Harvest: Warum dieser Verrat die Familie zerreißt

·24.04.2026·3 Min
Bild: TMDB

Erbe nach Herzblut statt nach Geburtsrecht: Das spaltet die Familie in Harvest. Die neue DR-Drama-Serie des Borgen-Senders feiert am 24. April 2025 ihre Weltpremiere im Grand Théâtre Lumière in Cannes. Der Konflikt zwischen Tradition und Gerechtigkeit treibt die Serie in Succession-Territorium.

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Succession auf dem Bauernhof

Harvest erzählt eine Geschichte über Erbe, Tradition und Familienmacht, angesiedelt nicht in Hochhausbüros, sondern inmitten von Feldern und Traktoren. DR Sales-Vertriebsdirektorin Pernille Munk Skysgaard bringt es auf den Punkt: 'Denkt an Succession mit Traktoren und Tradition.' Der Vergleich ist gewagt, aber treffend.

Im Mittelpunkt steht die Figur Gorn, die beim Geburtstagsfest der Familie eine Bombe platzen lässt: 'Erbe sollte nicht allein auf Geschlecht oder Geburtsreihenfolge basieren, sondern auch auf Herz, Einsatz und Berufung.' Diese Aussage erschüttert die Familienordnung und setzt die dramatische Handlung in Gang.

Produziert wurde die Serie von Rikke Tørholm Kofoed, bekannt durch Borgen und Prisoner, im Rahmen der europäischen Senderallianz New8. DR Drama, das Haus hinter Borgen, Kommissarin Lund und Cry Wolf, setzt damit einmal mehr auf ambitioniertes Qualitätsfernsehen.

Zandvliets langer Weg zur Serie

Martin Zandvliet, der mit Land of Mine eine Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film erhielt, beschäftigt sich seit etwa fünf Jahren mit dem Stoff. Damals schrieb er erste Notizen zu den Charakteren auf ein Blatt Papier: drei Geschwister, ein Vater, eine Mutter. Aus diesen frühen Skizzen wuchs ein Projekt, das ihn seither nicht mehr losgelassen hat.

Für das Drehbuch verfasste Zandvliet am Ende rund 500 Seiten Material, aus dem die endgültige Fassung der Serie destilliert wurde. Diese intensive Vorbereitung spiegelt sich auch in der Produktion wider: 121 Drehtage wurden aufgewendet, davon 80 Prozent an Außenlocations.

An seiner Seite stand wie schon bei Land of Mine seine langjährige Mitarbeiterin Camilla Hjelm, Gewinnerin des Europäischen Filmpreises. Zandvliet beschreibt sie als unverzichtbar: 'Sie ist meine Augen, meine Stimme, eine Schulter, auf die ich mich stützen kann.'

Besetzung: Ein ungewöhnlicher Prozess

Die Besetzung der drei Geschwister verlief auf höchst unkonventionelle Weise. Katrine Greis-Rosenthal, Elliott Crosset Hove und Simon Bennebjerg wurden zunächst engagiert, ohne zu wissen, welche Rollen sie übernehmen würden. Erst nach einem halben Jahr gemeinsamer Recherche und Entwicklung einigten sich Zandvliet und die Schauspieler gemeinsam darauf, wer welche Figur verkörpern sollte.

Dieser Prozess sollte sicherstellen, dass die Besetzung nicht nur auf dem Papier stimmte, sondern auch menschlich und künstlerisch. Das Ergebnis ist ein Ensemble, das organisch zusammengewachsen ist, bevor die Kameras überhaupt liefen.

Weitere Rollen im Cast übernehmen Lars Brygmann, Charlotte Fich und Joachim Fjelstrup. Auch Thomas Vinterberg, einer der bekanntesten dänischen Filmemacher, ist Teil des Projekts, was Harvest zusätzliches Gewicht verleiht.

Dänemark im Oktober, Europa danach

In Dänemark startet Harvest im Oktober 2026 auf DR. Für internationale Zuschauer läuft der Vertrieb über DR Sales, die die Serie im Rahmen von Canneseries dem weltweiten Markt vorstellen.

Die Einbettung in die New8-Allianz europäischer öffentlich-rechtlicher Sender eröffnet zudem Möglichkeiten für eine breitere europäische Ausstrahlung. Details zu weiteren Länderveröffentlichungen stehen noch aus.

Harvest ist damit nicht nur ein dänisches Ereignis, sondern ein potenzieller Exportschlager, der an die internationale Strahlkraft früherer DR-Produktionen wie Borgen anknüpfen könnte.

Zweite Staffel und neue Projekte

Ob Harvest eine zweite Staffel erhält, ist noch offen. Zandvliet selbst sagt, er wäre sehr daran interessiert, die Geschichte weiterzuerzählen, eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus.

Parallel dazu hat der Regisseur mehrere internationale Projekte in der Entwicklung: Kinofilme in den USA, eine Fernsehserie in Großbritannien sowie ein weiteres Projekt in Deutschland. Harvest ist also nur der Auftakt einer neuen Phase in Zandvliets Karriere.

Mit dem Schritt in die Serienform beweist Zandvliet, dass dänisches Erzählkino und hochwertige Fernsehunterhaltung keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bereichern können.

Zuletzt aktualisiert: 24.04.2026, 13:01 Uhr

Artikel geschrieben von:

Julia Fischer
Autor
Julia Fischer
Sci-Fi & FantasyMysteryComedy-Serien

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.

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