Kripke bereut nichts, doch The Boys macht ihm in Staffel 5 echte Sorgen
Niemand high-fivt im Writers Room von The Boys. Obwohl Homelanders religiöser Machtanspruch in Staffel 5 die Gegenwart punktgenau trifft, beschreibt Kripke die Stimmung als kollektive Erschöpfung. Dass ein Superhelden-Showrunner die Realität als zu verrückt für Satire empfindet, ist ein Zeichen der Zeit.
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Homelander spielt Gott in Staffel 5
In der finalen Staffel von The Boys steigert Homelander seinen Machtanspruch ins Religiöse. Antony Starr verkörpert die Figur, die Showrunner Eric Kripke als 'unseren soziopathischen Superman' beschreibt, nun als jemanden, der die Welt dazu bringen will, ihn als neuen Gott anzuerkennen.
Die Handlung klingt wie eine Überspitzung, doch das Team schrieb sie bereits vor zwei Jahren. Was damals als satirische Zuspitzung gedacht war, wirkt heute wie ein Kommentar auf aktuelle Ereignisse, was die Macher selbst als belastend empfinden.
Kripke beschrieb in einem Gespräch auf einer Emmy-Veranstaltung bei Sony die endlosen internen Debatten darüber, ob die Geschichte zu weit gehe. Die Antwort lieferte die Wirklichkeit: 48 Stunden vor der Ausstrahlung erschien ein Bild, das diese Frage auf drastische Weise beantwortete.
Realität überholt die Satire täglich
Kripke formulierte seine Erschöpfung unverblümt: Als kurz vor der Ausstrahlung einer Folge ein politisches Bild kursierte, das den Inhalt der Serie fast wörtlich widerspiegelte, war seine Reaktion keine Erleichterung, sondern Frust. 'Kann man uns bitte die Möglichkeit lassen, Satire zu machen?', sagte er sinngemäß.
Wenn Fans das Team fragen, ob sie sich über die treffenden Parallelen freuen, lautet die ehrliche Antwort nein. 'Wir sind alle so traurig', sagte Kripke. Satire funktioniert als Warnung, nicht als Bestätigung, und wenn die Warnung zur Beschreibung der Gegenwart wird, hat sie ihren eigentlichen Zweck verfehlt.
The Boys steht damit exemplarisch für eine Reihe von Serien, die in den vergangenen Jahren politische Entwicklungen vorweggenommen haben, ohne das als Erfolg feiern zu können.
Viele Serien zeigen denselben Trend
The Boys ist nicht allein. Serien wie Andor und The Handmaid's Tale haben in den vergangenen Jahren Bilder von Autoritarismus und staatlicher Unterdrückung entworfen, die heute wie Berichte aus der Gegenwart wirken. The Testaments, die Fortsetzung von The Handmaid's Tale, erzählt weiter von Leben unter Unterdrückung und dem Widerstand dagegen.
For All Mankind zeigt eine Polizeitruppe auf einer Marsbasis, die Bürger wahllos einsperrt. Die betreffende Staffel wurde 2024 gedreht, bevor unkontrollierte Einwanderungsbehörden zum täglichen Gesprächsthema wurden. Auch South Park, The Pitt und 9-1-1 haben Abschiebungsrazzien und staatliche Willkür thematisiert.
Ramy Youssef brachte Elmo ein friedliches arabisches Wort bei, und das reichte aus, um konservative Medien in Aufruhr zu versetzen. Das Spektrum der betroffenen Serien ist breit, der gemeinsame Nenner ist derselbe: Fiktion und Realität rücken beunruhigend nah zusammen.
Emmy-Saison unter politischem Vorzeichen
Die aktuelle Emmy-Saison wird von Serien geprägt, die politische Realität nicht nur streifen, sondern direkt ansprechen. Das macht die Diskussionen auf Branchenveranstaltungen ungewöhnlich ernst. Kripke sprach auf einem Emmy-Vorschau-Panel offen über die emotionale Last, die das Schreiben politisch relevanter Stoffe mit sich bringt.
Auch Stephen Colbert verabschiedet sich mit seiner Late Show und hat für die letzte Woche Gäste wie Jon Stewart und Bruce Springsteen angekündigt. Das Ende einer der letzten großen politischen Abendshows fällt in eine Zeit, in der solche Stimmen besonders diskutiert werden.
Kate del Castillo kehrt für die vierte Staffel von La Reina del Sur bei Telemundo zurück. Ihre Figur Teresa Mendoza, so del Castillo, werde diesmal 'die Hölle berühren', was in der aktuellen Medienstimmung fast wie eine Metapher klingt.
Was Satire heute noch leisten kann
Die Frage, die Kripke und sein Team umtreibt, ist keine handwerkliche, sondern eine grundsätzliche. Wenn Satire die Wirklichkeit nicht mehr übertrifft, verliert sie ihr wichtigstes Werkzeug: die Übertreibung. Don Draper formulierte in Mad Men einmal kalt: 'Ich denke überhaupt nicht an dich.' Diese Gleichgültigkeit gegenüber dem Gegenüber ist genau das, was politische Satire heute zu bekämpfen versucht.
Kripke und sein Team schreiben nicht, um recht zu behalten. Sie schreiben, um auf Gefahren hinzuweisen, bevor sie eintreten. Dass die Wirklichkeit ihnen dabei immer wieder zuvorkommt, macht das Schreiben nicht leichter, sondern schwerer.
The Boys endet mit seiner finalen Staffel auf Prime Video. Was bleibt, ist die Frage, ob Satire in einer Zeit, in der die Realität jede Übertreibung mühelos einholt, überhaupt noch als Schutzschild funktionieren kann.
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Sieben Jahre, ein letztes Mal: The Boys sendet sein Finale
Prime Video verliert am 20. Mai seine brutalste Waffe. Das Serienfinale von The Boys beendet sieben Jahre Superhelden-Satire mit Karl Urban und Jack Quaid in ihren letzten gemeinsamen Szenen. Showrunner Eric Kripke hat das Ende von Anfang an geplant, was das Finale zu einem der wenigen echten Abschlüsse im Streaming-Zeitalter macht.

Gerade reden alle über diesen Gastauftritt in The Boys Staffel 5
Ein Hammerhai spricht, und dahinter steckt Hollywood-Schwergewicht Samuel L. Jackson. Kripke wandte sich direkt an Jacksons Agenten, ohne persönliche Verbindung, und bekam prompt eine Zusage. Dass der Star die Serie kennt und mag, hätte kaum jemand erwartet.

Eric Kripkes The Boys erreicht das Finale mit einem unerwünschten Rekord im Gepäck
Ausgerechnet in der letzten Staffel bricht The Boys einen Negativrekord. Episode 7 mit Karl Urban und Jack Quaid erzielt nur 7,0 von 10 Punkten auf IMDb. Für eine Serie, die 2019 als frische Superhelden-Dekonstruktion startete, ist das ein bitteres Zeichen.
Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
Alle Artikel von AnnaAnna hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.