Owen Harris drehte das Finale von A Knight of the Seven Kingdoms mit echten Wespen

Wie dreht man 14 Ritter, sieben Kämpfe und einen Wespenschwarm gleichzeitig? Owen Harris hat das für das Finale von A Knight of the Seven Kingdoms versucht, beim Trial of Seven mit Peter Claffey als Dunk. Ob das Ergebnis die Strapazen rechtfertigt, entscheiden die Zuschauer selbst.
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Der Trial of Seven: Chaos mit System
Der Abschluss der ersten Staffel dreht sich um den sogenannten Trial of Seven, ein Turnier, bei dem zwei Teams aus je sieben Rittern gleichzeitig gegeneinander antreten, um das Schicksal des unerfahrenen Ritters Dunk (Peter Claffey) zu entscheiden. Dunk wird von Peter Claffey gespielt, sein junger Knappe Egg (Dexter Sol Ansell) von Dexter Sol Ansell. Die Vorlage stammt aus George R.R. Martins Novelle 'The Hedge Knight', die als Grundlage für die gesamte Staffel dient.
Regisseur Owen Harris, bekannt durch die Emmy-prämierte 'Black Mirror'-Episode 'San Junipero', beschreibt die logistische Herausforderung so: 'Das Gehirn explodiert einem regelrecht, wenn man versucht, das alles zusammenzusetzen. Selbst wenn der Hauptkampf feststeht, laufen gleichzeitig noch sechs weitere Kämpfe um ihn herum, die alle mit dem jeweiligen Kamerawinkel funktionieren müssen.' Die Komplexität war von Anfang an enorm.
Showrunner Ira Parker gab dem Team früh eine klare Richtung vor: Es ging nicht darum, die spektakulärsten Stunts der Fernsehgeschichte zu produzieren, sondern die Sequenz durch Dunks Augen erlebbar zu machen. Parker verglich es damit, wie sich ein zwölfjähriger Basketballfan fühlt, der zum ersten Mal das Madison Square Garden betritt und begreift: 'Diese Leute spielen für echtes Geld.'
Rob Inch entwickelt neue Kameratechnik
Stunt-Koordinator Rob Inch, ein 20-jähriger Veteran seines Fachs, begann ein volles Jahr vor Drehbeginn mit der Entwicklung geeigneter Lösungen. Inch hatte zuvor bereits an Ridley Scotts 'The Last Duel' eine Turniersequenz koordiniert und Erfahrungen aus mittelalterlichen Themenparks mitgebracht. Bewusst verzichtete er darauf, die Turnierszenen aus 'Game of Thrones' oder 'House of the Dragon' anzusehen: Die Serie sollte 'als sie selbst leben und atmen und meinen eigenen Ton haben', erklärte er.
Das zentrale Problem war die Eindimensionalität klassischer Turnieraufnahmen. 'Wenn man Turnierreiten betrachtet, ist es sehr eindimensional, es sind einfach Pferde, die aneinander vorbeiziehen', so Inch. Als Lösung entwickelte sein Team eine neue Kamerahalterung an einem Stab, die es ermöglichte, die Kamera sicher nah an die Reiter heranzuführen, selbst bei kombinierten Geschwindigkeiten von fast 100 Stundenkilometern. Ein versehentlicher Kontakt mit den Reitern wäre so kein fataler Treffer mehr.
Das Ergebnis waren Einstellungen, die direkt in den Blickwinkel einer Figur eintauchen. Harris beschreibt seinen Lieblingsmoment: 'Wir wollten diesen Moment erzeugen, in dem man in Dunks Helm steckt und das andere Pferd auf einen zurast, bevor man überhaupt begreifen kann, wo man ist.' Viele dieser Aufnahmen fanden ihren Weg in die fertige Serie.
Wespen, Schlamm und Belfast-Wetter
Die Dreharbeiten in Belfast im Jahr 2024 dauerten zwei Wochen und stellten das Team vor wechselnde Naturgewalten: zu viel Regen, dann zu viel Sonne, zu viel Schlamm, dann zu wenig. Den Höhepunkt bildete ein Wespenschwarm, der vom Kunstblut-Sirup angezogen wurde, mit dem Schauspieler und Stunt-Darsteller für die Schlammkampfszenen eingerieben waren. Die Insekten stachen den erschöpften Darstellern ins Gesicht.
