Stranger Things für Rentner: The Boroughs wagt viel und stolpert dabei

Glänzende Besetzung, verschenktes Potenzial: The Boroughs enttäuscht trotz starker Namen. Alfred Molina, Geena Davis und Bill Pullman spielen in der Netflix-Serie übernatürliche Bedrohungen in einer Seniorenresidenz durch. Wer sich Stranger Things-Feeling erhofft, bekommt stattdessen eine Serie, die ihre besten Momente zu selten nutzt.
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Stranger Things trifft Seniorenresidenz
The Boroughs erzählt im Kern eine Geschichte, die sich auf einen einfachen Nenner bringen lässt: Stranger Things, aber mit älteren Menschen. Ein riesiges spinnenartiges Monster mit Vorliebe für menschliche Körperflüssigkeiten treibt sein Unwesen rund um eine Gemeinschaft von Rentnern, denen ohnehin schon die Zeit davonläuft. Das Konzept trägt eine echte emotionale Wucht in sich: Ein Wesen, das Zeit stiehlt, bedroht ausgerechnet jene, die davon am wenigsten übrig haben.
Die Serie umfasst acht Folgen mit je rund 45 Minuten Laufzeit und wurde von Jeffrey Addiss und Will Matthews entwickelt, die zuvor gemeinsam an The Dark Crystal: Age of Resistance gearbeitet haben. Matt und Ross Duffer, bekannt als die Schöpfer von Stranger Things, fungieren als ausführende Produzenten und verleihen dem Projekt erkennbar ihre Handschrift.
Regie beim Auftakt führte Ben Taylor, und die Premiere enthält nach Meinung von Kritikern die mit Abstand stärkste Szene der gesamten Serie: eine Party, die etwa in der Mitte der ersten Folge stattfindet und als einziger wirklich begeisternder Moment gilt.
Alfred Molina als mürrischer Neuankömmling
Im Mittelpunkt steht Alfred Molina als Sam (Alfred Molina), ein Neuankömmling in den Boroughs, der keinerlei Absicht hegt, seinen Aufenthalt dort zu genießen. Molina spielt die Figur mit gewohnter Präzision: Sam ist widerstrebend, abweisend und doch unwiderstehlich zu beobachten. Sein Charakter wird in der ersten Nacht unsanft in das übernatürliche Geschehen hineingezogen, als ihn seltsame Geräusche aus dem Schlaf reißen und er vor seiner Haustür auf das spinnenartige Monster trifft.
Neben Molina versammelt die Serie ein beeindruckendes Ensemble: Geena Davis und Bill Pullman bringen jahrzehntelange Hollywooderfahrung mit, Jane Kaczmarek liefert gewohnt scharfzüngige Momente, während Jena Malone und Seth Numrich jüngere Energien in die Gemeinschaft einbringen. Die Stärke dieser Besetzung ist gleichzeitig einer der Kritikpunkte: Das Ensemble wird nach Ansicht von Rezensenten nicht ausreichend eingesetzt.
Stärken und Schwächen der Serie
Der größte Fehler von The Boroughs liegt laut Kritikern in der Verschwendung seiner wertvollsten Ressource: der Darstellerinnen und Darsteller. Ein Starensemble dieser Qualität verdient mehr Raum, als die Serie ihm letztlich zugesteht. Statt die Figuren mit der nötigen Tiefe auszustatten, bleibt die Erzählung zu oft an der Oberfläche des übernatürlichen Genres.
Gleichzeitig besitzt die Serie einen aufrichtig berührenden Grundgedanken. Monster, die Menschen die verbleibende Lebenszeit stehlen, sind in einem Umfeld von Seniorinnen und Senioren keine abstrakte Bedrohung, sondern eine Metapher mit echtem emotionalem Gewicht. Dieses Potenzial entfaltet The Boroughs jedoch nur in Ansätzen.
Die handwerkliche Qualität ist solide, und einzelne Szenen, besonders jene Party in der Premiere, zeigen, was die Serie sein könnte. Das Problem ist, dass solche Momente zu selten bleiben und der Rest der acht Folgen das hohe Niveau nicht halten kann.
Duffer Brothers im Hintergrund
Die Beteiligung von Matt und Ross Duffer als ausführende Produzenten sorgt für Aufmerksamkeit, denn die Schöpfer von Stranger Things wissen, wie man übernatürliche Bedrohungen mit menschlichen Emotionen verbindet. Ihr Einfluss ist in der Grundstruktur von The Boroughs spürbar, auch wenn Addiss und Matthews als eigentliche Serienschöpfer die kreative Führung übernehmen.
Jeffrey Addiss und Will Matthews haben mit The Dark Crystal: Age of Resistance bewiesen, dass sie ambitionierte Fantasywelten erschaffen können. The Boroughs ist ein anderes Terrain, näher an der Gegenwart, eingebettet in eine realistische Gemeinschaft. Ob das Duo die Balance zwischen Genre und Charakterdrama langfristig findet, dürfte über den Erfolg der Serie entscheiden.
Verfügbarkeit und Ausblick
The Boroughs erscheint auf Netflix. Ein konkretes Startdatum für Deutschland steht noch aus. Die Serie ist auf vier Staffeln angelegt, was darauf hindeutet, dass Netflix langfristig an dem Konzept festhält und die Geschichte der Boroughs-Gemeinschaft über mehrere Jahre erzählen will.
Ob das Publikum bereit ist, einer Seniorenresidenz mit Monsterbefall vier Staffeln lang zu folgen, hängt maßgeblich davon ab, ob die Serie ihr Versprechen einlöst. Die erste Staffel mit acht Folgen liefert nach bisherigen Einschätzungen ein gemischtes Bild: starke Idee, starke Besetzung, aber noch zu viel ungenutztes Potenzial.
Fans von Stranger Things und ähnlichen Genreserien wie A Man on the Inside oder The Four Seasons dürften neugierig auf The Boroughs sein. Wann genau der Start in Deutschland erfolgt, bleibt abzuwarten.
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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