Drei Staffeln, 21 Jahre, ein Abschluss: The Comeback ist endgültig vorbei

·11.05.2026, 15:33 Uhr·4 Min
Bild: HBO · TMDB

Valerie Cherish verliert ihren Job an eine KI, und damit endet eine 21-jährige Geschichte. Lisa Kudrow verabschiedet sich mit dem Finale der dritten Staffel, die bei WOW zu sehen ist. Das Serienende trifft, weil es die Angst vor KI nicht abstrakt zeigt, sondern als persönliche Niederlage einer Figur, die wir seit 2005 kennen.

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21 Jahre, drei Staffeln, 29 Folgen

Am 5. Juni 2005 startete The Comeback, und fast 21 Jahre später ist die Geschichte von Valerie Cherish zu Ende erzählt. Drei Staffeln und 29 Episoden umfasst das Gesamtwerk, eine Zahl, die in etwa einer einzigen Staffel von Friends entspricht, der Serie, die Lisa Kudrow einst weltberühmt machte.

Die dritte Staffel wurde in einem besonders kompakten Rhythmus ausgestrahlt: Alle neuen Folgen liefen innerhalb von nur zwei Monaten. Für heutige Verhältnisse im Qualitätsfernsehen ist ein Dreistaffler keine epische Laufzeit, aber The Comeback hat seinen Platz in der Seriengeschichte nie durch schiere Masse beansprucht, sondern durch Präzision.

Dass die Serie überhaupt zurückgekehrt ist und nun ein drittes Mal endet, ist selbst Teil ihrer eigentümlichen Logik: Valerie Cherish überlebt immer. Bis jetzt, zumindest in einer bestimmten Form.

KI schreibt die Sitcom, KI spielt Valerie

Der Kern des Finales ist so boshaft wie treffsicher: Valerie hat endlich Rückgrat gezeigt und wird dafür bestraft. Ihre Rolle in der KI-geschriebenen Sitcom How's That?! wird durch eine KI-Version ihrer selbst ersetzt. Die weniger prominenten Schauspielerinnen und Schauspieler am Set, jene ohne einen eigenen Manager im Hintergrund, trifft es noch härter: Sie werden allesamt durch ihre digitalen Ebenbilder ausgetauscht.

Andrew Scott spielt den Studiomanager Brandon Wallick mit herrlich verkniffener Selbstgefälligkeit. Wallick besteht im Finale darauf, KI nur für Sitcoms einsetzen zu wollen, nicht für Prestigedramen. Die Heuchelei dieser Position ist der Witz und gleichzeitig der Vorwurf.

Das KI-geschriebene Produkt mag seichter Unsinn sein, wie die Serie selbst zeigt. Und doch entsteht auch an diesem Set eine echte Gemeinschaft aus Schauspielerinnen, Handwerkern und Kreativen. Das macht die Verdrängung nicht besser, aber komplizierter.

Valeriens Abrechnung mit der Branche

Valerie hält im Finale eine Rede, die sich wie ein Manifest liest. Sie erinnert daran, dass große Sitcoms kulturprägend waren und es wieder sein könnten. Und sie zitiert sinngemäß Brechts Warnung vor dem Schweigen: Als man die Autoren holte, sagte man 'Okay'. Als man die Schauspieler holte, sagte man 'Sicher'. Wenn man dann kommt, ist niemand mehr da, der auch nur 'Okay, sicher' sagt.

Dieser Moment ist der emotionale Höhepunkt der Folge. Valerie, die jahrzehntelang vor allem um Anerkennung und Kameratauglichkeit kämpfte, spricht hier für eine ganze Branche. Michael Patrick King, der die Serie gemeinsam mit Lisa Kudrow entwickelt hat, gibt der Figur in ihrem letzten großen Auftritt eine Würde, die sie sich verdient hat.

Dass Valerie am Ende als Star der neuen Serie Judge's Table landet, einer Produktion von Jack über eine Richterin, die das Recht verlässt und Köchin wird, ist die klassische Comeback-Pointe. Sie verliert einen Kampf und gewinnt trotzdem.

Ein starkes Ensemble bis zum Schluss

Neben Andrew Scott als Brandon Wallick sind in der dritten Staffel unter anderem Bradley Whitford, Justin Theroux, Adam Scott, Laura Silverman und Damian Young zu sehen. Jennifer Aniston und Matthew Perry hatten in früheren Staffeln Gastauftritte, die zur Legendenbildung der Serie beigetragen haben.

Lisa Kudrow selbst erhielt für ihre Arbeit in der dritten Staffel eine weitere Emmy-Nominierung, die vierte ihrer Karriere für diese Rolle. Es ist eine Anerkennung, die der Figur Valerie Cherish seltsam vertraut vorkommen dürfte: immer nominiert, immer knapp dran.

Das Ensemble funktioniert, weil alle Beteiligten die Doppelstruktur der Serie verstehen: The Comeback ist gleichzeitig Satire und aufrichtige Charakterstudie. Wer nur lacht, verpasst die Hälfte.

Kein KI-Einsatz beim Schreiben

Eine Anmerkung, die das Finale in einem besonderen Licht erscheinen lässt: Beim Schreiben von The Comeback wurde keine künstliche Intelligenz eingesetzt. Die Serie, die in ihrer letzten Staffel so eindringlich vor der Verdrängung menschlicher Kreativität warnt, ist selbst ein Produkt eben dieser Kreativität.

Serienschöpfer Michael Patrick King hat die Haltung der Produktion klar formuliert: Was gerade in der Branche passiere, sei keine normale Evolution vom Netzwerk zum Kabel, vom Kabel zum Streaming, vom Streaming zur KI. Es sei ein Auslöschungsereignis.

Ob The Comeback damit recht behält, wird sich zeigen. Als Abschluss einer Serie, die seit 2005 die Mechanismen des Fernsehens seziert, ist das Finale jedenfalls ein würdiger letzter Akt: klug, traurig und trotzdem komisch.

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Quelle: HBOZuletzt aktualisiert: 11.05.2026, 15:33 Uhr

Artikel geschrieben von:

Marie Weber
Autor
Marie Weber
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Marie Weber berichtet über Action-, Drama- und Mystery-Serien mit besonderem Fokus auf Spannungsdramaturgie und Figurenzeichnung.

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