Mozart sabotiert, Salieri neidet: Amadeus zeigt das mit erschreckender Schärfe
Wie nah muss man einem Menschen kommen, um ihn glaubwürdig zu hassen? Paul Bettany und Will Sharpe beantworten das in einer fünfteiligen Miniserie über Salieri und Mozart bei WOW. Ob die Serie dem Oscar-Film von 1984 das Wasser reichen kann, werden die nächsten Wochen zeigen.
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Mozart gegen Salieri: Genie trifft Neid
Im Wien des 18. Jahrhunderts prallen zwei Welten aufeinander: Wolfgang Amadeus Mozart, ein 25-jähriger Rebell mit überirdischem Talent, und Antonio Salieri, der fromme Hofkomponist, der alles darum geben würde, an Mozarts Stelle zu stehen. Die Serie zeichnet nach, wie Salieri den jüngeren Konkurrenten systematisch zu sabotieren versucht, während er nach außen hin Bewunderung heuchelt.
Will Sharpe, bekannt aus The White Lotus, verkörpert Mozart als jemanden, der soziale Normen kaum versteht und Konventionen ignoriert. Gleichzeitig kann diese Figur Musik von atemberaubender Tiefe schaffen. Sharpe beschreibt Mozart als eine Person, die an einem Ende verspielt und lebendig ist und am anderen dunkel und kinoreif.
Paul Bettany, bekannt aus WandaVision, sieht Salieri als eine der ikonischsten Figuren überhaupt, vergleichbar mit Iago aus Shakespeare. Salieri sei ein Antagonist, mit dem sich das Publikum identifizieren kann, weil Gefühle von Mittelmäßigkeit und mangelndem Selbstwert universell sind, während Genialität per Definition selten bleibt.
Intensität am Set: Nähe durch Konflikt
Paradoxerweise schweißte die wachsende Feindschaft der Charaktere die beiden Hauptdarsteller enger zusammen. Je toxischer die Dynamik zwischen Mozart und Salieri auf dem Bildschirm wurde, desto intensiver arbeiteten Sharpe und Bettany hinter den Kulissen zusammen, um sich gegenseitig Sicherheit zu geben.
Die Serie zeigt auch Mozarts Umfeld: Kaiser Joseph, gespielt von Rory Kinnear, sowie Constanze, Mozarts Ehefrau, dargestellt von Gabrielle Creevy. Diese Figuren rahmen den Machtkampf zwischen den beiden Komponisten und verleihen der Geschichte historische Tiefe.
Ein besonders pointiertes Zitat fasst die Spannung der Serie zusammen: Salieri wirft Mozart vor, Gott langweile sich schlicht an ihm. Diese Zeile verdichtet den religiösen Subtext der Geschichte, in der Salieri glaubt, Gott habe Mozart als sein Sprachrohr gewählt und ihn selbst dabei übergangen.
Monatelange Vorbereitung am Klavier
Für ihre Rollen mussten beide Schauspieler echte musikalische Fähigkeiten entwickeln. Paul Bettany investierte rund 100 Stunden, um ein Mozart-Stück zu meistern. Will Sharpe, der zwar bereits Grundkenntnisse am Klavier mitbrachte, trainierte monatelang, um die in der Serie gezeigten Kompositionen authentisch spielen zu können.
Besonders herausfordernd war für Sharpe das Spielen auf einem Hammerklavier, einem früheren Vorläufer des modernen Klaviers, das im 18. Jahrhundert gebräuchlich war. Das Instrument reagiert anders als ein zeitgenössisches Klavier und erforderte eine eigene Eingewöhnungszeit.
Einen unvergesslichen Moment erlebte Sharpe, als er während der Dreharbeiten versehentlich das Instrument beschädigte. Nach einem Schnitt lagen Tasten auf dem Boden. Sharpe fragte besorgt, ob es sich um ein Erbstück handle, woraufhin das Team ihn beruhigte. Die Reaktion des Crews lautete schlicht: Nur Will könnte so etwas passieren.
Vorlage: Theaterstück und Filmklassiker
Amadeus basiert auf Peter Shaffers gleichnamigem Theaterstück aus dem Jahr 1979, das 1984 unter der Regie von Milos Forman als Film adaptiert wurde und mehrere Oscars gewann, darunter den für den besten Film. Die neue fünfteilige Miniserie knüpft an dieses Erbe an, erzählt die Geschichte jedoch in einem frischen Format mit zeitgemäßer Inszenierung.
Die Produktion wurde als opulente und lebendige Serie beschrieben, die das Wien des 18. Jahrhunderts mit großem Aufwand rekonstruiert. Kostüme, Kulissen und Musik sollen das Publikum unmittelbar in die Epoche versetzen.
Die Besetzung rund um Sharpe und Bettany wird durch Rory Kinnear als Kaiser Joseph und Gabrielle Creevy als Constanze ergänzt, was der Serie ein starkes Ensemble verleiht.
Start und Verfügbarkeit in Deutschland
Amadeus startet am 8. Mai 2026 und ist in Deutschland über WOW sowie den Sky Go-Dienst und den Wow Fiction Amazon Channel abrufbar. Die Serie umfasst fünf Folgen und erzählt die Geschichte von Mozarts Aufstieg und Salieris Eifersucht in abgeschlossener Form.
Für Fans von historischen Dramen, Musikgeschichte und psychologischen Charakterstudien dürfte Amadeus ein Pflichttitel der Saison sein. Die Kombination aus starkem Ensemble, aufwendiger Ausstattung und einem zeitlosen Stoff verspricht packende Unterhaltung.
Die Serie richtet sich an ein breites Publikum: Wer die Filmversion von 1984 kennt und liebt, wird gespannt sein, wie Sharpe und Bettany die ikonischen Rollen neu interpretieren. Wer die Geschichte noch nicht kennt, erlebt eine der faszinierendsten Rivalitäten der Kulturgeschichte zum ersten Mal.
Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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