Abgesetzt trotz Publikum: Was hinter dem Ende von The Boroughs steckt

Vier Wochen Top 10, trotzdem abgesetzt: Das ist kein Widerspruch, sondern Netflix-Kalkül. 'The Boroughs' belegte zuletzt Platz acht unter den englischsprachigen Serien, doch der Streamer zog dennoch den Stecker nach Staffel eins. Reichweite allein schützt offenbar nicht vor dem Aus, wenn die Produktionskosten nicht stimmen.
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Absetzung trotz Top-10-Platzierung
'The Boroughs' ist abgesetzt. Netflix beendete die Serie der Duffer-Brüder nach einer einzigen Staffel, obwohl die Produktion seit ihrem Start regelmäßig in den wöchentlichen Top 10 des Streamers auftauchte. Zuletzt belegte sie Platz acht unter den meistgesehenen englischsprachigen Serien auf Netflix, zum vierten Mal in Folge chartete die Show damit.
Für Matt und Ross Duffer, bekannt als die Schöpfer von 'Stranger Things', war 'The Boroughs' das erste große Folgeprojekt nach dem Ende ihres ikonischen Netflix-Hits. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Dass der Streamer nun trotz sichtbarer Popularität den Stecker zieht, dürfte viele Fans überraschen.
Zuerst berichtete Deadline über die Absetzung, der Hollywood Reporter bestätigte die Meldung kurz darauf.
Rente als gefährliches Pflaster
Die Serie spielte in 'The Boroughs', einer malerischen Rentnersiedlung mitten in der Wüste von New Mexico. Protagonist Sam (Alfred Molina) Cooper zieht als Trauernder in die scheinbar idyllische Gemeinschaft ein und macht dort nachts eine erschreckende Begegnung, die sein Leben auf den Kopf stellt.
Abgetan als 'verwirrter alter Mann', findet Sam Verbündete in einer Gruppe von Außenseitern: eine schlagfertige frühere Journalistin, ein spiritueller Suchender, ein zynischer Musikmanager und eine brillante Ärztin, der die Zeit davonläuft. Gemeinsam decken sie ein dunkles Geheimnis im Herzen der Siedlung auf.
Das Konzept verband klassische Sci-Fi-Spannung mit einem ungewöhnlichen Ensemble aus Figuren jenseits der 60. Wo 'Stranger Things' auf Kinder als Helden setzte, rückte 'The Boroughs' ältere Erwachsene ins Zentrum des Geschehens.
Kosten als Knackpunkt
Sci-Fi ist teuer. Das gilt für 'Stranger Things', und es galt ebenso für 'The Boroughs'. Produktionen dieses Genres erfordern aufwendige Sets, Spezialeffekte und eine Infrastruktur, die selbst bei großen Streamern die Budgets strapaziert.
Dass Netflix ausgerechnet eine Serie der Duffer-Brüder absetzt, ist bemerkenswert. Matt und Ross Duffer gehören zu den wenigen Showrunnern, deren Name allein eine Produktion zu einem Ereignis macht. Ihr erstes Post-'Stranger Things'-Projekt hatte entsprechend viel Rückenwind.
Offenbar reichte dieser Rückenwind nicht, um die wirtschaftliche Kalkulation zu kippen. Reichweite und Produktionskosten stehen bei Streaming-Entscheidungen selten in einem einfachen Verhältnis.
Wohin wandert die Serie?
Nach der Absetzung durch Netflix steht im Raum, ob 'The Boroughs' bei einem anderen Anbieter eine Zukunft finden könnte. Paramount wurde in diesem Zusammenhang als mögliche neue Heimat genannt, konkrete Verhandlungen oder Bestätigungen gibt es dazu bislang nicht.
Für die Duffer-Brüder ist die Absetzung ein ungewohnter Rückschlag. Mit 'Stranger Things' haben sie eines der erfolgreichsten Netflix-Formate überhaupt geschaffen, das über mehrere Staffeln hinweg ein weltweites Publikum begeisterte. 'The Boroughs' sollte beweisen, dass ihr Gespür für Sci-Fi-Geschichten kein Einmalprojekt war.
Ob sie das Konzept andernorts weiterentwickeln oder sich einem völlig neuen Projekt widmen, bleibt offen. Die Branche beobachtet den nächsten Schritt des Duos mit Interesse.
Duffer-Brüder nach Stranger Things
Matt und Ross Duffer haben mit 'Stranger Things' Netflix-Geschichte geschrieben. Die Serie über eine Gruppe Kinder in einer Kleinstadt der 1980er-Jahre, die übernatürlichen Kräften begegnet, wurde zu einem globalen Phänomen und machte den Streamer zu einer festen Größe im Serienbusiness.
'The Boroughs' sollte zeigen, dass das kreative Duo auch abseits von Nostalgie und jugendlichen Helden funktioniert. Das Experiment ist vorerst gescheitert, zumindest in seiner ersten Ausprägung.
Im weiteren Netflix-Umfeld sorgen derweil andere Produktionen für Gesprächsstoff: 'Heartstopper Forever' mit Kit Connor und Joe Locke steht vor der Tür, während Colman Domingo sich als Regisseur einen Namen macht und Lukas Gage für den 'Prison Break'-Reboot wirbt. Das Streaming-Geschäft dreht sich weiter, mit oder ohne 'The Boroughs'.
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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