1993 ein Tanz-Hit, 2016 ein Emmy: RuPaul Charles schrieb TV-Geschichte

Ein Drag-Queen-Wettbewerb wurde zur meistprämierten Reality-Show der Emmy-Geschichte. RuPaul Charles, einst bekannt durch den Dance-Hit 'Supermodel (You Better Work)' von 1993, gewann achtmal den Emmy als bester Reality-Gastgeber. Dass ausgerechnet ein Nischensender-Format von Logo diesen Rekord aufstellt, hätte 2008 kaum jemand erwartet.
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Von New York auf den roten Teppich
RuPaul Charles war eine feste Größe der New Yorker Drag-Szene, als er 1993 mit der Dance-Single 'Supermodel (You Better Work)' den Durchbruch schaffte. Dieser Moment legte das Fundament für eine Karriere, die weit über Musik hinausgehen sollte.
Im Jahr 2008 gab der auf LGBT-Inhalte spezialisierte Sender Logo, ein Ableger von MTV Networks, grünes Licht für RuPaul's Drag Race. RuPaul übernahm darin die Rolle des Gastgebers und Chefrichters, begleitete Drag-Künstlerinnen und Drag-Künstler durch Challenges in Design, Gesang, Lippensynchronisation und Laufsteg-Auftritte.
Die Show wanderte im Laufe der Jahre von Logo zu VH1 und schließlich zu MTV. Dieses Wachstum spiegelte den steigenden Stellenwert der Sendung wider, die sich von einem Geheimtipp zu einem breit diskutierten Kulturphänomen entwickelte.
Der erste Emmy und ein unvergesslicher Auftritt
Ab der achten Staffel konnte RuPaul die Emmy-Jury überzeugen. 2016 nahm er seine erste Trophäe als herausragender Gastgeber einer Reality-Wettbewerbsserie entgegen, und er tat es mit dem Stil, der seine Show so unverwechselbar macht.
In einem rosafarbenen Anzug mit weißen Punkten trat RuPaul ans Mikrofon und lieferte eine der denkwürdigsten Dankesreden der Preisverleihung: 'Anfang des Jahres wurde ich mit den Worten zitiert, ich würde lieber ein Einlauf bekommen als einen Emmy. Dank der Television Academy kann ich jetzt beides haben.'
Dieser Moment zeigte, was RuPaul von anderen Preisträgerinnen und Preisträgern unterscheidet: Er bringt die Energie seiner Show direkt auf die Bühne der Verleihung, ohne Kompromisse.
Rekordhalter in der Emmy-Geschichte
Mit seinem sechsten aufeinanderfolgenden Gastgeber-Emmy im Jahr 2021 brach RuPaul einen historischen Rekord. Er überholte damit den Kameramann Donald A. Morgan und wurde zum meistdekorierten schwarzen Künstler in der Geschichte der Emmy Awards.
Insgesamt hält RuPaul 14 Emmy-Gewinne für seine Arbeit als Gastgeber und Produzent von Drag Race. Die Show selbst gewann von 2018 bis 2023 in ununterbrochener Folge den Emmy als beste Reality-Wettbewerbsserie.
Diese Dominanz ist in der Welt der Unterhaltungspreise nahezu beispiellos. Kein anderes Reality-Format hat über einen vergleichbaren Zeitraum so konstant abgeräumt.
Alan Cumming stoppt die Siegesserie
Im Jahr 2024 endete RuPauls Siegesserie bei den Emmys. Alan Cumming, Gastgeber der Sendung The Traitors, sicherte sich den Preis für den besten Reality-Gastgeber und unterbrach damit eine der beeindruckendsten Dominanzphasen in der jüngeren Emmy-Geschichte.
Dieser Einschnitt ändert jedoch wenig am Gesamtbild. RuPaul bleibt mit 14 Gewinnen der Rekordhalter unter den schwarzen Künstlerinnen und Künstlern, und seine Show geht mit der 18. Staffel sowie vier Spin-offs in die Saison 2026.
Ob RuPaul bei den 2026er Emmys wieder punktet, bleibt offen. Die Konkurrenz durch Formate wie The Traitors ist gewachsen, doch Drag Race bringt eine Loyalität seiner Fangemeinde mit, die sich kaum in Zahlen messen lässt.
Alumni prägen die Popkultur
Der vielleicht nachhaltigste Effekt von RuPaul's Drag Race liegt außerhalb des Wettbewerbs. Die Show hat eine Generation von Drag-Künstlerinnen und Drag-Künstlern in den Mainstream gebracht, die heute eigenständige Karrieren führen.
Trixie Mattel ist als Multimedia-Unternehmerin tätig, Bob the Drag Queen betreibt einen erfolgreichen Podcast, Jinkx Monsoon hat sich am Broadway und im Fernsehen etabliert, und Bianca Del Rio tritt als Komödiantin auf internationalen Bühnen auf. Sie alle verdanken ihrer Teilnahme an Drag Race eine Plattform, die vor 2008 schlicht nicht existiert hätte.
Drag Race hat damit nicht nur einen Preis gewonnen, sondern eine Infrastruktur geschaffen. Queere Stimmen und Drag-Kultur finden durch die Show ein Publikum, das weit über die ursprüngliche Zielgruppe hinausgeht. Für deutsche Zuschauerinnen und Zuschauer ist das Programm über WOW Presents Plus sowie den OUTtv Amazon Channel zugänglich.
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Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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