Bloodaxe spielt 100 Jahre nach Vikings, mit einer komplett neuen Besetzung

·14.06.2026, 15:30 Uhr·4 Min
Bloodaxe spielt 100 Jahre nach Vikings, mit einer komplett neuen Besetzung
Bild: Prime Video · TMDB

Vikings ist Geschichte: Bloodaxe startet 100 Jahre später, mit neuem Cast. Michael Hirst, Schöpfer von Vikings und The Tudors, hat Staffel 1 bereits abgedreht und Staffel 2 in Planung. Wer die alte Besetzung vermisst, bekommt stattdessen drei neue Hauptfiguren: Erik Bloodaxe, seine Frau Gunnhild und den Dichter-Kämpfer Egil.

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Bloodaxe: Eine neue Welt beginnt

Staffel 1 von Bloodaxe wurde bereits abgedreht, Staffel 2 befindet sich in Planung. Michael Hirst, bekannt als Schöpfer von Vikings und The Tudors, betonte beim Monte-Carlo Television Festival ausdrücklich: 'Es gibt bereits eine Fortsetzung von Vikings, nämlich Vikings: Valhalla, mit der ich nichts zu tun hatte. Das hier ist eine neue Geschichte, 100 Jahre später, mit einer komplett neuen Besetzung.'

Die Serie ist im 10. Jahrhundert angesiedelt und folgt drei zentralen Figuren: dem Krieger Erik Bloodaxe, seiner Frau Gunnhild und dem Dichter-Kämpfer Egil. Hirst beschreibt das Projekt als eigenständiges Universum, das zwar Wikinger-Stoff atmet, aber keine direkte Fortsetzung darstellt.

Wo und wann Bloodaxe für deutschsprachige Zuschauer abrufbar sein wird, ist derzeit nicht bekannt. Ein konkreter Starttermin für den DACH-Raum steht noch aus.

Egil: Mörder, Dichter, Widerspruch

Die Figur des Egil steht für Hirst im Mittelpunkt seiner kreativen Begeisterung. Gegenüber Variety erklärte er: 'Egil war für mich ein Geschenk der Götter. In Island gilt er als einer der Gründerväter des Landes.' Was die Figur so reizvoll macht, ist ihre innere Zerrissenheit: sanft und brutal zugleich, unberechenbar und dabei zutiefst menschlich.

Schon in der ersten Folge zeigt sich Egils Charakter in voller Widersprüchlichkeit. Er schläft mit den Frauen dreier Fischer, die ihn um ein neues Gedicht bitten. Als die Männer zurückkehren, können sie ihn nicht töten, weil ihre Frauen es ihnen niemals verzeihen würden. Hirst sieht darin das Wesen der Figur: furchtlos, beseelt, poetisch.

Neben Egil spielt auch Haakon eine tragende Rolle. Der Sohn Eriks wurde am Hof des Königs von Wessex erzogen und ist zwischen zwei Welten gefangen. In einer Schlüsselszene der ersten Staffel versucht er, in einer Kirche zu Christus zu beten, als plötzlich Raben den Raum füllen und Odin vor ihm steht.

Magischer Realismus als Stilprinzip

Bloodaxe wird konsequent auf magischen Realismus setzen. Hirst ordnet diesen Ansatz in eine lange Tradition ein: 'König Artus, die Bibel, das ist auch magischer Realismus. Man muss sehr vorsichtig damit umgehen, und das Publikum muss verstehen, dass man damit etwas Reales betont.' Der Schlüsselsatz, den er immer wieder wiederholt: Magischer Realismus funktioniert nur, wenn er auf echter Realität fußt.

Diese Überzeugung zieht sich durch Hirsts gesamtes Werk. Auch in seinen früheren Projekten, von Vikings bis Billy the Kid, verknüpfte er historische Fakten mit mythischen Überhöhungen. Bei Bloodaxe soll dieser Ansatz noch konsequenter umgesetzt werden, etwa durch die religiöse Zerrissenheit Haakons oder die poetische Brutalität Egils.

Für Hirst ist der Zeitpunkt bewusst gewählt. 'Wir leben in wütenden Zeiten, und vieles ist schrecklich, auch viele Serien', sagte er. Magischer Realismus sei für ihn eine Form des Widerstands gegen diese Schwere, kein Eskapismus, sondern eine andere Art, Wahrheit zu erzählen.

Macht, Familie und Nachfolge

Wie in jedem seiner Projekte kreist Bloodaxe um Familiendynamiken und die Frage nach Macht. Hirst formulierte es schlicht: 'Alles, was ich schreibe, handelt von Familien, sogar Billy the Kid.' In Bloodaxe ist es ein alternder König, der entscheiden muss, welcher seiner Söhne ihm nachfolgen soll.

Erik Bloodaxe ist tapfer und kriegerisch, sein Rivale Haakon kulturell zerrissen. Egil fungiert als unberechenbarer Joker zwischen beiden Lagern. Die erste Staffel konzentriert sich laut Hirst vor allem auf den Konflikt zwischen Erik und Haakon, während Egil das dramatische Gleichgewicht immer wieder destabilisiert.

Hirst interessiert sich seit Jahrzehnten für Machtfragen, und Bloodaxe ist die konsequente Fortführung dieser Obsession. Schon The Tudors und Vikings kreisten um Herrscher, die zwischen persönlichem Ehrgeiz und dynastischer Pflicht zerrieben werden.

Traumprojekt: Katharer und Inquisition

Neben Bloodaxe trägt Hirst noch ein anderes Projekt im Kopf, das er bislang nicht realisieren konnte. Es basiert auf dem Buch 'Montaillou: Katharer und Katholiken in einem französischen Dorf' von Emmanuel Le Roy Ladurie, erstmals erschienen 1975. Das Buch schildert den Konflikt zwischen der Katharer-Sekte, die von der Kirche als Ketzer verfolgt wurde, und der Inquisition in einem Pyrenäendorf.

Was Hirst an dem Stoff fasziniert, sind die Interviews mit den Dorfbewohnern, die das Buch enthält: ihre sexuellen Lebensweisen, ihre Glaubensvorstellungen, die soziale Struktur einer mittelalterlichen Gemeinschaft. Die Katharer glaubten, Jesus sei ein gewöhnlicher Mensch gewesen. Dann kam die Inquisition. 'Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen', sagte Hirst.

Auch hier taucht das Motiv des magischen Realismus auf. Hirsts Lieblingsdetail: Hirten überquerten im Winter die Pyrenäen mit ihren Schafen und begegneten dabei den Toten, mit denen sie Nachrichten austauschten. Ob dieses Projekt jemals produziert wird, ist offen. Hirst nennt es ein Traumprojekt, kein konkretes Vorhaben.

Quelle: Prime VideoZuletzt aktualisiert: 14.06.2026, 15:30 Uhr

Artikel geschrieben von:

Emma Mueller
Autor
Emma Mueller
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Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.

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