Was viele über Nick Robinson und Kennedy bis heute nicht wissen

Was genau macht einen Kennedy zum Kennedy, wenn der Akzent wegfällt? Nick Robinson hat für die Netflix-Serie Kennedy tief in das Leben von Joe Kennedy Jr. eingetaucht, dem Bruder, den kaum jemand kennt. Ob die Serie damit eine neue Sicht auf die Dynastie liefert oder eine vertraute Ikone entfremdet, bleibt bis zum Start offen.
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Bewusste Entscheidung gegen den Akzent
Nick Robinson, der in Kennedy Joe Kennedy Jr. spielt, erklärt die Entscheidung direkt: 'Wir haben im Vorfeld beschlossen, den Bostoner Akzent zu meiden. Er ist also subtil vorhanden.' Für die Produktion war das kein Zufall, sondern eine gezielte kreative Wahl.
Robinson begründet das auch historisch: Der Kennedy-Akzent habe sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Ursprünglich klang er eher wie ein gehobener Mittelatlantik-Akzent der Oberschicht, bevor er sich zu dem entwickelte, was heutige Zuschauer eher mit der Arbeiterklasse Bostons verbinden. Für ein modernes Publikum wäre die ursprüngliche Variante daher möglicherweise irreführend.
Die Serie deckt den Zeitraum von 1931 bis 1944 ab und basiert auf Fredrik Logevalls Werk 'JFK: Coming of Age in the American Century, 1917-1956'. Sie ist auf Netflix zu sehen; für den deutschsprachigen Raum ist eine Verfügbarkeit über Netflix zu erwarten.
Fassbender und Donnelly vor Ort überrascht
Laura Donnelly, die Familienmatriarchin Rose Kennedy verkörpert, schildert einen bemerkenswerten Moment am Drehort. Sie und Michael Fassbender, der den Patriarchen Joe Sr. spielt, hatten ihre Akzent-Arbeit bereits abgeschlossen, als die Regie eine andere Richtung vorgab. 'Dann erfuhren wir, dass die generelle Stimmung sein sollte, ihn zurückzunehmen. Wir dachten so: Oh, ich weiß nicht, wie ich das machen soll.'
Trotzdem war das Ergebnis kein vollständiger Verzicht. Donnelly erklärt, der Kennedy-Akzent sei in einer sehr aufstrebenden, ehrgeizigen Art entstanden, und dieses Fundament müsse spürbar bleiben. Gleichzeitig spielen in der Serie neun Kinder mit, und man wollte die jungen Darsteller nicht zwingen, einen komplizierten historischen Akzent zu imitieren.
Die Lösung war ein fließender Übergang: Die Kinder sprechen allgemeiner, während Donnelly und Fassbender die markantere Variante übernehmen. 'Ich glaube, das schafft eine Art Mischung', sagt Donnelly.
Robinson entdeckt Joe Kennedy Jr. neu
Für Robinson war die Rolle eine Geschichtsstunde. Joe Kennedy Jr. ist JFKs älterer Bruder, der ursprünglich als Präsidentschaftskandidat aufgebaut wurde, bevor er im Zweiten Weltkrieg fiel. 'Ich wusste einiges über die Kennedy-Familie, aber über Joseph Kennedy Jr. wusste ich kaum etwas. Es war eine schöne Gelegenheit, tief in sein Leben und sein Erbe einzutauchen.'
Die Figur ist damit eine der tragischsten der Dynastie: ein Mann, dem eine große politische Karriere zugedacht war und der dennoch in Vergessenheit geriet, weil sein jüngerer Bruder die Geschichte prägte. Robinson sprach über seine Vorbereitung anlässlich der Premiere seines Netflix-Romantifilms 'Voicemails for Isabelle'.
Donnelly bewundert Rose Kennedy tief
Laura Donnelly, die aus Irland stammt, sieht ihren Nicht-amerikanischen Hintergrund als Vorteil bei der Rollenarbeit. 'Ich glaube, es ist für mich tatsächlich ein Glück, dass ich keine Amerikanerin bin und nicht diesen tief verwurzelten Druck spürte, weil wir so viel über sie wissen.' Stattdessen konzentrierte sie sich auf das Wesentliche: 'Ich spiele eine echte Frau.'
Zur Vorbereitung sichtete Donnelly Archivmaterial, in dem Rose Kennedy in späteren Lebensjahren interviewt wurde. Rose starb 1995 im Alter von 104 Jahren. 'Ich habe sie so sehr bewundern gelernt. Mein Gott, was sie ertragen hat, und das mit solcher Würde und Anmut.'
Acht Folgen über eine Schicksalsdynastie
Kennedy umfasst acht Episoden und zeichnet die Familiengeschichte von 1931 bis 1944 nach. Die Vorlage liefert Fredrik Logevalls Sachbuch, das JFKs Prägejahre in den Mittelpunkt stellt und für den Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.
Das Ensemble rund um Robinson, Fassbender und Donnelly beleuchtet eine Ära, in der die Kennedys noch nicht das waren, was sie später für Amerika bedeuteten, sondern eine irisch-katholische Aufsteigerfamilie mit gewaltigen Ambitionen. Genau diese Spannung zwischen Herkunft und Anspruch macht den Kern der Serie aus.
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Artikel geschrieben von:

Lena Bergmann ist Serienredakteurin mit Schwerpunkt auf Sci-Fi- und Fantasy-Formate wie The Witcher und Wednesday.
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