Junge Zuschauer sehen Girls heute anders: Andrew Rannells und Gilmore Girls profitieren

Damals verhasst, heute verstanden: Girls polarisiert noch immer, nur anders. Andrew Rannells beobachtet, dass Zuschauer, die beim Start zu nah dran waren, die Serie jetzt nach 15 Jahren klarer einordnen können. Dieser Perspektivwechsel verändert auch, wie Fans Serien wie Gilmore Girls rückblickend bewerten.
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Begegnung in Brooklyn verändert alles
Andrew Rannells begleitete Lena Dunham bei den Veranstaltungen rund um ihr Buch Famesick, einen Bestseller der New York Times. Bei einem Abend an der Brooklyn Academy of Music sprach eine junge Frau die beiden an, die Girls zum ersten Mal gesehen hatte, weil sie beim ursprünglichen Ausstrahlen der Serie noch ein Kind gewesen war.
Ihr Urteil überraschte beide: 'Ich glaube nicht, dass ihr selbstsüchtig seid. Ich glaube, ihr kümmert euch einfach um euch selbst.' Rannells reagierte ehrlich und meinte, die Figuren seien durchaus ziemlich egoistisch gewesen und nicht immer die besten Menschen.
Trotzdem nahm er die Aussage als Signal für einen echten kulturellen Wandel. Die Begegnung zeigte ihm, dass eine neue Generation Girls mit anderen Augen sieht als das Publikum, das die Serie einst begleitet hatte.
Zu nah an der Wahrheit damals
Rannells erklärte im Gespräch mit Ash Crossan für die Sendung Miss You, Love You, warum die Serie beim Start so viel Widerstand erzeugte: 'Es gab Menschen, die damals in dem Alter waren und die Serie nicht mochten. Ich glaube, es lag daran, dass sie ihnen zu nah an der eigenen Realität war. Und jetzt, 15 Jahre später, können sie sie anschauen und sagen: Das ist ziemlich treffend.'
Der Schauspieler räumte freimütig ein, dass er selbst in seinen frühen Zwanzigern schlecht behandelt und egoistisch reagiert habe. Die Figuren in Girls spiegelten eine menschliche Wahrheit wider, die viele Zuschauer zum Zeitpunkt der Ausstrahlung schlicht nicht wahrhaben wollten.
Mit zeitlichem Abstand fällt diese Selbsterkenntnis leichter. Was damals als Kritik an der Serie formuliert wurde, war laut Rannells oft eher eine Abwehrhaltung gegenüber dem eigenen Spiegelbild.
Allison Williams und Marnies Gerechtigkeit
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel am Beispiel der Figur Marnie Michaels, gespielt von Allison Williams. Marnie galt lange als eine der unbeliebtesten Figuren der Serie: verkrampft, narzisstisch und wenig selbstreflektiert.
Rannells sprach offen darüber, dass Williams für diese Darstellung viel Gegenwind bekam. Sein aktuelles Fazit fällt versöhnlich aus: 'Sie hat für diese Darstellung viel einstecken müssen, aber so schlimm war sie gar nicht.'
Dass Marnie heute mit mehr Nachsicht betrachtet wird, freut Rannells sichtlich. Er sieht darin eine späte Anerkennung für eine schauspielerische Leistung, die damals zu Unrecht als bloße Unsympathie abgetan wurde.
Was Girls eigentlich erzählt
Girls dreht sich um Hannah Helene Horvath, gespielt und erschaffen von Lena Dunham, und ihren Freundinnenkreis, der sich durch das unübersichtliche Erwachsenwerden in New York City kämpft. Dunham fungierte als Schöpferin, Showrunnerin und ausführende Produzentin und schrieb sowie inszenierte zahlreiche Folgen selbst.
Die Serie lief sechs Staffeln und hinterließ eine gespaltene Kritiker- und Zuschauerschar. Während manche die schonungslose Darstellung von Fehlern und Selbstbezogenheit als erfrischend ehrlich feierten, stieß die Serie bei anderen auf Ablehnung.
Heute, fast ein Jahrzehnt nach dem Finale, scheint sich das Bild zu verschieben. Girls gilt zunehmend als präzises Dokument einer Lebensphase, das seiner Zeit in der Selbstkritik voraus war.
Rannells nach Girls: Bühne und Streaming
Nach dem Ende von Girls blieb Andrew Rannells in Film und Fernsehen aktiv. Er spielte in Produktionen wie A Simple Favor, The Boys in the Band und Girls5eva mit. Aktuell ist er in Miss You, Love You zu sehen, das bei HBO Max abrufbar ist.
Parallel dazu pflegte Rannells seine Bühnenkarriere konsequent weiter. Er stand unter anderem in Jersey Boys, The Book of Mormon, Hedwig and the Angry Inch und Hamilton auf der Bühne.
Die Freundschaft mit Lena Dunham hat die Zeit überdauert. Rannells betonte, dass die beiden eng verbunden geblieben sind und seit Girls mehrfach zusammengearbeitet haben.
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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