Ab 30. Januar 1933 beginnt Babylon Berlins finaler Abschied

Babylon Berlin endet am 5. März 1933, dem Tag der gefälschten Reichstagswahl. Die fünfte und letzte Staffel mit Volker Bruch und Liv Lisa Fries setzt am 30. Januar 1933 ein. 34 Tage, in denen die Weimarer Republik stirbt und die Serie ihren Abschluss findet.
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Das Eis trifft die Titanic
Mitschöpfer Henk Handloegten vergleicht Babylon Berlin gern mit der Titanic. Alle wissen, dass der Eisberg kommt. In der fünften und letzten Staffel trifft er. Die finale Staffel setzt am 30. Januar 1933 ein, dem Tag, an dem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, und endet am 5. März 1933, als gefälschte Wahlen nach einem brutalen Feldzug gegen politische Gegner seine absolute Macht zementieren.
Detektiv Gereon Rath, gespielt von Volker Bruch-bruch), und seine Partnerin Charlotte Ritter, verkörpert von Liv Lisa Fries, navigieren durch ein Berlin, das sich innerhalb weniger Wochen fundamental verändert. Die goldenen Zwanziger sind vorbei. Die Nachtclubs, die Freiheit, die avantgardistische Energie der Weimarer Republik: Geschichte.
Fries bringt es auf den Punkt: 'Die wilden Zwanziger sind verblasst. Es ist kein Tanzen auf dem Vulkan mehr. Es ist nur noch der Vulkan.' Die Produktionsmacher Handloegten, Tom Tykwer und Achim von Borries präsentierten erste Ausschnitte der Staffel bei einem geschlossenen Screening in Berlin.
Parallelen zur Gegenwart sind scharf
Als Babylon Berlin 2017 startete, lag die AfD bundesweit bei rund zehn Prozent. Heute pendelt sie um die 30 Prozent. Die Schöpfer der Serie haben diesen Wandel über Jahre hinweg beobachtet und in ihre Drehbücher einfließen lassen, ohne ihn explizit zu kommentieren. Die Bilder sprechen für sich.
Eine frühe Szene der neuen Staffel zeigt eine lange Schlange freiwilliger Männer, die sich bei den Sturmabteilungen der Nazis melden. Daneben steht eine noch längere Schlange: Familien, die vermisste Angehörige melden, die von genau diesen Schlägertrupps verschleppt wurden. Achim von Borries sagt dazu: 'Wir haben diese Szenen geschrieben, bevor ICE existierte.'
Tom Tykwer ergänzt, dass die Geschichte Deutschlands in den 1920er und 1930er Jahren etwas Archaisches und Universelles besitze. Es gehe um 'den Kampf eines humanen Systems und darum, wie verwundbar es gegenüber radikaler Aggression und Gewalt ist. Wie etwas, das mit so viel Sorgfalt über so lange Zeit aufgebaut wurde, in einem Augenblick zerstört werden kann.'
Kein Untergangs-Drama, sondern Kampf
Handloegten besteht darauf, dass Babylon Berlin keine Parabel über den unvermeidlichen Zusammenbruch der Demokratie ist. 'Das ist keine Geschichte über den Untergang; es ist eine Geschichte über den Kampf für die Demokratie', sagt er. Die Serie zeige, dass der Ausgang keineswegs feststand.
'Die ganze Zeit über war unklar, ob sie Erfolg haben würden. Es war eine Reihe von Einzelentscheidungen, die zu diesem Ende führten.' Diese Perspektive verändert den Blick auf die finale Staffel grundlegend: Nicht Fatalismus, sondern die Kontingenz der Geschichte steht im Mittelpunkt.
Babylon Berlin war von Beginn an eine Serie, die minutiöses Zeitkolorit mit den Mechanismen des Noir-Krimis verknüpfte. Jede Staffel hatte eine Verschwörung zu lösen, mindestens eine spektakuläre Tanznummer im Untergrundclub Moka Efti und den historischen Kontext des Weimarer Untergangs als Kulisse. Staffel fünf behält diese Struktur bei, verdunkelt aber den Ton erheblich.
Starttermin und Verfügbarkeit in Deutschland
Die fünfte Staffel von Babylon Berlin ist in Deutschland ab dem 10. September 2026 verfügbar. Zuschauer können die finale Staffel in der ARD Mediathek sowie bei WOW und dem Wow Fiction Amazon Channel abrufen. Wer die Serie bislang noch nicht kennt, findet alle vorherigen Staffeln ebenfalls dort.
International startet die Staffel zeitversetzt: In den USA ist sie ab Januar 2027 beim Streamingdienst MHz Choice abrufbar. Deutschland erhält die letzte Staffel der eigenen Vorzeige-Produktion damit deutlich früher als der amerikanische Markt.
Die Serie gehört zu den aufwendigsten deutschen Produktionen der jüngeren Geschichte. Seit dem Start im Jahr 2017 hat sie international ein großes Publikum gefunden und gilt als Maßstab für deutschsprachige Qualitätsserien im internationalen Wettbewerb.
Was Staffel 5 anders macht
Vier Staffeln lang bewegten sich Gereon Rath und Charlotte Ritter durch ein Berlin voller Widersprüche: Glanz und Elend, Freiheit und Gewalt, Demokratie und Extremismus. Die Balance hielt. In der fünften Staffel kippt sie endgültig. Die Handlung spielt in einem Zeitraum von nur 34 Tagen, die die deutsche Geschichte für immer veränderten.
Das verdichtete Zeitfenster verleiht der Staffel eine Unmittelbarkeit, die frühere Seasons so nicht hatten. Jede Entscheidung, jede Verhaftung, jede Wahl trägt plötzlich historisches Gewicht. Die Figuren wissen nicht, was die Zuschauer wissen. Das erzeugt eine besondere Form der dramatischen Spannung.
Liv Lisa Fries und Volker Bruch begleiten die Serie seit ihrer ersten Folge. Mit der fünften Staffel verabschieden sie sich von Charakteren, die über fast ein Jahrzehnt gewachsen sind. Das Finale verspricht kein versöhnliches Ende, aber eines mit Haltung: Geschichte als Warnung, nicht als Schicksal.
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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