Amanda Jones prägte Murderbot mit einem Synthesizer aus den 80ern

Ein Synthesizer aus den 80ern definiert den Klang einer ganzen Sci-Fi-Serie. Komponistin Amanda Jones wählte den Roland Juno 60 für Murderbots Titelfigur bei Apple TV+, gespielt von Alexander Skarsgård. Das Ergebnis ist ein Score, der Maschine und Bewusstsein klanglich untrennbar verbindet.
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Amanda Jones und der Klang von Murderbot
Sechs Monate bevor die Kameras für Murderbot bei Apple TV+ zu rollen begannen, schickte Komponistin Amanda Jones dem Ko-Schöpfer Paul Weitz pausenlos Demos und Klangideen. Die intensive Vorarbeit zahlte sich aus: Nachdem Jones auch Paul Weitz' Bruder und Ko-Autor Chris Weitz kennengelernt hatte, wurde sie offiziell für die Serie verpflichtet.
Für die Titelfigur, gespielt von Alexander Skarsgård, wählte Jones den analogen Synthesizer Roland Juno 60. Die Wahl war bewusst: Das Gerät erzeugt Klänge, die eindeutig maschinellen Ursprungs sind, aber gleichzeitig eine eigene Dynamik entwickeln. Als zweite Klangquelle fügte Jones das koreanische Rohrblattinstrument Saenghwang hinzu, das extrem hohe Frequenzen erreichen kann und die organisch-synthetische Doppelnatur der Figur hörbar macht.
Jones erklärte ihren Ansatz so: 'Je mehr er eine Art Menschlichkeit erlangt oder etwas Empfindungsfähiges zeigt, desto mehr vermische ich diese Klangschichten.' Im Laufe der Serie tritt ein 50-köpfiges Orchester stärker in den Vordergrund. Besonders viel Freude bereitete ihr die Musik zur fiktiven Science-Fiction-Seifenoper 'Sanctuary Moon', die sie bewusst im Stil von Bernard Herrmann schrieb und für die sie außerdem Chris Weitz' Liedtexte vertonte.
Dave Porter: 18 Monate für Pluribus
Das stimmlose Vokalthema, das den Serientitel Pluribus begleitet, gehört zu den einprägsamsten Klangmomenten der laufenden Saison. Hinter dem Stück steckt Dave Porter, der langjährige Komponist von Vince Gilligan, mit dem er bereits bei Breaking Bad und Better Call Saul zusammengearbeitet hat. Die zweiteilige Vokalharmonie wird von ein und derselben Sängerin interpretiert: Kenya Hathaway.
Porter beschrieb seine Wahl mit den Worten: 'Sie hat eine kindliche Qualität, eine Unschuld, die vielen professionellen Sängern fehlt, und eine Seele, die Menschlichkeit und Nahbarkeit mitbringt.' Diese Qualitäten passten zur Serie, in der Rhea Seehorn eine Überlebende einer außerirdischen Gedankeninvasion spielt, die die gesamte Menschheit erfasst hat.
Porter arbeitete insgesamt 18 Monate an der neunteiligen Serie. Sein Orchester besteht ausschließlich aus Streichern und tiefen Blechbläsern, ergänzt durch einen neunstimmigen Chor, dessen Partituren er so komplex und perkussiv wie möglich anlegte. Für die Darstellung der außerirdischen 'Anderen' wollte Porter bewusst keine Schurkenmusik schreiben: 'Wir wollten sehr differenziert vorgehen und alle Facetten zeigen, positive wie negative.'
Jeff Beal und persönliche Verluste
Für den achtteiligen Peacock-Thriller All Her Fault mit Sarah Snook und Sophia Lillis übernahm Komponist Jeff Beal, bekannt aus House of Cards, die musikalische Gestaltung. Die Herausforderung lag darin, einen Genrethriller und ein emotionales Beziehungsdrama gleichzeitig zu tragen.
Beal brachte eine sehr persönliche Perspektive mit: 'Ich hatte kurz vor dieser Serie meine Mutter verloren, deshalb dachte ich viel über die starke Verbindung zwischen einem Kind und seiner Mutter nach.' Diese Haltung floss direkt in die Partitur ein, die vor allem auf Streicher und Klavier setzt. Ein Knabensopraan schwebt über dem Haupttitel als musikalisches Motiv für das entführte Kind Milo.
Beal betonte, dass er weniger auf klassische Charakterthemen setzte als auf Gefühle der Entwurzelung und des Verrats: 'Man ahnt nicht, wie verdreht das Geheimnis wird und wie spirituell verratend es ist.' Für die Detektiv-Figur ergänzte er die Partitur um Schlagzeug und elektronische Elemente.
Spider-Noir: Noir trifft Moderne
Nicolas Cage spielt in Spider-Noir einen Privatdetektiv der 1930er Jahre mit übernatürlichen Fähigkeiten. Komponist Kris Bowers und sein langjähriger Kollege Michael Dean Parsons, die bereits gemeinsam an Bridgerton und Secret Invasion gearbeitet hatten, teilten sich die Kompositionsarbeit über alle acht Folgen und schufen dabei insgesamt rund viereinhalb Stunden Musik.
Parsons beschrieb den Prozess als intensive Recherche: 'Kris und ich haben Dutzende Filmpartituren dieser Ära gründlich studiert.' Klassische Noir-Referenzen wie Double Indemnity dienten als Ausgangspunkt, wurden jedoch durch elektronische Elemente und E-Gitarre in die Gegenwart überführt. Alle Hauptfiguren, darunter Brendan Gleeson als Verbrecherboss Silvermane und Li Jun Li als Femme Fatale, erhielten eigene Themen.
Auch Bowers und Parsons arbeiteten mit einem 50-köpfigen Orchester. Das gesamte Jazzklavier in der Partitur spielte Bowers selbst ein, der als erfahrener Jazzmusiker gilt. Das Schlagzeug bestand überwiegend aus sogenannten 'Found Sounds', also manipulierten Alltagsgeräuschen, die thematisch auf die jeweiligen Figuren zugeschnitten wurden.
Neue Klangsprache für Serienerzählungen
Was die Partituren dieser Saison verbindet, ist die Bereitschaft der Komponisten, weit über konventionelle Orchestersprache hinauszugehen. Jones verbindet analoge Synthesizer mit asiatischen Blasinstrumenten, Porter reduziert sein Orchester auf ein Drittel, wenn die Geschichte es verlangt, und Beal lässt einen Knabensopraan als emotionalen Anker fungieren.
Der Trend zeigt: Serienkomponisten übernehmen heute dramaturgische Mitverantwortung, nicht nur klangliche Begleitung. Porters Entscheidung, die außerirdischen Antagonisten in Pluribus nicht mit klassischer Bedrohungsmusik zu unterlegen, ist genauso eine erzählerische Aussage wie Jones' schichtweise Annäherung an Menschlichkeit in Murderbot.
Für die Emmy-Saison bedeutet das eine ungewöhnlich breite Palette an Kandidaten, die alle mit unterschiedlichen Mitteln arbeiten. Ob analoge Synthesizer, koreanische Rohrblattinstrumente oder manipulierte Kamerageräusche: Die Grenze zwischen Komposition und Klangregie löst sich zusehends auf.
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
Alle Artikel von AnnaAnna hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.