Kaum jemand sah das kommen: Alice in Borderland meldet sich zurück
Netflix produzierte Alice in Borderland — doch das Unternehmen dahinter arbeitet jetzt für Disney+. The Seven, Inc. hat trotz laufender Netflix-Partnerschaft einen exklusiven Mehrjahresvertrag mit dem Konkurrenten geschlossen. Zwei Streaming-Giganten teilen sich nun dasselbe japanische Produktionshaus.
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Ein historischer Deal für Disney+
Die Partnerschaft zwischen Disney+ und The Seven markiert einen Wendepunkt in der Strategie des Konzerns für den japanischen Markt. Erstmals geht Disney+ eine dauerhafte Ko-Entwicklungsvereinbarung mit einem japanischen Produktionshaus ein, bei der beide Kreativteams von Anfang an gemeinsam an neuen Projekten arbeiten.
Carol Choi, Executive Vice President für Original-Content-Strategie bei The Walt Disney Company APAC, betonte die Bedeutung des Schritts: 'Seit dem Start von Disney+ in Japan sind allgemeine Unterhaltung und lokale Eigenproduktionen ein immer wichtigerer Teil unseres Inhaltsangebots – diese Zusammenarbeit ist eine natürliche Weiterentwicklung unserer Inhaltsinvestitionen.' Japan zählt zu den bedeutendsten Märkten der Plattform in der gesamten Region.
Narita Gaku, Executive Director für Inhaltsproduktion bei The Walt Disney Company Japan, ergänzte, man wolle 'unverwechselbare japanische Geschichten fördern, die sich authentisch, dauerhaft und wirklich bedeutsam für das Publikum anfühlen.' Der Anspruch ist klar: keine oberflächlichen Adaptionen, sondern tiefgreifende Originalwerke.
The Seven: Wer steckt dahinter?
The Seven, Inc. wurde Ende 2021 in Tokio gegründet und gehört zu TBS Holdings, dem Tokyo Broadcasting System. Trotz des jungen Alters hat sich das Unternehmen schnell als eine der gefragtesten Produktionsfirmen Japans etabliert.
Bekannt wurde The Seven vor allem durch die Netflix-Serie Alice in Borderland, die international begeisterte Kritiken erhielt und eine treue Fangemeinde aufbaute. Auch Yu Yu Hakusho, die Realverfilmung des gleichnamigen Manga-Klassikers, stammt aus dem Hause The Seven. Mit Netflix besteht ebenfalls eine mehrjährige Produktionspartnerschaft.
Nun erweitert The Seven sein Portfolio um Disney+ als zweiten großen Streaming-Partner. Damit positioniert sich das Unternehmen als zentrale Kraft im internationalen japanischen Serienmarkt – vergleichbar mit der Rolle, die große koreanische Produktionshäuser für das globale K-Drama-Phänomen spielen.
Morii Akira über Verantwortung und Visionen
Morii Akira, Vizepräsident und Chief Creative Officer bei The Seven, hat beide Staffeln von Alice in Borderland produziert und gilt als einer der kreativsten Köpfe des Unternehmens. Seine Worte zur neuen Partnerschaft zeigen, wie ernst The Seven die globale Ambition nimmt.
Morii erklärte: 'In einem Partner, der unsere Bestrebungen teilt, spüre ich sowohl eine Erweiterung der Möglichkeiten als auch ein tiefes Gefühl der Verantwortung. Unsere Mission ist es, Japans charakteristische feinfühlige Menschendramen und komplexe Welten zu nehmen und sie zu erstklassiger Unterhaltung zu erheben – Geschichten, die jeder, unabhängig von Herkunft oder Sprache, als seine eigene empfinden kann.'
Diese Haltung spiegelt einen breiteren Trend wider: Japanische Inhalte wie Shōgun haben zuletzt international für Aufsehen gesorgt und bewiesen, dass japanisches Erzählen ein globales Massenpublikum erreichen kann. The Seven will diesen Weg konsequent weitergehen.
Setoguchi Katsuaki: Japans nächste Welle
Setoguchi Katsuaki, Präsident und Geschäftsführer von The Seven, formulierte die Ziele der Partnerschaft mit großem Selbstbewusstsein: 'Ich bin überzeugt, dass wir durch Disneys umfangreiches Netzwerk und seine Expertise die verfeinerte Kreativität von The Seven entfalten und japanische Geschichten zur nächsten Begeisterungswelle machen können, in die sich die Menschen wirklich verlieben.'
Setoguchi betonte außerdem, The Seven werde 'weiterhin Grenzen und Sprachbarrieren überwinden, auf der Suche nach authentischen und innovativen Werken, die sich für immer in die Herzen der Zuschauer einschreiben.' Das klingt nach einem klaren Versprechen an das internationale Publikum.
Ob die neuen Disney+-Produktionen an den Erfolg von Alice in Borderland anknüpfen können, bleibt abzuwarten. Konkrete Serien wurden im Rahmen der Partnerschaftsankündigung noch nicht genannt – ein Startdatum für erste gemeinsame Projekte steht noch aus.
Was bedeutet das für Zuschauer?
Für Fans japanischer Live-Action-Serien ist die Vereinbarung eine erfreuliche Nachricht: Mit Disney+ kommt ein weiterer finanzstarker Partner ins Spiel, der japanische Originalproduktionen mit globalem Vertrieb unterstützt. Die neuen Serien werden exklusiv auf Disney+ verfügbar sein – sowohl in Japan als auch weltweit.
Die Partnerschaft ergänzt das bestehende japanische Angebot auf Disney+, zu dem unter anderem Gannibal und Disney Twisted-Wonderland: The Animation gehören. Mit The Seven als kreativem Motor dürften künftig Produktionen entstehen, die qualitativ mit den besten internationalen Streamingserien mithalten können.
Fans von Alice in Borderland, die auf eine weitere Staffel hoffen, sollten beachten: Die neuen Projekte entstehen im Rahmen der Disney+-Partnerschaft und sind unabhängig von der bestehenden Netflix-Zusammenarbeit. Alice in Borderland bleibt vorerst ein Netflix-Titel.
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Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
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