Matt Ball dreht Tucci in Italy mit Wende, warum Hochglanz bewusst ausfällt

Emmy-Lob trotz Absage an perfekte Bilder. Matt Ball prägte Tucci in Italy für National Geographic mit Stanley Tucci und erhielt dafür eine von drei Emmy-Nominierungen der Disney+-Reihe. Dieser Bruch könnte auch den neuen Ableger in Großbritannien sichtbar von klassischen Reiseformaten absetzen.
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Authentizität vor Hochglanz
Tucci in Italy setzt bei den Bildern auf einen klaren Grundsatz: echt vor geschniegelt. In Deutschland ist die Reihe bei Disney+ zu sehen, produziert wurde sie für National Geographic, und Kameramann Matt Ball prägte genau diesen Zugriff entscheidend mit.
Ball formulierte seine Haltung ungewöhnlich offen: 'Es geht nicht zwingend darum, wie schön alles aussieht.' Das eigentliche Ziel sei Authentizität, erst danach werde so gedreht, dass es 'so gut wie möglich' aussehe.
Diese Herangehensweise zahlte sich aus. Tucci in Italy erhielt in diesem Jahr drei Emmy-Nominierungen, darunter eine für Balls Kameraarbeit sowie weitere Nennungen für den Ton und als moderierte Sachbuchreihe oder Sondersendung.
Wie Ball zu Tucci fand
Die Zusammenarbeit begann nicht erst mit Tucci in Italy. Matt Ball lernte Stanley Tucci bereits als Kamera-Operator bei Stanley Tucci: Searching for Italy kennen, der Vorgängerreihe, die zwei Staffeln lang lief.
Mit dem Wechsel zur neu betitelten Fassung übernahm Ball dann die Bildgestaltung als verantwortlicher Kameramann. Parallel läuft die Arbeit schon weiter, denn derzeit entsteht ein weiterer Ableger, diesmal in Großbritannien.
Auffällig ist dabei, wie eng Ball an Tuccis Bildschirmpräsenz arbeitet. Patrick Ball, Bunny Levine, Meghan Markle und Guy Ritchie tauchen in diesem Zusammenhang zwar an anderer Stelle in der Unterhaltungsberichterstattung auf, für Tuccis Reisereihe bleibt aber die Kombination aus Gastgeber und beobachtender Kamera der eigentliche Motor.
So entsteht jede Reise
Vor den Dreharbeiten wird jede Station präzise vorbereitet. Stanley Tucci, Produzentin Lottie Birmingham und das Rechercheteam planen pro Stadt in der Regel einen Aufenthalt von etwa sieben bis zehn Tagen.
Gesucht werden Köche, Landwirte, Lebensmittelproduzenten und kulinarische Fachleute, die Küche und Landschaft einer Region tragen. Ball arbeitete dabei mit zwei Kamera-Operatoren und zwei Assistenten, um Bilder zu entwickeln, die möglichst unaufdringlich bleiben und den Mitwirkenden Sicherheit geben.
Genau darin liegt der dokumentarische Reiz der Reihe. Wenn Menschen nicht gegen eine aufdringliche Technik spielen müssen, erzählen sie freier, und Tuccis Gespräche über Kultur, Herkunft und Essen gewinnen deutlich an Wärme.
Le Marche als Lieblingsort
Statt nur die großen Postkartenorte anzusteuern, wich Tucci in Italy bewusst in weniger touristische Gegenden aus. Für Matt Ball wurde Le Marche zum persönlichen Favoriten, also gerade jene Region, die im internationalen Fernsehen oft hinter Rom, Mailand, Sizilien oder der Toskana verschwindet.
Ein Schlüsselmoment entstand im Restaurant Da Emilia am Meer. Dort probierte Tucci ein Spaghetti-Gericht mit Muscheln, das die Köchin von ihrer Großmutter gelernt hatte, und saß mit ihr an einer langen Tafel unter freiem Himmel mit Blick auf die Adria.
Ball erinnerte sich an das Licht fast schwärmerisch: 'Es sah fantastisch aus. Das Licht kam vom Wasser zurück, und es war ein wunderschöner Tag.' Solche Szenen erklären, warum die Reihe Appetit auslöst, ohne je wie ein steriler Werbefilm zu wirken.
Zufällig beim Essen gelandet
Balls Laufbahn im kulinarischen Fernsehen war nach eigener Darstellung eher Zufall als Karriereplan. Der Anfang lag bei Barefoot Contessa, wo er als Kamera-Operator arbeitete und auch seine spätere Frau kennenlernte.
Danach folgten weitere Formate aus derselben Welt, darunter Be My Guest With Ina Garten sowie Produktionen mit Jamie Oliver und Lorraine Pascale. Ball selbst spielt seine Leistung gern herunter und sagte, die Arbeit, Orte schön aussehen zu lassen, sei für ihn oft schon erledigt, bevor die Kamera überhaupt aufgebaut werde.
Ganz nebenbei gehört auch das Essen zum Job. Wie viel davon auf dem Teller landet, hängt laut Ball manchmal schlicht davon ab, wie offen er gerade für Innereien ist, während Stanley Tucci vor Ort ohnehin fast überall erkannt wird und regelmäßig ein geflüstertes 'Das ist Stanley Tucci' auslöst.
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Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
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