Intime Szenen bei Game of Keys: Wie Prime Video hier einen eigenen Weg geht

Wie weit kann die Rolle einer Intimacy Coordinator noch gehen? Bei Game of Keys auf Prime Video war Emilia Bähr für intime Szenen zuständig, doch Branchendebatten fordern längst einen Einsatz auch bei Gewalt oder Schreien. Was das für zukünftige Produktionen bedeutet, ist noch offen.
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Emilia Bähr: Vom Casting bis zum Set
Emilia Bähr saß bei Game of Keys nicht nur am Filmset neben den Regisseuren, sondern war bereits beim Casting anwesend. Das ermöglichte den Schauspielerinnen und Schauspielern, frühzeitig eine Vertrauensbasis zu ihr aufzubauen, bevor die eigentlichen Dreharbeiten begannen. Produzentin Sinah Swyter beschrieb diesen Ansatz als bewusste Entscheidung: 'Sie war Teil der Castings, sie saß neben unseren Regisseuren, und so lernte unser Cast sie sehr früh kennen und hatte die Möglichkeit, eine gute Beziehung aufzubauen.'
Bähr gab außerdem Feedback zu den Drehbüchern und stand den Regisseuren als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Für eine Serie, in der intime Szenen einen zentralen dramaturgischen Stellenwert haben, war das laut Swyter unverzichtbar. Prime Video hat zwar auf mehreren Produktionen mit Intimacy-Koordinatorinnen zusammengearbeitet, aber selten so früh im Prozess wie bei Game of Keys.
Ulrike Leibfried betonte, es sei 'super wichtig' gewesen, den Darstellerinnen und Darstellern von Anfang an einen sicheren Rahmen zu bieten. Bähr entschied dabei fallweise, bei welchen Szenen sie aktiv eingriff und bei welchen nicht.
Intimitaet als dramaturgisches Werkzeug
Game of Keys verfolgt einen breiten emotionalen Ansatz bei der Darstellung von Sexualität: Manche Szenen sind komisch, andere intensiv oder emotional aufgeladen. Swyter erklärte, das Team habe 'einen sehr vielfältigen Zugang zu Sinnlichkeit' angestrebt und die intimen Szenen bewusst als wichtigen Teil der Handlung konzipiert, nicht als Beiwerk.
Die Serie folgt acht befreundeten Paaren, die ein gewagtes Spiel beginnen: Alle werfen ihre Hausschlüssel in eine Schüssel, und wer einen Schlüssel zieht, verbringt die Nacht mit dessen Besitzerin oder Besitzer. Was als aufregendes Experiment startet, entwickelt sich rasch zu einem emotionalen Pulverfass. Paula Kalenberg und Martin Bruchmann gehören zum Hauptensemble.
Swyter formulierte das Ziel der Produktion klar: 'Wir wollten es aus dieser anrüchigen Ecke herausholen und zeigen, dass das ganz normale Menschen sind, die das Spiel spielen und die Konsequenzen erleben.'
Kritik an Intimacy-Koordinatoren: Leibfrieds Antwort
Intimacy-Koordinatorinnen und -Koordinatoren sind in der Branche nicht unumstritten. Stars wie Gwyneth Paltrow haben das Konzept in der Vergangenheit öffentlich kritisiert. Leibfried setzt dem entgegen, dass ihr Einsatz gerade bei bestimmten Produktionen frühzeitig erfolgen sollte.
Sie plädierte dafür, das Tätigkeitsfeld der Intimacy-Koordination auszuweiten: auch auf Gewaltszenen, etwa wenn jemand geschlagen oder angeschrien wird. 'In diesem Moment vorbereitet zu sein, kann so hilfreich sein', sagte Leibfried. Der präventive Charakter der Arbeit steht dabei im Mittelpunkt, nicht die nachträgliche Schadensbegrenzung.
Vorstadt statt Berlin: die Tonal-Entscheidung
Game of Keys basiert auf dem mexikanischen Prime-Video-Original, das vor rund sieben Jahren startete. Die deutsche Version unterscheidet sich jedoch in Tempo, Umfang und Schauplatz deutlich vom Vorbild. Leibfried zufolge läuft die deutsche Fassung schneller ab und kommt mit zwei Folgen weniger aus.
Besonders markant ist die Entscheidung gegen Berlin als Handlungsort. Leibfried, Swyter und Prime-Video-Senior-Commissioner Julia Nisslein einigten sich schnell darauf, die Serie in einer namenlosen Kleinstadt anzusiedeln. 'Berlin ist sexuell so offen, also haben wir es ein bisschen in die Vorstadt verlegt', erklärte Leibfried. 'In der Vorstadt ist es überraschender, wenn jemand vorschlägt, so ein Spiel zu spielen. In Berlin würde das niemanden wundern.'
Leibfried nannte noch einen weiteren Grund für den Schauplatzwechsel: Eine Figur, die sich in der Serie outet, lasse sich in einem kleinstädtischen Umfeld dramaturgisch komplexer erzählen als im weltoffenen Berlin. Auch für das deutsche Publikum sei der Ansatz bewusst zugänglicher gehalten worden: 'Deutsche brauchen einen niedrigschwelligeren Zugang zur Sexualität', so Leibfried.
Weltweiter Start, mögliches US-Remake
Game of Keys wurde von UFA Fiction produziert, die zum Fremantle-Konzern gehört und zuletzt mit Maxton Hall: Die Welt zwischen uns einen internationalen Hit für Prime Video landete. Die deutsche Version ist in allen Regionen weltweit verfügbar, ein konkretes Startdatum für den deutschsprachigen Raum wurde noch nicht bekanntgegeben. Ihre Premiere feierte die Serie beim Seriencamp in Köln.
Ob eine amerikanische Adaption folgt, ließ Leibfried offen. Sie sagte, die USA seien wohl das einzige Territorium, das ein Remake ernsthaft in Betracht ziehen könnte. Swyter hingegen zeigte sich zuversichtlich, dass die deutsche Fassung auch international funktioniert: 'Wir sind sehr zuversichtlich, dass unsere Serie alle Territorien erreichen wird, sodass kein Platz für ein Remake bleibt.'
Artikel geschrieben von:

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.
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