Paris, Schweigen, Krebs: So verabschiedet sich Hacks in Staffel 5

·29.05.2026, 20:00 Uhr·4 Min
Paris, Schweigen, Krebs: So verabschiedet sich Hacks in Staffel 5
Bild: HBO Max · TMDB

Deborahs Tod war schon einmal Schlagzeile, damals falsch. TMZ meldete ihren Tod in Singapur als Fehler, doch in Staffel 5 wird der Krebs Realität. Dass die Serie ihre eigene Fake-News-Pointe so dunkel auflöst, hat niemand erwartet.

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Krebs, Tod und eine letzte Entscheidung

Deborah Vance (Jean Smart), gespielt von Jean Smart, ist todkrank. Der Krebs, der in Staffel 5 von Hacks eingeführt wurde, hat ihren Körper fest im Griff, und die Comedy-Legende beschließt, ihr Recht auf einen selbstbestimmten Tod wahrzunehmen. Nur zwei Menschen kennen ihren Plan: Ava (Hannah Einbinder), ihre Autorin, und Jimmy (Paul W. Downs), ihr Agent. Für alle anderen bleibt die Wahrheit verborgen.

Das Finale zeigt die beiden Frauen in Paris, beide wissend, was am Ende der Reise wartet. Showrunnerin Lucia Aniello sowie ihre Co-Showrunner Paul W. Downs und Jen Statsky wählen dabei einen ungewöhnlichen Ton: lange Schweigepausen, kaum Humor, dafür eine emotionale Wucht, die die Serie zuvor nur selten so direkt zugelassen hat.

Ob man diese Entscheidung als mutig oder als Verrat am Tonfall einer Comedyserie empfindet, hängt davon ab, wie viel Raum man Stille und Trauer in einem Format zubilligt, das sich seit seinem Debüt während der COVID-Pandemie als Halbstunden-Comedy mit dramatischen Ausflügen definiert hat.

Staffel 5: Falscher Tod, echter Druck

Staffel 5 startete mit einem viralen Paukenschlag: Eine fälschlich verbreitete Schlagzeile meldete Deborahs Tod in Singapur. Der Irrtum trieb die Komikerin an, ihr Vermächtnis aktiv zu gestalten, und mündete in einem geplanten Soloauftritt im Madison Square Garden.

Doch der scheinbare Triumph entpuppte sich als Falle. Der rekordverdächtige Ausverkauf des Stadions war das Werk von Bob Lipka, jenem TV-Manager, den Deborah live im Fernsehen beim Abgang aus dem Late-Night-Betrieb öffentlich beim Namen nannte. Lipka wollte die Kontrolle zurückgewinnen und sabotierte das Projekt.

Diese Wendung, im vorletzten Folge enthüllt, schloss den Saisonbogen ab und bereitete das Finale auf seine eigentliche Aufgabe vor: nicht die große Show, sondern den ganz persönlichen Abschied zweier Frauen.

Schweigen als dramatisches Mittel

Das Finale dehnt sich auf über 45 Minuten und verzichtet weite Strecken lang bewusst auf Witze. Für eine Serie, die als Comedy vermarktet wird, ist das eine gewagte Entscheidung. Die Stille lässt die Zuneigung zwischen Deborah und Ava sichtbar werden, ohne sie zu benennen oder zu kategorisieren.

Sind sie Mutter und Tochter? Mentorin und Schülerin? Etwas Romantisches? Das Finale lässt diese Frage offen, und genau darin liegt seine Stärke. Hannah Einbinder, die Ava spielt, beschrieb gegenüber dem Hollywood Reporter eine neue körperliche Intimität zwischen den Figuren: 'Ich denke, dass der Ort, an dem sie enden, Hand in Hand gehend, eine körperliche Nähe einführt, die sich für mich wirklich neu anfühlt.'

Einbinder weiter: 'Sie halten sich wirklich in einer Art und Weise, die neu ist, ob das am Flughafen ist, im Louvre oder in dieser letzten Einstellung, wie sie Arm in Arm gehen. Ich denke, im Finale passiert etwas Neues.' Diese Offenheit passt zu einer Serie, die weibliche Dynamiken und Machtverschiebungen seit Beginn als zentrales Thema trägt.

Der letzte Witz rettet alles

Kurz bevor Deborah den Zug in die Schweiz besteigen will, um dort ihrem Leben ein Ende zu setzen, ruft sie Ava zurück. Ihr letztes Argument ist kein emotionaler Appell, sondern ein Witz: 'Das Schlimmste am Sterben ist, dass ich nicht mal genießen kann, wie dünn ich bin. Das ist der bessere Gag!'

Mit diesem Satz entscheidet Deborah sich dafür, lange genug zu leben, um ein Comedy-Programm über ihren Krebs zu entwickeln. Ob das als herzerwärmend, als emotionaler Schock oder als vorhersehbarer Ausweg wahrgenommen wird, bleibt dem Publikum überlassen. Klar ist: Die Serie lässt ihre Heldin nicht in der Schweiz sterben.

Die letzte Szene zeigt Deborah und Ava, wie sie eine Straße in Las Vegas entlanggehen, Arm in Arm, Witze ausprobierend. Dazu erklingt das berühmte Duett 'Get Happy/Happy Days Are Here Again' von Judy Garland und Barbra Streisand. Ein Sonnenuntergangs-Abschluss, der den Ton der Serie zitiert, ohne ihn zu kopieren.

Vermächtnis, Las Vegas und Kayla

Hannah Einbinder sprach auch über Deborahs Verhältnis zu ihrer eigenen Geschichte: 'Vermächtnis bedeutet, wirklich seiner eigenen Wahrheit zu ehren. Wenn Deborah in ihrer Rede im The Diva über ihre Liebe zu Las Vegas spricht, weil die Stadt sie akzeptiert hat, dann ist das ein Teil von ihr, den sie nicht versteckt.' Deborah ist demnach ebenso gern als Vegas-Ikone bekannt wie als Late-Night-Star oder als Frau, die aus moralischen Gründen abgetreten ist.

Neben dem Hauptstrang liefert das Finale auch einen Abschluss für Kayla (Megan Stalter) und Jimmy. Die beiden übernehmen das Unternehmen von Kaylas Vater, der offenbar Millionen veruntreut hatte und das Lebenswerk seiner Tochter als Fluchtweg übergibt. Ein ordentliches, wenn auch etwas bequemes Ende für zwei Figuren, die stets das komödiantische Gegengewicht zur Deb-Ava-Dynamik bildeten.

Hacks verabschiedet sich damit als Serie, die ihren eigenen Regeln folgt, auch wenn diese Regeln im Finale ungewohnt still und ernst klingen. Showrunnerin Lucia Aniello und ihr Team haben ein Finale produziert, das polarisieren dürfte, aber konsequent ist.

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Quelle: HBO MaxZuletzt aktualisiert: 29.05.2026, 20:00 Uhr

Artikel geschrieben von:

Lena Bergmann
Autor
Lena Bergmann
Sci-Fi & FantasyMystery-SerienStreaming-Analyse

Lena Bergmann ist Serienredakteurin mit Schwerpunkt auf Sci-Fi- und Fantasy-Formate wie The Witcher und Wednesday.

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