Brad Ingelsby ließ Ruffalo im Task-Finale komplett unvorbereitet ins Gericht gehen

Kriminalfall gelöst, Privatleben zerstört: Brandis gewinnt und verliert zugleich. Im Staffelfinale von Task bringt FBI-Agent Tom Brandis die Diebesbande zur Strecke, während sein Adoptivsohn wegen des Tods seiner Frau vor Gericht steht. Ruffalo spielt diese Zerrissenheit ohne Vorbereitung, was Ingelsby bewusst so inszenierte.
Artikel-Inhalt
Worum geht es im Finale?
Das Staffelfinale von Task trägt den Titel 'A Still Small Voice' und wurde von Schöpfer Brad Ingelsby geschrieben sowie von Jeremiah Zagar inszeniert. Die Episode greift die Folgen eines tödlichen Schusswechsels aus der Vorwoche auf: FBI-Agent Tom Brandis, gespielt von Mark Ruffalo, und sein Team stehen unter enormem Druck, die Verbrecherbande zur Strecke zu bringen, bevor weitere Menschen sterben.
Nachdem der Kriminalfall abgeschlossen ist, schwenkt die Episode auf Brandis' Privatleben. Sein Adoptivsohn Ethan steht vor Gericht, weil er in einer psychischen Krise Brandis' Frau die Treppe hinuntergestoßen und damit getötet hat. Ein Richter entscheidet nun über die Länge der Haftstrafe, wobei die Familie eine Stellungnahme abgeben soll.
Brandis sitzt dabei zwischen den Stühlen: Seine ältere Tochter Sara, gespielt von Phoebe Fox, ist verletzt und wütend, während die jüngere Emily, dargestellt von Silvia Dionicio, für eine mildere Strafe plädiert. Jede Entscheidung bedeutet, eine der Töchter zu verlieren.
Ruffalo meisterte Schlüsselszene sofort
Für die Gerichtsrede von Brandis reservierte die Produktion einen vollen Drehtag. Gebraucht wurde er nicht. Ingelsby beschreibt, wie er die Szene absichtlich nicht mit Ruffalo besprach, um keinen zusätzlichen Druck aufzubauen. Die beiden redeten lediglich über praktische Details: Was trägt Tom? Nimmt er ein Foto seiner Frau Susan mit? Wo sitzt er im Gerichtssaal?
Ruffalo bat nur um genug Zeit, um sich einzufinden. Ingelsby schreibt dazu: 'Wir hatten einen ganzen Tag für diese Rede eingeplant. Aber wir brauchten ihn nicht, weil er sie im ersten Take perfekt hinlegte. Er fand all die Freude und den Schmerz. Hoffnung und Verzweiflung. Aber vor allem die Liebe.'
Die Rede selbst entstand aus Berichten von Angehörigen, deren Kinder an psychischen Erkrankungen leiden. Eine Mutter schilderte, wie sie die Wochenenden fürchtete, weil sie zwei Tage lang allein mit ihrem Sohn war. Ingelsby wollte die Ambivalenz des Aufziehens eines solchen Kindes ehrlich abbilden.
Vergebung als zentrales Serienthema
Die emotionale Achse der gesamten ersten Staffel dreht sich um die Fähigkeit zur Vergebung. Ingelsby ließ sich dabei von einer ungewöhnlichen Quelle inspirieren: seinem Onkel Ed, einem ehemaligen Augustinermönch, der den Priesterstand verließ, als er sich verliebte, und heute eine monatliche Vergebungsgruppe leitet.
Ingelsby besuchte eine Sitzung dieser Gruppe während des Schreibprozesses. Die Mitglieder schilderten, wie der Hass auf andere ihr Leben lähmte. Ein Professor war von seinem Campus weggezogen, weil er den Ort des Verrats nicht ertragen konnte. Ein anderes Mitglied las täglich Todesanzeigen, in der Hoffnung, den Namen seines Feindes zu finden. Auf die Frage, was Vergebung erfordert, antwortete Onkel Ed: 'Du musst die Wut loslassen. Und das ist wirklich, wirklich schwer.'
Dieser Gedanke zieht sich durch Brandis' gesamte Reise. Robbie, gespielt von Tom Pelphrey, schont Brandis' Leben während einer langen gemeinsamen Autofahrt und opfert sich schließlich, um seinen Kindern eine bessere Zukunft zu sichern. Durch diese Geste findet Brandis seinen Glauben an das Gute zurück.
Starkes Ensemble rund um Ruffalo
Task markiert Brad Ingelsbys Rückkehr zu HBO nach der gefeierten Miniserie Mare of Easttown mit Kate Winslet. Diesmal siedelt er seine Geschichte im Delco County an und setzt erneut auf einen prominenten Hauptdarsteller: Mark Ruffalo als FBI-Agent Tom Brandis, Tom Pelphrey als Anführer der Diebesbande Robbie Prendergrast.
Das junge Task-Force-Team wird von Fabien Frankel, Thuso Mbedu und Alison Oliver verkörpert. Ingelsby beschreibt das Trio als wesentlichen Teil von Brandis' innerem Wandel: Ihre Unerfahrenheit und Offenheit helfen dem verbitterten Agenten, sich schrittweise zu öffnen.
Das Skript zu 'A Still Small Voice' ist Teil der Deadline-Reihe 'It Starts on the Page', die herausragende Serienmanuskripte im Umfeld der Emmy-Saison 2026 vorstellt. Auch Skripte zu Stranger Things und Fallout Staffel 2 erschienen in dieser Reihe.
Staffel 2 kommt noch 2026
Task wird um eine zweite Staffel fortgesetzt. Die Dreharbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen, Mark Ruffalo kehrt als Tom Brandis zurück. Das Finale deutete bereits an, dass Brandis' Familienleben in Zukunft eine neue Richtung einschlagen könnte.
Für deutsche Zuschauerinnen und Zuschauer ist Task bei WOW abrufbar. Die erste Staffel liefert mit ihrem Finale einen Abschluss, der den Kriminalfall löst und gleichzeitig eine zutiefst persönliche Geschichte über Schuld, Verlust und die Möglichkeit des Verzeihens erzählt.
Ob Staffel 2 den Ton des Finales aufgreift oder neue Konflikte in den Vordergrund stellt, bleibt offen. Ingelsbys Ansatz, gesellschaftliche Themen wie psychische Erkrankungen und familiäres Trauma in ein Kriminalformat einzuweben, hat der Serie jedenfalls eine zweite Chance gesichert.
Mehr zu „Task"
Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
Alle Artikel von Julia