Sieben Episoden, ein Gründervater: Larry David zu Life, Larry and the Pursuit of Unhappiness

Larry David, Meister des modernen Scheiterns, trifft auf die Gründerväter Amerikas. Die HBO-Produktion steckt den notorischen Nörgler in historische Kostüme und schickt ihn durch die großen Momente der amerikanischen Geschichte. Ob das Kostüm die Neurosen kaschiert, darf bezweifelt werden.
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Ein Anruf vom Golfplatz genügte
Barack Obama rief seinen Golffreund Larry David an und fragte, ob er Lust hätte, eine Komödie zum 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten zu drehen. David, der Geschichte studiert hatte, war sofort begeistert. Das Ergebnis ist 'Life, Larry and the Pursuit of Unhappiness', eine siebenteilige HBO-Produktion, die David in historische Kostüme steckt und ihn mitten in die großen Momente der amerikanischen Geschichte wirft.
Executive Producer Jeff Schaffer, Davids langjähriger Mitstreiter aus 'Curb Your Enthusiasm', brachte das Projekt auf eine einfache Formel: 'Was wäre, wenn ich euch zwei Menschen bringe, die eine Hälfte Amerikas liebt?' HBO-Komödienchefin Amy Gravitt ließ sich von dem Argument überzeugen. Schaffer beschreibt die Serie intern als 'Curb in Kostüm'.
David spielt in der Auftaktfolge Robert R. Livingston, einen der Gründerväter, der angeblich den ersten Entwurf der Unabhängigkeitserklärung verfasste. Seine Beschwerdeliste enthält dabei gewohnt kleinteilige Ärgernisse: das Verbot, einen Regenschirm zu teilen, oder die Pflicht, vorab zu erfahren, wer bei einer Dinnerparty erscheint.
Sommercamp für Komiker
Die Besetzung liest sich wie ein Wiedersehen alter Bekannter. Jeff Garlin, Susie Essman und JB Smoove kamen ebenso an Bord wie Vince Vaughn. Schaffer beschreibt es als Familienausflug durch die Zeit: 'Du nimmst deine Familie mit, also kam JB mit auf die Reise, und Susie, und Jeff, und Vince.'
Dazu gesellten sich Kathryn Hahn, Jerry Seinfeld, Rita Wilson, Jon Hamm, Sean Hayes, Lin-Manuel Miranda und Kaley Cuoco. Samuel L. Jackson übernahm die Rolle des dokumentarischen Erzählers, dessen Stimme laut Schaffer 'der perfekte Gegenpol zu dem ganzen Ding' war. Obama und David fungierten dabei als eine Art Lagerleiter dieses Komiker-Sommercamps.
Schaffer betont, dass trotz des Staraufgebots jeder Gast nur einen Tag vor Ort war. Die logistische Herausforderung bestand darin, Drehort und Person terminlich in Einklang zu bringen. 'Sie alle haben ein volles Leben, aber ich bin wirklich froh, dass wir all diese Menschen gewinnen konnten', so Schaffer.
Obama am Set: Alte Lippen und Kvetching
Schaffer traf Obama zum ersten Mal am Set. Der Ex-Präsident begrüßte ihn mit der Frage, ob er Golf spiele, und witzelte über Davids exzessiven Sonnenschutzmitteleinsatz. David konterte prompt. Schaffer sagt, von diesem Moment an war klar, dass man die beiden einfach zusammen sehen musste.
Obama brachte eigene Ideen mit. Die Bemerkung über Davids 'alte Lippen' stammte laut Schaffer zu hundert Prozent vom Ex-Präsidenten selbst. Obama kommentierte die Dreharbeiten am Ende mit einer präzisen Beobachtung: 'Larry macht die Welt unangenehm, und du sorgst dafür, dass die Welt Larry unangenehm macht.'
Obama besitzt bereits drei Emmys für Erzählerleistungen. Schaffer kündigte im Interview scherzhaft an, er und Obama planten die Veröffentlichung einer Musiksingle, damit der Ex-Präsident das EGOT, also Emmy, Grammy, Oscar und Tony Award, anstreben könne.
Produktion: Kinooptik statt Sketchbühne
Geschrieben wurde die Serie ähnlich wie 'Curb Your Enthusiasm': Outline erstellen, Dialoge am Drehtag entwickeln. Der entscheidende Unterschied lag in der Produktionsästhetik. Das Team baute einen Nachbau des Wright-Flyers, drehte in einem Weltkriegs-Schützengraben und auf einem Schiff. 'Das Einzige, was nicht authentisch ist, ist Larry', erklärt Schaffer.
Jede Episode beginnt mit einem dokumentarischen Vorspann, der historischen Kontext liefert, bevor die eigentliche Komödie einsetzt. Die Serie umfasst sieben Folgen, eine mehr als ursprünglich geplant, weil im Schnitt so viel Material vorhanden war. Am Premierentag wurde noch die sechste Episode abgemischt.
Schaffer lobt ausdrücklich das Kostüm- und Produktionsteam für die historische Genauigkeit. Trotz des aufwendigen Looks sei die Produktion kein teures Projekt gewesen. David selbst, der nach eigener Aussage normalerweise kaum Einladungen annimmt, war laut Schaffer von der Idee sofort gepackt: 'Für Larry geht es nie darum, wer fragt, sondern darum, was gefragt wird.'
Geschichte als Spiegel der Gegenwart
Die Serie nutzt historische Episoden bewusst als Kommentar auf aktuelle Debatten. Impfskepsis wird etwa am Beispiel der Polio-Bekämpfung verhandelt. Schaffer formuliert es so: 'Wir wiederholen Geschichte, wir machen dieselben dummen Fehler, wie das Ignorieren von Wissenschaft.'
Obama übernimmt in der Serie die Rolle des Vorwärtszeigers: Während David die Rückschritte der Geschichte seziert, erinnert der Ex-Präsident daran, dass Amerika sich trotz allem weiterbewegt. Schaffer vergleicht die Arbeit an der Jubiläumsserie mit einer Geburtstagsfeier für einen Freund in der Rehabilitation: 'Er ist ganz schön ramponiert, aber wir lieben ihn trotzdem.'
Einige Beschwerden, die David bereits in 'Curb Your Enthusiasm' thematisierte, tauchen auch hier wieder auf, darunter das Respektieren von Warteschlangen und der korrekte Umgang mit Jahresendgrüßen. Das sei kein Zeichen von Einfallslosigkeit, erklärt Schaffer, sondern eine bewusste Entscheidung: Was wäre dieses Land geworden, hätte man diese Regeln von Anfang an eingehalten?
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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