Was viele über Neil Forsyth nicht wissen: Legends of Tomorrow ist kein Zufall

·07.05.2026, 08:15 Uhr·4 Min
Bild: The CW · TMDB

Unausgebildete Zollbeamte stoppten Englands größte Drogennetzwerke: Das ist kein Drehbucheinfall. Forsyth, bekannt durch The Gold über den Brink's-Mat-Raub von 1983, hat mit Legends seine zweite wahre britische Kriminalgeschichte verfilmt. Dass ausgerechnet diese Außenseiter-Truppe zur schlagkräftigsten Einheit des Landes wurde, klingt erfunden, ist es aber nicht.

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Wahre Geschichte, dramatisch verdichtet

Legends basiert auf der unglaublichen wahren Geschichte eines kleinen Teams aus Zollbeamten, das in den 1990er Jahren zur wichtigsten Einsatztruppe in Margaret Thatchers Krieg gegen den Drogenhandel wurde. Neil Forsyth, der bereits mit The Gold eine Serie über den legendären Brink's-Mat-Raub von 1983 schuf, kehrt erneut zu einem der prägendsten Kapitel britischer Kriminalgeschichte zurück.

Obwohl die Serie auf realen Ereignissen fußt, wurden viele Details für dramatische Zwecke verändert. Fiktive Elemente schützen zudem die Identitäten der tatsächlich beteiligten Personen, was Forsyth die Freiheit gibt, die emotionale Wahrheit der Geschichte über die bloße Faktentreue zu stellen.

Das Ergebnis ist ein sechsteiliges Werk, das sich über alle Folgen hinweg stetig steigert und seine Figuren in Konfrontationen auf jeder Ebene der kriminellen Hierarchie hineinzieht. Die Serie verzichtet auf romantisierende Darstellungen und zeigt den Drogenkrieg in seiner ganzen Brutalität und moralischen Grauzone.

Das Ensemble: Stark besetzt von Anfang an

Im Zentrum steht Steve Coogan als Don, ein ehemaliger Verdecktermittler mit einer belasteten Vergangenheit, dessen Erfahrung das Team zusammenhält. Ihm zur Seite steht Guy, gespielt von Tom Burke, ein Familienvater, der im Flughafensicherheitsdienst arbeitet und in die Undercover-Operationen hineingezogen wird.

Kate (Hayley Squires) und Bailey (Aml Ameen) werden nach Liverpool entsandt, in die Stadt mit dem größten Drogenverteilernetz Großbritanniens. Als Bindeglied zwischen den Operationen in London und Liverpool fungiert Erin (Jasmine Blackborow), eine Sekretärin im öffentlichen Dienst, die zum heimlichen Herzstück der gesamten Einsatztruppe wird.

Auf der Gegenseite agieren der junge Liverpooler Carter (Tom Hughes) als Anführer des nördlichen Drogenhandelsnetzes sowie der Londoner Türke Hakan (Numan Acar), der einen neuen Plan für ein Verteilernetz entwirft. Eddie (Johnny Harris), ein liverpooler Familienvater nach außen hin, arbeitet im Verborgenen an Carters Seite und verkörpert das doppelte Leben vieler Beteiligter.

Tom Burke überzeugt mit Tiefe

Unter den Darstellern ragt Tom Burke besonders heraus. Seine Verkörperung des Guy ist intensiv und emotional verletzlich zugleich, eine Leistung, die dem Charakter eine unerwartete Vielschichtigkeit verleiht. Burke zeigt einen Mann, der zwischen seiner Rolle als Ehemann und Vater und den Anforderungen einer gefährlichen Geheimoperation zerrissen wird.

Diese innere Zerrissenheit macht Guy zu einer der faszinierendsten Figuren der Serie. Burke gelingt es, auch in den ruhigsten Szenen eine unterschwellige Spannung aufrechtzuerhalten, die den Zuschauer nicht loslässt.

Neben Burke liefert das gesamte Ensemble solide bis herausragende Arbeit. Besonders Jasmine Blackborow als Erin beweist, dass die interessantesten Figuren nicht immer die lautesten sein müssen: Ihr ruhiges, präzises Spiel trägt die Serie durch ihre komplexesten Momente.

Zwei Schauplätze, ein Krieg

Legends spielt auf zwei Ebenen gleichzeitig: In London versucht das Team, die Drahtzieher des Handels zu fassen, während in Liverpool das eigentliche Verteilernetz pulsiert. Diese geografische Zweiteilung gibt der Serie einen besonderen Rhythmus und zeigt, wie komplex und weitverzweigt der Drogenhandel der 1990er Jahre tatsächlich war.

Liverpool wird dabei nicht als bloße Kulisse eingesetzt, sondern als eigenständiger Charakter mit eigener Atmosphäre und eigenen Regeln. Die Stadt mit dem damals größten Drogenverteilernetz Großbritanniens bekommt durch Kate, Bailey und Eddie ein menschliches Gesicht, das die abstrakten Zahlen des Drogenkriegs greifbar macht.

Die Konfrontationen, in die die Zollbeamten über alle sechs Folgen hinweg geraten, sind selten glamourös. Legends zeigt Brawls und Auseinandersetzungen, die schmerzhaft und unordentlich wirken, was der Serie eine Authentizität verleiht, die viele Kriminaldramen vermissen lassen.

Fazit: Pflichtprogramm für Krimi-Fans

Legends ist Neil Forsyths nächster großer Wurf nach The Gold. Die Serie beweist erneut, dass britische Kriminaldramen dann am stärksten sind, wenn sie echte Geschichte mit menschlichen Dramen verweben, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Forsyth hat ein Gespür dafür, moralisch komplexe Figuren zu schaffen, die weder reine Helden noch reine Schurken sind.

Die sechs Folgen vergehen schnell, was sowohl Stärke als auch kleiner Schwachpunkt ist: Wer mehr von dieser Welt sehen möchte, wird am Ende möglicherweise auf eine Fortsetzung hoffen. Ob eine zweite Staffel geplant ist, bleibt abzuwarten.

Alle sechs Folgen der ersten Staffel von Legends sind seit dem 7. Mai 2026 auf Netflix abrufbar. Für deutschsprachige Zuschauer ist die Serie dort ebenfalls verfügbar, wobei die genauen Startbedingungen für den DACH-Raum traditionell über Netflix laufen.

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Quelle: The CWZuletzt aktualisiert: 07.05.2026, 08:15 Uhr

Artikel geschrieben von:

Anna Schneider
Autor
Anna Schneider
Science FictionFantasy-SerienMystery

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.

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