Harris erinnert sich an die Reaktion des Teams: 'Am Ende hatten sie alle mehrfach Stiche abbekommen, aber sie sagten: Lass uns einfach weitermachen.' Trotz allem blieben ernsthafte Verletzungen aus, worauf Inch ausdrücklich stolz ist. Die Sicherheit hatte jedoch ihren Preis: Parker musste auf Set mehrfach auf zusätzliche Einstellungen verzichten, nachdem das Stunt-Team signalisierte, dass das Risiko zu hoch sei.
Parker zieht daraus eine eigene Logik: 'Wir können nicht einfach weiterdrehen, bis es genau so ist, wie wir es wollen. Aber das kommt uns zugute, weil wir der freche Außenseiter sind, und der Feind des Perfekten ist für uns das Gute.' Unbeabsichtigte Aufnahmen, etwa das Zurückführen der Pferde in ihre Startpositionen, wurden bewusst genutzt. Inch nennt solche Momente 'glückliche Zufälle'.
Mechanische Pferde statt digitaler Tricks
Eine der überraschendsten Enthüllungen hinter den Kulissen: Viele der spektakulärsten Stunts wurden nicht mit echten Tieren oder Computeranimationen realisiert, sondern mit mechanischen Pferden. 'Jedes Mal, wenn Pferde gegen die Begrenzung prallen, überschlagen oder Reiter abgeworfen werden, wurden mechanische Pferde eingesetzt', erklärt Inch. Viele Zuschauer dürften diese Szenen für digitale Effekte gehalten haben.
Die echten Tiere blieben unversehrt. Die mechanischen Konstruktionen ermöglichten es, Stunts zu wiederholen und zu kontrollieren, die mit lebenden Pferden schlicht zu gefährlich gewesen wären. Parker fasste die Leistung des Stunt-Teams in knappen Worten zusammen: 'Das Stunt-Team hat für uns geliefert. Die haben Dinge gemacht, die ich noch nie zuvor gesehen habe.'
Zusätzlich arbeitete die Produktion mit Nebelmaschinen und digitalen Nebeleffekten, die die wechselnden Wetterbedingungen in Belfast ausgleichen sollten. Der Nebel verstärkte zugleich die Enge und Bedrohlichkeit der Szene: 'Statt weiter Täler zu haben, schließt sich alles um Dunk zusammen', erklärt Harris die dramaturgische Wirkung.
Staffel zwei: kleiner und intimer
Die Produktion der zweiten Staffel ist bereits in Arbeit, musste jedoch einen Rückschlag hinnehmen. Die Dreharbeiten in Spanien wurden Ende März 2026 wegen Überschwemmungen durch den Sturm Therese unterbrochen. Wann genau weitergedreht werden kann, steht noch offen.
Parker gibt die Richtung vor: 'Wir versuchen, uns erneut auf das zu konzentrieren, was wir an dieser Serie am meisten lieben, nämlich die Beziehung zwischen Egg und Dunk.' Große Actionsequenzen im Stil von 'Game of Thrones' sind vorerst nicht geplant. Staffel zwei soll sich sogar noch kleiner und persönlicher anfühlen als die erste.
Parkers persönlicher Lieblingsmoment der Turniersequenz ist kein Lanzenstoß, sondern die Szene, in der Dunk vom Pferd steigt, seinen Helm abnimmt und Prinz Aeiron, gespielt von Finn Bennett, mit bloßen Händen niederzwingt. 'Ich bin auf und ab gesprungen vor Begeisterung', sagt Parker. 'Ich konnte die Wucht kaum fassen, mit der Peter Claffey darauf losgegangen ist. Man hörte den Aufprall auf dem Schild von Aeirons Stunt-Darsteller Zach Roberts. Da wusste ich: Diese Sequenz wird funktionieren.'
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Artikel geschrieben von:

Laura Klein ist spezialisiert auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Serien mit geschultem Blick für Erzähltempo und Figurenentwicklung.
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