Gerade reden alle über Sesame Street, weil Elmo Arabisch lernte

·08.05.2026, 22:47 Uhr·4 Min
Bild: PBS · TMDB

Ein Friedensgruß auf Kindersendung löste eine koordinierte Empörungskampagne aus. Comedian Ramy Youssef lehrte Elmo nur die Wörter 'habibi' und 'as-salamu alaykum'. Dass ausgerechnet eine Vorschulsendung zum Schauplatz der Islamophobie-Debatte wird, hat selbst den Schauspieler überrascht.

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Arabische Wörter sorgen für Aufruhr

Ramy Youssef brachte Elmo bei seinem Gastauftritt bei Sesame Street die arabischen Wörter 'habibi', was so viel bedeutet wie 'mein Liebling' oder 'mein enger Freund', sowie 'as-salamu alaykum', den klassischen Friedensgruß der arabischen Sprache. Was harmlos und herzlich gemeint war, wurde schnell zum Ziel heftiger Kritik.

Besonders auffällig: Youssef wurde ohne sein Einverständnis mehrfach in Berichterstattung eingebettet, die falsche Behauptungen aufstellte. Konkret wurde behauptet, Sesame Street würde so etwas für keine andere Sprache tun, was schlicht nicht der Wahrheit entspricht. Youssef betonte, diese Unwahrheiten seien gezielt verbreitet worden.

Er beschreibt das Gefühl, wie sich antimuslimische Stimmung aufbaut: 'Man spürt diese Eskalation von antimuslimischem Sentiment, von Islamophobie.' Für ihn ist das kein Zufall, sondern Teil eines größeren Musters gesellschaftlicher Spaltung.

Hass trifft auch andere Minderheiten

Youssef weist darauf hin, dass er mit dieser Erfahrung nicht allein steht. Zum Zeitpunkt des Gesprächs feierte Sesame Street den Jüdisch-Amerikanischen Erbe-Monat, was ebenfalls eine Flut hasserfüllter Kommentare nach sich zog.

Für ihn zeigt das: Die Feindseligkeit richtet sich nicht nur gegen Muslime oder Araber, sondern gegen alle, die als 'anders' wahrgenommen werden. Der eigentliche Konflikt sei kein kultureller, sondern ein Kampf um Macht und Ressourcen.

Youssef formuliert es klar: 'Diese Klassenunterschiede drehen sich genau darum, um Geld und Macht. Die echte Spaltung ist, dass es Menschen gibt, die es lieben, wenn wir uns über solche Dinge streiten.' Er sieht die Empörungsmaschinerie als Ablenkung von strukturellen Ungleichheiten.

Politischer Kontext rund um arabische Welt

Der Aufruhr um Youssefs Auftritt fällt in eine Zeit politisch aufgeladener Debatten über arabische und muslimische Einflüsse in den USA. Katar sorgte zuletzt für Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass das Land der US-Regierung unter Präsident Trump ein Flugzeug im Wert von umgerechnet rund 368 Millionen Euro als Ersatz für die Air Force One angeboten haben soll.

Gleichzeitig wird darüber diskutiert, dass drei nahöstliche Investmentfonds nach einem möglichen Zusammenschluss von Paramount und Warner Bros. Discovery gemeinsam rund 38,5 Prozent des fusionierten Unternehmens halten würden. Solche Meldungen befeuern Debatten über arabischen Einfluss in der amerikanischen Medien- und Kulturlandschaft.

Youssef sieht darin kein Zufallsgeschehen: Wer von echten Machtfragen ablenken will, nutzt kulturelle Reizthemen. Sein Auftritt bei Sesame Street wurde so zum Symbol für eine viel größere gesellschaftliche Auseinandersetzung.

Karriere begann mit Scott Baio

Bevor Youssef mit seiner Serie 'Ramy' internationale Bekanntheit erlangte, begann seine Karriere unter ganz anderen Vorzeichen. Mit 20 Jahren, noch wohnhaft bei seinen Eltern in New Jersey, ergatterte er eine Serienrolle in einer Produktion, die in Los Angeles gedreht wurde. Er spielte Kevin, den besten Freund der Figur von Scott Baio, in einer Serie, die von 2012 an für fast 50 Folgen lief.

Dieser erste Schritt brachte ihn nach Los Angeles, wo er zehn Jahre lebte und wo er nach eigenen Worten wirklich lernte, Stand-up-Comedy zu machen und sein eigenes Format zu entwickeln. Carrie Preston gehörte ebenfalls zu den Persönlichkeiten, die seinen Weg begleiteten.

Journalisten wie Clayton Davis, Jazz Tangcay, Emily Longeretta und Michael Schneider haben Youssefs Aufstieg über die Jahre dokumentiert und seine Stimme als eine der relevantesten in der aktuellen amerikanischen Unterhaltungslandschaft beschrieben.

Elmo, Pyramiden und private Momente

Abseits der politischen Debatten hat Youssef auch Einblicke in sein Privatleben gegeben. So verriet er, dass er bei seiner Hochzeit in Ägypten umgerechnet rund 9.200 Euro ausgab, um die Pyramiden von Gizeh bei Nacht zu beleuchten, ein unvergessliches Erlebnis, das er mit seiner Frau teilte.

Auch Elmo selbst hinterließ einen bleibenden Eindruck auf Youssef. Er beschreibt, wie das Plüschmonster bei den Dreharbeiten einen kleinen Roten-Teppich-Moment erlebte, mit vielen Leckerlis, Aufmerksamkeit und Bewunderung von allen Seiten. Am nächsten Tag wollte Elmo das normale Futter zu Hause nicht mehr anrühren.

Youssef sprach außerdem offen darüber, welche peinlichen Dinge er bereit ist, vor seiner Frau zu tun oder zu sagen, die er der Öffentlichkeit niemals zeigen würde. Solche menschlichen Momente machen ihn für sein Publikum greifbar und sympathisch, auch abseits großer gesellschaftspolitischer Debatten. Zohran Mamdani wurde in diesem Zusammenhang als eine weitere Stimme genannt, die ähnliche gesellschaftliche Beobachtungen teilt.

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Quelle: PBSZuletzt aktualisiert: 08.05.2026, 22:47 Uhr

Artikel geschrieben von:

Emma Mueller
Autor
Emma Mueller
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Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.

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