Sheridan rechnet mit Kritikern und Studios ab

·30.06.2026, 01:31 Uhr·4 Min
Sheridan rechnet mit Kritikern und Studios ab
Bild: Paramount Network · TMDB

Sheridans offene Kritik verändert das Verhältnis zwischen Schöpfern und Studios. Der Yellowstone-Produzent gab im Podcast von Bill Simmons zu, Kritiker mit Casting-Entscheidungen bewusst zu provozieren. Für Zuschauer bedeutet das: Viele Szenen hatten eine doppelte Absicht.

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Podcast-Auftritt vom Wyoming-Ranch

Taylor Sheridan meldete sich direkt von seiner Ranch in Wyoming in den Podcast von Bill Simmons. Anlass war unter anderem sein neues Buch 'How Not to Die in Prison', das er gemeinsam mit Tom Nelson verfasst hat. Doch das Gespräch weitete sich schnell auf seine gesamte Serienarbeit aus, von Landman über 1923 bis hin zu Tulsa King.

Sheridan sprach dabei ungewohnt offen über sein Verhältnis zu Fernsehkritikern, zu Paramount-Executives und zur Frage, wie er seine Projekte konzipiert. Selten gibt der Produzent und Regisseur derart detaillierte Einblicke in seine Arbeitsweise. Das Gespräch mit Simmons bildete dabei eine Ausnahme.

Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt: Landman Staffel 2 und die erste Staffel von The Madison gelten derzeit als ernsthafte Anwärter auf Emmy-Nominierungen, obwohl Sheridans Serien von der Akademie jahrelang weitgehend ignoriert wurden.

Demi Moore als kalkulierter Kritiker-Köder

Sheridan räumte offen ein, Kritiker bewusst zu provozieren. Als konkretes Beispiel nannte er die Besetzung von Demi Moore in der ersten Staffel von Landman. Er habe ihr bereits bei ihrem ersten Treffen gesagt: 'Du wirst in dieser Serie sieben Folgen lang eine Nebenrolle spielen, und die Kritiker werden über mich herfallen. Sie werden sagen, ich nutze dich nicht aus, ich kann keine Frauen schreiben, all dieser Unsinn.' Das war laut Sheridan Absicht, keine Schwäche.

Der Plan dahinter: Erst wenn Jon Hamm als ihr Ehemann am Ende der ersten Staffel stirbt, muss Moores Figur das Ölunternehmen übernehmen. Durch die bewusst zurückgehaltene Bildschirmzeit in Staffel 1 musste ihre Figur nicht nur den Widerstand aller anderen Charaktere überwinden, sondern auch das vorgefertigte Urteil des Publikums. Sheridan nennt das eine Dramaturgie 'durch Auslassung'.

Den Kritikern schickte er für ihre Vorab-Besprechungen nur die ersten drei Folgen, nicht genug, um die Wendung zu erkennen. Seine Begründung fiel knapp aus: 'Ich hätte ihnen mehr Folgen geben können, damit sie den Schwenk selbst erkennen. Aber ich tat es nicht. Ich schickte ihnen einfach die ersten drei. Denn zum Teufel damit, ehrlich gesagt.' Den Monolog, mit dem Moore in Staffel 2 alles auflöst, bezeichnete er als den eigentlichen Payoff.

Kein Interesse an Emmy-Trophäen

Sheridan formulierte gegenüber Simmons unmissverständlich, was sein Antrieb als Erzähler ist und was nicht. Bei seinem Einstieg bei Paramount habe er den Verantwortlichen direkt gesagt: 'Das ist keine Demokratie. Es gibt kein Komitee. Ihr bezahlt mich, gebt mir Geld, und ich liefere euch diese Serien.' Emmys seien dabei nie das Ziel gewesen.

Sein erklärtes Ziel: Menschen auf ihr Sofa setzen, sie bewegen, zum Lachen bringen, erschrecken, begeistern. Genau das, so Sheridan, erwarte er selbst von einer guten Serie. Ob die Akademie das honoriert, sei für ihn schlicht irrelevant. 'Ihr werdet mit mir keine Emmys gewinnen, aber ich versuche auch nicht, Emmys zu gewinnen', sagte er.

Diese Haltung spiegelt sich auch in seiner Erzählstruktur wider: Sheridan betonte, dass er bei jeder seiner Serien bereits beim Start weiß, wie sie endet. Kein Experiment, kein Schreiben in den Wind, sondern ein von Anfang an durchgeplanter Bogen.

Entwicklungsabteilung abgeschafft, Alleingang durchgesetzt

Sheridans Verhältnis zu Paramount war von Beginn an unkonventionell. Als er dort anfing, gab es eine große Entwicklungsabteilung mit Mitarbeitern, deren Aufgabe es war, ihm Notizen zu geben und seine Arbeit zu steuern. Sheridan ignorierte sie konsequent, nahm ihre Anrufe nicht entgegen. Nach vier Jahren wurde die Abteilung aufgelöst, alle Mitarbeiter entlassen.

Seine Erklärung ist nüchtern: 'Sie hatten keinen Job. Weil ich ihre Anrufe nicht entgegennahm. Weil sie nicht tun, was ich tue.' Das klingt arrogant, hat aber einen sachlichen Kern. Sheridans Serien zogen ein riesiges Publikum an, seine kreative Autonomie erwies sich als wirtschaftlich wertvoller als jede Komiteekontrolle.

Gleichzeitig kritisierte er das Prinzip der Executive-Kontrolle generell: Das Geschäft werde heute von Executives regiert, die entscheiden, ob ein Skript produziert wird, und die versuchen, jedes Element zu kontrollieren. Für sein eigenes Arbeitsmodell lehnte er genau das von Anfang an ab.

Milliarden-Deal und Abschied von Paramount

Ab 2029 wechselt Sheridan zu NBCUniversal. Der Vertrag für Film- und Serienproduktionen hat einem Bericht zufolge ein Volumen von bis zu rund 920 Millionen Euro. Ein Abgang, der die Branche aufhorchen lässt, denn Sheridan ist verantwortlich für einige der erfolgreichsten Serienproduktionen der vergangenen Jahre.

Über eine Rückkehr nach Los Angeles für Produktionszwecke dachte Sheridan gar nicht erst nach. Seinen Standpunkt formulierte er bildreich: 'Der einzige Weg, mich zurück nach Los Angeles zu bringen, wäre, wenn es sich von der Union abspaltet und ich zum Militärdienst eingezogen werde, um es zurückzuerobern.' New York hingegen lobte er als Stadt mit echter Substanz.

Für deutsche Zuschauer sind Sheridans Serien, darunter Yellowstone, Landman und 1923, bei Paramount+ abrufbar. Wie sich sein Wechsel zu NBCUniversal auf künftige Projekte und deren internationale Verfügbarkeit auswirkt, bleibt abzuwarten.

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Quelle: Paramount NetworkZuletzt aktualisiert: 30.06.2026, 01:31 Uhr

Artikel geschrieben von:

Laura Klein
Autor
Laura Klein
Sci-Fi & FantasyMysteryKomödien-Serien

Laura Klein ist spezialisiert auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Serien mit geschultem Blick für Erzähltempo und Figurenentwicklung.

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