Mild statt wild: The Five Star Weekend mit Jennifer Garner im Review

·06.07.2026, 19:03 Uhr·3 Min
Mild statt wild: The Five Star Weekend mit Jennifer Garner im Review
Bild: Peacock · TMDB

Trauer trifft Luxus: Jennifer Garner bringt Nantucket auf den Bildschirm. Ab Donnerstag streamt die Serienadaption von Elin Hilderbrands Bestseller mit Garner als Food-Influencerin Hollis und Regina Hall als ihrer getriebenen Freundin Dru-Ann. Wer Drama und Tiefe erwartet, bekommt vor allem makellos gedeckte Tische.

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Trauer, Wein und ein Nantucket-Haus

Hollis Shaw ist Food-Influencerin, backt makellose Kuchen und Kekse für ihre Follower und verliert von einem Moment auf den anderen ihren Mann bei einem Unfall. Um die Trauer zu verarbeiten, lädt sie vier Freundinnen aus verschiedenen Lebensphasen in ihr Haus auf Nantucket ein. Was dabei entsteht, fragt eine der Gästinnen treffend: 'Ist das hier eine Party oder eine Identitätskrise?'

Die Vorlage stammt von Bestsellerautorin Elin Hilderbrand, deren Romane oft in der pittoresken Küstenidylle Nantuckets spielen. Das Serienprojekt übernimmt diese Ästhetik eins zu eins: Das Haus glänzt, das Licht stimmt, und die Tische sind immer perfekt gedeckt.

Genau darin liegt aber auch das Problem. Die Serie fühlt sich stellenweise an wie eine Anzeige für Luxus-Lifestyle-Marken, unterlegt mit einem Soundtrack, den man als 'coole Mutter Spotify-Playlist' beschreiben könnte. Substanz bleibt dabei auf der Strecke.

Starensemble mit zu wenig Material

Das Ensemble ist auf dem Papier beeindruckend. Regina Hall spielt Dru-Ann, eine ehrgeizige Sportmanagerin. Chloë Sevigny übernimmt die Rolle von Tatum, einer kantigen Jugendfreundin, die auf ein Krebsscreening-Ergebnis wartet. D'Arcy Carden, bekannt aus 'The Good Place', gibt die ulkige Mutter-Freundin Brooke. Und Gemma Chan stößt als Gigi hinzu, eine Fremde, die Hollis aus dem Internet kennt.

Timothy Olyphant taucht als Hollis' alte Flamme Jack auf und bringt seinen üblichen lässigen Charme mit. Mehr bekommt er allerdings nicht: Seine Figur bleibt, wie Kritiker bemerkten, nicht mehr als ein dekorativer Nebencharakter ohne erkennbare Tiefe. Judy Greer als hochnäsige Nachbarin Electra hätte das Potenzial für eine echte Antagonistin, ist aber viel zu selten zu sehen.

Jennifer Garners sonnige Energie als Hollis erinnert unangenehm an ihre Rolle in der wenig geliebten HBO-Serie 'Camping' von Lena Dunham, einem Projekt, das ebenfalls hinter seinen Möglichkeiten blieb. Garner gibt ihr Bestes, hat aber schlicht zu wenig Figur, um wirklich zu berühren.

Kein Mord, kein Schock, kein Biss

Wer auf Mord, Sex oder zumindest handfeste Konflikte hofft, wird enttäuscht. Die Frauen reden, streiten, trinken Wein und versöhnen sich wieder. Es gibt ein Geheimnis, das eine der Eingeladenen mit sich trägt, und die zentrale Frage der Serie lautet, wann es herauskommt. Wenn es schließlich ans Licht tritt, erzeugt es einige explosive Szenen, reißt die Serie aber nicht aus ihrer gemütlichen Lethargie.

Zum Vergleich drängen sich Serien wie 'Big Little Lies' oder 'The White Lotus' auf, die ähnliche Zutaten, nämlich wohlhabende Frauen, schöne Kulissen und verborgene Spannungen, mit deutlich schärferer Feder verarbeiteten. 'The Five Star Weekend' fehlt dieser Tiefgang vollständig.

Harlow Jane spielt Hollis' Tochter im College-Alter und ist in eine blasse Nebenhandlung eingebunden, die den Acht-Episoden-Rahmen auffüllt. Eine zweistündige Filmfassung hätte dieselbe Geschichte wohl konzentrierter und wirkungsvoller erzählt.

Optisch schön, dramatisch leer

Visuell ist die Serie tadellos. Das Haus auf Nantucket ist wirklich schön, die Kulissen laden zum Träumen ein, und Hollis' Kochkünste werden mit fast schon werbefilmartiger Sorgfalt in Szene gesetzt. Als Eskapismus-Erlebnis für ruhige Abende funktioniert das durchaus.

Was fehlt, ist Beobachtungsschärfe. Eine Serie, die auf große Konflikte verzichtet, muss ihre Figuren mit umso mehr Genauigkeit zeichnen. Das gelingt 'The Five Star Weekend' nicht. Die Charaktere bleiben eindimensional, ihre Konflikte oberflächlich, ihre Versöhnungen wenig verdient.

Das Ergebnis ist eine Serie, die weder klar Komödie noch Drama ist, sondern irgendwo dazwischen hängt. Acht Stunden mit diesem Ensemble zu verbringen ist nicht unangenehm, aber man verlässt Nantucket mit dem Gefühl, nichts Wesentliches erfahren zu haben.

Fazit: Gemütlich, aber folgenlos

The Five Star Weekend ist harmlose Unterhaltung für ein entspanntes Wochenende, mehr aber auch nicht. Das Versprechen eines spannungsgeladenen Frauen-Dramas löst die Serie nicht ein. Stattdessen gibt es Wein, schöne Bilder und Konflikte, die sich in Wohlgefallen auflösen, bevor sie richtig gezündet haben.

Für Fans von Elin Hilderbrand oder Jennifer Garner mag das reichen. Wer nach dem nächsten 'Big Little Lies' sucht, schaut besser anderswo. Die Serie startet in den USA im Juli 2026; ein Starttermin für den deutschsprachigen Raum, wo sie voraussichtlich über Sky oder WOW zu sehen sein wird, steht noch aus.

Schade um ein Ensemble, das mit besserem Material mehr hätte leisten können. Regina Hall verdient schärfere Dialoge. Chloë Sevigny verdient eine Figur, die wirklich eckt. Und das Publikum verdient mehr als Instagram-reife Lächeln ohne Tiefenschärfe.

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Quelle: PeacockZuletzt aktualisiert: 06.07.2026, 19:03 Uhr

Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann
Autor
Sophie Hartmann
Action-SerienScience FictionFantasy-Serien

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.

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