Lange vor 60 Minutes war Riccie Johnson schon TV-Geschichte
60 Minutes verliert seine letzte lebende Verbindung zur allerersten Sendung. Riccie Johnson, die das Nachrichtenmagazin seit dem Piloten 1968 begleitete, starb am 3. Januar mit 101 Jahren. Fans der Sendung trauern um eine Frau, die Generationen von Moderatoren und Gästen unbemerkt ins beste Licht gerückt hat.
Artikel-Inhalt
Ein Leben hinter der Kamera
Florence Riccobono wurde am 27. Februar 1924 in Clifton, New Jersey, geboren. Unter dem Namen Riccie Johnson wurde sie zu einer der bekanntesten Maskenbildnerinnen im amerikanischen Fernsehen, auch wenn ihr Name dem breiten Publikum kaum geläufig war.
Ihre eigentliche Ausbildung in der Maskenkunst begann 1950, als sie beim Sender NBC eingestellt wurde. Dort arbeitete sie unter dem Maskenbildner Dick Smith, der später an Filmklassikern wie 'Der Pate', 'Amadeus' und 'Der Exorzist' mitwirkte und einen Ehren-Oscar erhielt.
Johnson schminkte in dieser frühen Phase ihrer Karriere Fernsehgrößen wie Milton Berle und Sid Caesar, zwei der prägendsten Unterhaltungsstars jener Ära.
Die Beatles und der unvergessliche Auftritt
Ihr wohl denkwürdigster Einsatz kam am 9. Februar 1964, als die Beatles in New York eintrafen, um in der 'Ed Sullivan Show' aufzutreten. Johnson war dafür zuständig, die Fab Four für ihren ersten US-Fernsehauftritt vorzubereiten.
Sie trug Kompaktpuder und Eyeliner auf, und als man sie später auf den Eyeliner ansprach, soll sie geantwortet haben: 'Das wird schon gut aussehen.' Diese Anekdote wurde Teil der Fernsehgeschichte.
Der Auftritt der Beatles in der 'Ed Sullivan Show' gilt bis heute als einer der bedeutendsten Momente in der Geschichte des amerikanischen Fernsehens. Johnsons Beitrag dazu blieb jahrzehntelang im Verborgenen.
Jahrzehnte bei 60 Minutes
Johnson war von Beginn an Teil von 60 Minutes: Sie arbeitete bereits bei der Premiere des Nachrichtenmagazins am 24. September 1968 mit. Zu den Moderatoren, die sie in den frühen Jahren betreute, zählten Mike Wallace und Harry Reasoner.
Ab den 1990er-Jahren war sie über mehr als zwei Jahrzehnte regelmäßig für die Sendung tätig, darunter für Moderator Charles Osgood sowie für Dan Rather und Morley Safer. Ihr Name tauchte in den Abspannen der Sendung noch bis Dezember 2018 auf.
Andy Rooney, bekannt für seine eigenwillige Art, trug seine Maske meist selbst auf. Wenn Johnson ihm helfen wollte, pflegte er sie anzuweisen, bloß die Augenbrauen in Ruhe zu lassen.
Privatleben und Familie
Ihren späteren Ehemann lernte Johnson unter ungewöhnlichen Umständen kennen: Ein Galgen traf sie am Kopf und zerbrach ihre Brille. Die beiden heirateten 1953 und bekamen in zehn Jahren sieben Kinder, die sie auf der Upper East Side in New York großzogen.
Neben den Beatles gehörten auch Politiker zu ihren prominenten Kunden. Bill Clinton unterschrieb ein Foto für sie mit den Worten: 'Danke, dass Sie mein altes Gesicht gut aussehen lassen.'
Johnson blieb ihrer Arbeit mit einer Leidenschaft treu, die weit über das normale Rentenalter hinausging. Ihr letzter Eintrag im Abspann von 60 Minutes stammt aus dem Dezember 2018, als sie bereits 94 Jahre alt war.
Ein Erbe in der Fernsehgeschichte
Riccie Johnson verkörperte eine Generation von Handwerkskünstlern, die im Hintergrund arbeiteten und dennoch das Bild des amerikanischen Fernsehens entscheidend mitgeprägt haben. Mehr als fünfzig Jahre bei einer einzigen Sendung sind in der Branche außergewöhnlich.
Von den frühen Tagen mit Milton Berle und Sid Caesar über den historischen Beatles-Auftritt bis hin zu Jahrzehnten bei 60 Minutes spannte sich ihre Karriere wie ein Panorama der Fernsehgeschichte.
Die Fernsehwelt trauert um eine Frau, die im Verborgenen Großes geleistet hat. Riccie Johnson wurde 101 Jahre alt.
Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
Alle Artikel von Sophie