischt und wieder neu zusammengestellt. Igby Rigney überzeugte Murphy sofort: 'Er sieht aus wie ein junger Bret. Er hat diese mysteriöse Aura eines Beobachters.'
Kaia Gerber, Tochter von Cindy Crawford, hatte Murphy bereits mit 18 Jahren für 'American Horror Story' besetzt. Für 'The Shards' empfahl Ellis sie persönlich für die Rolle der Susan. Homer Gere, Sohn von Richard Gere, gewann seine Rolle nach mehreren Vorsprechen allein durch schauspielerische Leistung. Murphy betonte ausdrücklich, dass die berühmten Eltern keine Rolle bei der Entscheidung gespielt hätten.
Evan Rachel Wood hatte Murphy bereits für den Film 'Running With Scissors' besetzt und wollte erneut mit ihr zusammenarbeiten. Wes Bentley kannte er aus einem nicht realisierten Piloten. Beide erhielten ihre Angebote direkt und sagten zu. Den Rest des Ensembles erarbeitete Murphy durch den langen Casting-Prozess.
Erotik, Elternschaft und Zurückhaltung
Ellis' Roman gilt als explizit erotisch. Die Serienadaption wählt einen anderen Ansatz. Murphy, Vater von drei Söhnen, entschied sich bewusst für Zurückhaltung: 'Je älter ich werde, desto mehr werde ich ein altmodischer Prüde.' Die Intimität in der Serie soll Sehnsucht und Romantik zeigen, nicht Explizitheit.
Intimacy Coordinators begleiteten alle entsprechenden Szenen. Murphy formulierte als Leitprinzip, dass er die Serie gemeinsam mit seinem Teenager anschauen würde, und dass sie Diskussionen auslösen werde. Das war ihm bei einem teils jungen, noch unbekannten Cast besonders wichtig.
Zahlreiche Dialoge stammen wörtlich aus dem Buch. Ellis' dichte Vorlage bot dem Produktionsteam eine verlässliche Grundlage: Bei Fragen griffen Schauspieler und Autoren direkt auf den Roman zurück. Für eine mögliche Fortsetzung wurden allerdings bereits neue Figuren im Stil des Buches ergänzt.
Plan für vier Staffeln steht
Murphy und Ellis planen von Anfang an eine Serie mit drei bis vier Staffeln. Die gesamte Handlung spielt sich über ein einziges Schuljahr ab, wobei jede Staffel dieses Jahr weiter entfaltet. Murphy erklärte, dass im Erfolgsfall die Figur des Bret zunehmend als unzuverlässiger Erzähler entlarvt wird und sein mögliche eigene Verstrickung in die Morde ins Zentrum rückt.
Die neun Folgen der ersten Staffel staffeln sich über mehrere Wochen. Gedreht wurde mit mittlerem Budget, was laut Murphy für eine Produktion mit überwiegend unbekannten Darstellern angemessen war. Aufwendig waren vor allem die Kostüme und die Kulissen: Das legendäre Sunset Hamburger Hamlet in Los Angeles, das Murphy als Jugendlicher häufig besuchte, wurde eigens nachgebaut.
Für deutsche Zuschauer wird 'The Shards' voraussichtlich über Disney+ verfügbar sein, wie bei anderen FX-Produktionen üblich. Ein konkretes Startdatum für den deutschsprachigen Raum steht noch aus.
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Warum The Shards mehr ist als ein weiteres Ryan-Murphy-Projekt
Ein gescheitertes HBO-Projekt wird zur FX-Serie: Das ändert alles. Ryan Murphy bringt Bret Easton Ellis' autobiografischen Roman am 5. August auf FX und Hulu. Für deutschsprachige Zuschauer bedeutet das: Disney+ wird voraussichtlich die Heimat der Serie.

Warum The Shards mit Ryan Murphy an Bord so viel Aufmerksamkeit bekommt
Ob Murphy den düsteren Ellis-Ton wirklich trifft, bleibt offen. The Shards startet am 5. August 2026 bei FX und Hulu, produziert von 20th Television und Ryan Murphy Television. Für deutsche Zuschauer ist noch kein Starttermin bekannt.
Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
Alle Artikel von JuliaJulia hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.