Matlock bleibt größer als erwartet, und Staffel 2 weiß genau warum

Kathy Bates kämpft in Matlock auf CBS gegen die Opioid-Krise. Die Serie geht in Staffel 2, weil die Einschaltquoten die Erwartungen übertrafen. Showrunnerin Jennie Snyder Urman setzt dabei bewusst auf die gesellschaftliche Unsichtbarkeit älterer Frauen als dramaturgisches Mittel.
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Matlock kämpft gegen Big Pharma
Madeline Kingston ist eine knallharte Anwältin, die ein doppeltes Spiel spielt: Nach außen gibt sie die sanfte Südstaaten-Großmutter Madeline 'Matty' Matlock, innerlich verfolgt sie ein einziges Ziel. Sie will eine schillernde New Yorker Anwaltskanzlei zu Fall bringen, die in die Opioid-Krise verwickelt sein soll, jene Epidemie, der auch ihre Tochter zum Opfer fiel.
Showrunnerin Jennie Snyder Urman beschreibt die Figur, gespielt von Kathy Bates, mit einer klaren These: 'Das Schwierige daran, älter zu werden, ist, dass die Menschen aufhören, einen auf eine bestimmte Weise anzusehen oder zu glauben, dass man relevante Meinungen hat. Und genau das nutzt sie zu ihrem Vorteil.' Matty tarnt sich mit dem Klischee der harmlosen älteren Dame und setzt es als Waffe ein.
Die zweite Staffel deutet an, dass dieser Plan aufgehen könnte. Urman sagt, Matty habe dabei auch erkannt, 'wie viel da draußen noch für sie ist'. Für die Showrunnerin ist das der emotionale Kern der Serie: Optimismus statt Resignation, Handlungsfähigkeit statt Rückzug.
Alter als dramaturgisches Werkzeug
Jennie Snyder Urman ist sich bewusst, dass sie die körperliche Realität ihrer Figur nicht ignorieren kann. Matty ist Ende siebzig, und ein Leben unter falscher Identität kostet Kraft. Die Autoren bauen das ein, etwa wenn die Figur nach einer durchwachten Nacht sichtlich erschöpft ist. Dennoch setzt Urman einen klaren Rahmen: 'Sterblichkeit und die Realität des Alters kreisen um sie herum, aber ich möchte das nicht zu sehr ausspielen, weil die Figur mit 77 nicht dort steht.'
Stattdessen betont Urman das Gegenteil: 'Ich glaube, es ist wichtig zu zeigen, dass jemand noch so präsent in der Welt ist, besonders da die Lebenserwartung steigt.' Die Serie soll laut ihrer Schöpferin trotz eines 'echten Untertons' keine düstere Produktion sein. 'Die Show ist in ihrer DNA nicht dunkel', sagt Urman.
Matty ist dabei nicht allein. Ihr Ehemann Edwin, gespielt von Sam Anderson, und Enkel Alfie, gespielt von Aaron Harris, stehen hinter ihr. Dazu kommt eine Wahlverwandtschaft jüngerer Kollegen, darunter Skye P. Marshalls Anwältin Olympia Lawrence, die nach dem Tod von Mattys Tochter einen Teil der entstandenen Leere füllt.
Keke Palmer jagt Vorstadtgeheimnisse
Peacocks Adaption des Tom-Hanks-Films 'The Burbs' dreht das Konzept in eine andere Richtung. Keke Palmer spielt Samira Fisher, Anwältin und frischgebackene Mutter, die mit ihrem Mann Rob, gespielt von Jack Whitehall, in dessen Kindheitsviertel zieht. Schon bald bemerkt sie, dass Rob ihr nicht alles über seine Jugend erzählt und die Nachbarschaft eigene Geheimnisse hütet.
Ihre Verbündeten sind ein ungewöhnliches Quartett: die Witwe Lynn, gespielt von Julia Duffy, die Marineveteranin Dana, gespielt von Paula Pell, und der skurrile Einzelgänger Tod Mann, gespielt von Mark Proksch. Samira beschreibt sich selbst an einer Stelle als 'im Grunde verwildert', was ihren Blick von außen auf die vermeintlich heile Vorstadt beschreibt.
Schöpferin Celeste Hughey sagt, sie habe bewusst eine Gruppe gewählt, die Diversität nicht nur in Herkunft und Hautfarbe, sondern auch im Alter abbildet: 'Sie sind alle Außenseiter, alle mit ihrer eigenen Art von Scham und Geheimnissen. Und ich fand, dass man selten eine Freundesgruppe sieht, die solche Vielfalt hat.' Hughey vergleicht das Quartett mit Dorothy und ihren Gefährten aus dem Zauberer von Oz.
Figuren mit eigener Stimme und Rhythmus
Celeste Hughey legt großen Wert darauf, dass ihre Figuren nicht als Chor funktionieren, der lediglich die Haupthandlung kommentiert. Jede Figur soll eine eigene Stimme haben. 'Jede Figur kommt mir musikalisch, ich höre ihren Rhythmus, ihre Sprechweise', sagt Hughey. 'Wenn man alle Namen aus dem Skript entfernt und die Figuren nicht mehr am Dialog unterscheiden kann, hat man ein Problem.'
Besonders wichtig war ihr, Klischees zu vermeiden. Lynn, die ältere Nachbarin, hätte leicht zur aufdringlichen 'Karen' werden können, die einer Person of Color wie Samira mit Misstrauen begegnet. Stattdessen zeigt die Serie Lynn als jemanden, der auf das Viertel aufpasst und neuen Bewohnern gegenüber offen ist. Hughey nennt sie 'die Nachbarin, die wir uns alle wünschen'.
Das Ergebnis ist eine Mordkomödie, die bewusst mit Erwartungen bricht. Hughey sagt, genau das sei ihr Ziel: das Publikum zu überraschen, ohne dabei die Glaubwürdigkeit der Figuren zu opfern.
Trend: Frauen, Humor und Gefahr
Matlock und The Burbs stehen nicht allein. Auf BritBox gründen Frauen in 'Riot Women' eine Rockband und geraten dabei in turbulente Situationen. Auf Netflix zeigt 'How to Get to Heaven From Belfast' Frauen, die in kriminelle Ermittlungen hineingezogen werden, während 'The Hunting Wives' den Spieß umdreht: Hier sind es die Frauen selbst, die Verbrechen begehen und vertuschen.
Was alle diese Produktionen verbindet, ist eine Gegenbewegung zu einem alten Muster: Frauen über fünfzig galten im Serienfernsehen lange als Randfiguren. Jetzt stehen sie im Zentrum, mit Fehlern, Risiken und echten Handlungsbögen. Das ist keine Nische mehr, sondern ein klarer Trend, der sich in mehreren Emmy-Saisons widerspiegelt.
Für deutschsprachige Zuschauerinnen und Zuschauer sind die meisten dieser Produktionen über die jeweiligen Streaming-Anbieter verfügbar. Matlock wird in DACH traditionell über Sky und WOW erwartet, Netflix-Produktionen wie 'The Hunting Wives' sind direkt abrufbar.
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Artikel geschrieben von:

Sarah Becker analysiert Streaming-Highlights aus den Bereichen Krimi, Drama und Mystery mit geschultem Blick für Erzählstrukturen.
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