Sechs Wochen Reha, ein Jahr Pause: Was Kit Harington Game of Thrones wirklich kostete

Sechs Wochen Reha und ein Jahr Auszeit: Game of Thrones hinterließ Spuren. Kit Harington, heute 39 und Stammbesetzung in der HBO-Serie Industry, spricht erstmals offen darüber. Das Gespräch mit Peter Dinklage nach sieben Jahren Funkstille liefert Antworten, die Fans lange suchten.
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Sieben Jahre ohne Kontakt
Kit Harington, heute 39 Jahre alt und festes Ensemblemitglied der Serie Industry, und Peter Dinklage, 56, der zuletzt in einer Gastrolle in der Serie The Lowdown zu sehen war, haben sich seit dem Serienfinale 2019 nicht mehr persönlich getroffen. Fast ein Jahrzehnt hatten sie gemeinsam gedreht, unter widrigen Bedingungen in Belfast, Spanien und Kroatien. Dann war die Serie vorbei, und jeder ging seinen eigenen Weg.
Das Wiedersehen beginnt mit einem Versprechen. Dinklage setzt den Ton: 'Lass uns uns gegenseitig in Verlegenheit bringen.' Was folgt, ist kein nostalgisches Schwelgen, sondern ein ehrliches Gespräch über das, was die Jahre nach Westeros wirklich bedeutet haben.
Harington erinnert sich, dass seine allererste Szene vor einer Kamera überhaupt die mit Dinklage war. Er stand steif wie ein Brett, überzeugt, Schauspielerei vor der Kamera bedeute absolute Reglosigkeit. Dinklage bewegte sich, und Harington dachte zunächst, der Kollege übertreibe maßlos.
Haringtons Weg in die Nüchternheit
Während die erste Folge der achten und letzten Staffel ausgestrahlt wurde, trat Harington in eine Reha-Klinik ein. Sechs Wochen blieb er dort. Er sah die letzte Staffel nie. Danach nahm er sich ein Jahr Auszeit, um sich zu sortieren, bevor die Pandemie diesen Neustart nochmals verzögerte.
Harington beschreibt seine gesamte Zeit bei Game of Thrones als eine Arbeit aus dem Schmerz heraus: 'Ich habe fast die gesamte Serie aus einem Ort des Schmerzes heraus gespielt.' Die Figur Jon Snow (Kit Harington), stets tugendhaft, stets schwer, ließ ihm wenig Spielraum für Leichtigkeit. Erst danach, beim Blick auf Dinklages Arbeit als Tyrion (Peter Dinklage), erkannte er, was ihm gefehlt hatte: die Mischung aus Humor und Tragik.
Genau das sucht Harington nun bewusst. In Industry spielt er eine Figur, die ihm diese Verbindung ermöglicht. Die Showrunner Mickey Down und Konrad Kay erinnerten ihn von Anfang an an die Game-of-Thrones-Schöpfer David Benioff und Dan Weiss, was für ihn ein entscheidendes Signal war.
Dinklage und die Grenzen des Ruhms
Dinklage gewann für seine Rolle als Tyrion Lennister drei Emmys. Nach dem Serienende hoffte er, dass sich die Branche geöffnet hatte. Doch die Angebote, die ihn erreichten, ähnelten erschreckend dem, was er vor Game of Thrones bekommen hatte: Fantasy-Rollen, in denen Figuren seiner Körpergröße wieder auf Klischees reduziert wurden.
'Ich dachte, wir hätten etwas verändert', sagt Dinklage. Stattdessen drehte er kleinere Filme, begann eigene Projekte zu entwickeln, und lehnte alles ab, das er nicht wirklich wollte. Seit dem Ende der Serie hat er nach eigener Aussage nichts angenommen, hinter dem er nicht vollständig steht.
Kommenden Herbst ist Dinklage in der neuen Alien-Serie zu sehen. Der Hauptgrund für seine Zusage: Sein achtjähriger Sohn liebt das Franchise. Als er ihm die Neuigkeit mitteilte, antwortete der Junge trocken: 'Ruin meine Lieblingsserie nicht, Papa.' Dinklage hatte nicht bedacht, dass er für seinen Sohn plötzlich zur Realität in dessen Fantasiewelt wird.
Elternschaft, Nacktheit und das Älterwerden
Beide Schauspieler sind inzwischen Väter und beschreiben, wie die Elternschaft ihre Perspektive auf die Arbeit verschoben hat. Dinklage, dessen erste Tochter am Ende der zweiten Staffel geboren wurde, verbrachte die Drehjahre in Belfast als Familienvater, während jüngere Kollegen in ihrer Freizeit durch Europa reisten. Seine Tochter spricht noch heute mit irischem Akzent.
Harington, verheiratet mit Game-of-Thrones-Kollegin Rose Leslie, macht sich Gedanken darüber, dass seine Kinder ihn eines Tages in zahlreichen Nacktszenen sehen werden. Er dreht derzeit auffallend viel ohne Kleidung und fragt sich, ob er das einschränken sollte. Dinklage winkt ab: Nacktheit sei in Ordnung, die Therapiegespräche kämen sowieso irgendwann.
Über das Älterwerden sind sich beide einig: Die Freiheit, weniger auf Kritik und soziale Medien zu achten, wächst mit den Jahren. Harington ist nicht auf sozialen Plattformen aktiv, was er als wichtigstes Werkzeug gegen die Obsession mit dem Urteil anderer beschreibt.
Was von Westeros bleibt
Dinklages Kinder schauten sich Game of Thrones im vergangenen Jahr erstmals an. Sein Sohn war begeistert, schreibt selbst Gruselgeschichten und erinnert Dinklage an einen kleinen Stephen King. Die Serie durch die Augen der eigenen Kinder zu erleben, beschreibt Dinklage als seltsam und bewegend zugleich.
Mit früheren Kollegen halten beide losen Kontakt. Harington schreibt gelegentlich mit John Bradley, Richard Madden und Alf Allen, sieht Emilia Clarke, die in London in der Nähe wohnt. Doch nach Jahren des gemeinsamen Lebens brauchten alle Abstand. Harington formuliert es so: 'Wir hatten so viel Zeit miteinander, dass wir tatsächlich etwas Raum brauchten.'
Rory McCann, der den Hound spielte und unter schweren Kostümen litt, taucht im Gespräch als lebendige Erinnerung an die körperlichen Strapazen der Produktion auf. Und Ethan Hawke, seit 35 Jahren mit Dinklage befreundet, spielte in The Lowdown eine entscheidende Rolle: Die gemeinsame Geschichte der beiden machte die Szenen glaubwürdig, ohne dass viel erklärt werden musste.
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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