Zorro als romantische Farce: Douglas Fairbanks hätte das kaum erkannt

·01.07.2026, 02:02 Uhr·3 Min
Zorro als romantische Farce: Douglas Fairbanks hätte das kaum erkannt
Bild: ABC · TMDB

Zorro trägt jetzt Komödie statt Klinge. Jean Dujardin, Oscar-Gewinner für 'The Artist', verkörpert den maskierten Rächer in der acht Episoden starken Serie, die ab 30. Juni auf MHz läuft. Wer einen Helden erwartet, bekommt stattdessen eine romantische Farce.

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Oscar-Gewinner Dujardin als Zorro

Jean Dujardin, der 2012 bei der 84. Oscar-Verleihung für seine Rolle in 'The Artist' ausgezeichnet wurde, verkörpert in dieser Produktion Don Diego de la Vega, Sohn des Bürgermeisters von Los Angeles um das Jahr 1821. André Dussollier spielt seinen Vater Alejandro, Audrey Dana gibt Diegos Ehefrau Doña Gabriella.

Dujardin reiht sich damit in eine lange Liste von Darstellern ein, die den maskierten Rächer gespielt haben: von Douglas Fairbanks über Tyrone Power und Alain Delon bis hin zu Antonio Banderas und George Hamilton. Sein Zugang unterscheidet sich jedoch grundlegend von früheren Interpretationen. Statt auf Heldenmut setzt er auf komödiantische Doppeldeutigkeit.

Vor zwanzig Jahren legte Diego seine Maske, seinen Degen und den markanten Cordova-Hut ab. Nur sein stummer Diener Bernardo, gespielt vom italienischen Komiker Salvatore Ficarra, kennt das Geheimnis und hat Zorros Versteck all die Jahre gepflegt.

Farce statt Schwertkampf

Die Serie von Charbit und Debré versteht sich weniger als Abenteuer-Drama denn als romantische Farce im Stil klassischer Bühnenkomödien. Diego, inzwischen Bürgermeister nach dem Tod seines Vaters, ist ein gutmütiger Mann, dem die Härte des Amtes fehlt. Als der skrupellose Geschäftsmann Don Emmanuel, gespielt von Éric Elmosnino, die indigene Bevölkerung für den Bau eines Kasinos ausbeutet, muss Zorro wieder aus der Versenkung auftauchen.

Gleichzeitig entfaltet sich ein romantisches Verwirrspiel: Gabriella entflammt für den geheimnisvollen Maskierten, ohne zu ahnen, dass es ihr eigener Mann ist. Die Serie spielt diesen Widerspruch bewusst meta aus und zwinkert dem Publikum zu, wenn Gabriella Zorros Schnurrbart und Kinnlinie nicht erkennt. Grégory Gadebois komplettiert das Ensemble als Sergeant, der Jahrzehnte lang erfolglos versucht hat, Zorro zu fassen.

Dujardin bewegt sich sicher zwischen tollpatschigem Diego und verwegenen Zorro-Momenten. Seine beste Chemie entwickelt er dabei mit Ficarra, dessen übertriebene Mimik und Körpersprache den komödiantischen Ton der Serie konsequent trägt.

Retro-Ästhetik als bewusste Wahl

Die Macher setzen auf eine dezidiert altmodische Bildsprache: Nachtszenen werden im klassischen Tageslicht-für-Nacht-Verfahren gedreht, ein weicher Fokus legt sich über viele Einstellungen. Die spanischen Schauplätze erinnern mehr an die Studiokulissen früher Zorro-Filme als an das historische Südkalifornien des frühen 19. Jahrhunderts.

Das ist kein Versehen, sondern Programm. Die Figur des Zorro, erschaffen von Johnston McCulley und inspiriert von 'The Scarlet Pimpernel', ist seit Jahren gemeinfrei. Die Produktion nutzt diese Freiheit, um einen Zorro zu erzählen, der sich bewusst in der Tradition des Genres verortet, anstatt es zu dekonstruieren.

Wer eine düstere Neulektüre des Stoffs erwartet, die das koloniale Los Angeles 1821 mit historischer Tiefe ausleuchtet, wird enttäuscht. Wer hingegen Freude an breiter Komödie und liebevoller Hommage hat, findet acht unterhaltsame Episoden.

Stärken und Schwächen der Serie

Die größte dramatische Spannung liegt in Diegos innerem Konflikt: Treibt er seine Frau wissentlich in eine Affäre mit sich selbst? Die Serie nimmt sich viel Zeit für dieses Verwirrspiel, was Fans klassischer Farcen erfreuen dürfte, andere Zuschauer aber ungeduldig macht. Audrey Dana verleiht Gabriella dabei spürbar Eigenständigkeit und Temperament.

Elmosnino liefert als Don Emmanuel eine besonders gelungene Episode, in der sein Charakter Zorro auf unerwartete Weise rächen will. Gadebois wiederum verleiht dem alternden Sergeant echte Melancholie, wenn dieser erkennt, dass Zorro dem eigenen Leben seinen einzigen Sinn gegeben hat.

Die Mittelepisoden verlieren etwas an Tempo, weil die Abenteuerhandlung hinter der Farce zurücktritt. Für ein Familienpublikum, das leichte Unterhaltung ohne explizite Gewalt oder Sprache sucht, bleibt die Serie dennoch eine solide Wahl.

Verfügbarkeit und DACH-Ausblick

Zorro ist seit dem 30. Juni 2026 auf dem Streamingdienst MHz abrufbar, der vor allem für nordisches Noir-Kino bekannt ist. Zuvor lief die Serie 2024 auf dem belgischen Sender RTL TVI sowie auf France 2 und der internationalen Ausgabe von Paramount+.

Für den deutschsprachigen Raum steht eine offizielle Ausstrahlung noch aus. MHz ist in Deutschland über ausgewählte Plattformen zugänglich, eine breitere DACH-Verfügbarkeit über einen der großen Streamingdienste wäre angesichts der Besetzung und des Formats denkbar.

Die Serie bleibt ein Geheimtipp für ein Nischenpublikum, das klassische Komödientraditionen schätzt. Wer Dujardin aus 'The Artist' kennt und seine Begabung für physische Komödie mag, wird in Zorro einen passenden Rahmen für dieses Talent finden.

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Quelle: ABCZuletzt aktualisiert: 01.07.2026, 02:02 Uhr

Artikel geschrieben von:

Julia Fischer
Autor
Julia Fischer
Sci-Fi & FantasyMysteryComedy-Serien

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.

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