Hulk Hogan auf Netflix: Feier statt Analyse
Hogans letztes Interview existiert, aber echte Antworten fehlt es darin. Regisseur Bryan Storkel drehte die finalen Aufnahmen vor Hogans Tod im Juli 2025, produziert in enger Zusammenarbeit mit der WWE und Netflix. Wer Wahrheit sucht, bekommt stattdessen eine teuer verpackte Hommage.
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Hommage statt ehrliche Dokumentation
Hulk Hogan: Real American ist keine Dokumentation für Menschen, denen gute Dokumentationen am Herzen liegen. Der Titel ist vollkommen ernst gemeint und keine kritische Untersuchung der Frage, was es bedeutet, Hulk Hogan zu sein und was es bedeutet, ein echter Amerikaner zu sein.
Regisseur Bryan Storkel hat reichlich Heimvideomaterial und frühe Wrestling-Aufnahmen zusammengetragen, dazu umfangreichen Zugang zu Hogan selbst. Doch anstelle von Empathie bietet die Serie schlichte Bewunderung, ohne nennenswerten stilistischen Eigenwert.
Werner Herzog, dessen Stimme aus dem Off zu hören ist, formuliert den Anspruch so: 'Im Leben von Hulk Hogan, was ist Realität? Was ist die wahre Wahrheit? Seltsamerweise sind Gefühle immer wahrhaftig, egal wie verrückt und unglaubwürdig die Geschichte auch sein mag. Und die Suche nach Wahrheit gibt uns Würde, gibt uns Bedeutung.' Die Serie selbst löst diesen Anspruch kaum ein.
WWE, Netflix und ein schwacher Gastauftritt
Die Produktion entstand in enger Zusammenarbeit mit der WWE, die eine lukrative Partnerschaft mit Netflix verbindet. Das erklärt den durchgehend wohlwollenden Ton: Kritische Perspektiven, die dem Unternehmen oder seiner Marke schaden könnten, sucht man vergeblich.
Besonders auffällig ist der Auftritt des US-Präsidenten, der in der Dokuerie zu sehen ist, allerdings in einem ausgesprochen energielosen Gastauftritt. Die Szene wirkt weniger wie ein inhaltlicher Beitrag als wie eine politische Visitenkarte.
Brooke Hogan und Vince McMahon sind zwar in nicht zugeordnetem Audiomaterial zu hören, doch wer nicht genau aufpasst, könnte irrtümlich annehmen, beide hätten aktiv an der Produktion mitgewirkt. Das ist eine bewusst irreführende Montageentscheidung.
Von Terry Bollea zu Hulk Hogan
Die Dokuerie zeichnet Hogans Weg vom übergroßen Florida-Bassisten Terry Bollea über frühe Wrestling-Figuren wie The Super Destroyer, Terry Boulder und The Incredible Hulk Hogan nach. Dieses Material gehört zu den stärksten Passagen der Serie.
Zeitzeugen wie Jesse Ventura, Jimmy Hart, Bret Hart, Ted DiBiase und Erinnerungen an Andre the Giant verleihen den Wrestling-Kapiteln eine gewisse Substanz. Ihre Aussagen sind aufschlussreich, auch wenn sie im Rahmen einer wohlwollenden Gesamterzählung eingebettet bleiben.
Wenn Hogan behauptet, er habe Terry Bollea gefeuert, nicht Hulk Hogan, wirkt das wie eine Unterscheidung ohne wirklichen Unterschied. Die Dokuerie hinterfragt diese Selbstdeutung nicht, sondern übernimmt sie kommentarlos.
Ausgelassenes und Verschwiegenes
Der langwierige Rechtsstreit mit Richard Belzer wegen eines Vorfalls in Belzers Sendung Hot Properties wird erwähnt und anerkannt. Hogans Aussage im Drogen-Prozess gegen Vince McMahon 1994 wird hingegen vor allem als Beleg für Hogans Heldenhaftigkeit präsentiert.
Eine Anklage wegen sexueller Nötigung aus dem Jahr 1996 sowie die darauffolgende Gegenklage wegen Erpressung fehlen vollständig. Das rechtliche Abkommen zwischen Hogan und Marvel über die Nutzung des Hulk-Namens wird ebenfalls mit keinem Wort erwähnt.
Das Sexvideo-Kapitel kommt an der Frage der rassistischen Beleidigungen nicht vorbei, doch wer nicht weiß, um welche konkreten Äußerungen es sich handelte, erfährt es auch hier nicht: Niemand benennt sie, und das entsprechende Audiomaterial wird nicht eingespielt.
Fazit: Feier ohne Tiefe
Hulk Hogan: Real American ist ein Denkmal, kein Porträt. Die Dokuerie nutzt die Möglichkeit, mit Dan Levy als Moderationsstimme und Werner Herzogs philosophischen Einwürfen eine komplexere Erzählung zu schaffen, kaum aus.
Für Fans, die schlicht nochmals die Höhepunkte einer Wrestling-Legende Revue passieren lassen wollen, bietet die Serie durchaus unterhaltsames Material. Als journalistische oder künstlerische Auseinandersetzung mit einem widersprüchlichen Leben scheitert sie jedoch.
Die letzten Interviews, die Hogan vor seinem Tod im Juli 2025 gab, hätten eine einzigartige Gelegenheit zur Reflexion sein können. Stattdessen bleiben sie, wie die gesamte Dokuerie, im Modus der Selbstbestätigung.
Artikel geschrieben von:

Laura Klein ist spezialisiert auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Serien mit geschultem Blick für Erzähltempo und Figurenentwicklung.
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