Was Ein Planet vor unserer Zeit veröffentlicht und warum der Klang Trauer trägt

Der Klang der Eiszeit ist jetzt sofort nachhörbar. Der Soundtrack zu Ein Planet vor unserer Zeit: Ice Age ist erschienen, bei Apple TV läuft die Doku mit Musik von Hans Zimmer, Kara Talve und Anže Rozman. Für Zuschauer wird hörbar, warum die Trauer der Reihe nicht nur aus Bildern entsteht.
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Soundtrack ist erschienen
Geschrieben wurde die Partitur von Zimmer, Talve und Rozman aus dem Umfeld von Bleeding Fingers Music. Eingespielt hat sie das BBC National Orchestra of Wales, das dem Projekt den großen, orchestralen Druck verleiht, den die Eiszeit-Folgen hörbar anstreben.
Für das Trio läuft die Arbeit an der Reihe weiter auf hohem Niveau. Zimmer, Talve und Rozman sind in der Emmy-Kategorie für herausragende Musikkomposition bei Dokumentationen, Sachformaten oder Reality-Programmen nominiert.
Vom Knochen zur Flöte
Schon für die ersten beiden Staffeln bauten die Komponisten eigene Instrumente aus Knochen, Fossilien und Nachbildungen von Dinosaurierschädeln. Namen wie Raptor Violine, HadroCello, Triceratone und FatRex zeigen, wie stark der Klangansatz an die jeweilige Urzeitwelt gekoppelt war.
Für die Eiszeit verschob sich der Fokus deutlich. Statt mesozoischer Klangexperimente griff das Team unter anderem zur Divje Babe Flöte, einem Fund aus dem Jahr 1995 von der slowenischen Fundstelle Divje Babe, einem durchlöcherten Bärenknochen, der als paläolithisches Instrument gilt.
Rozman schilderte die Aufnahme sehr konkret: 'Ein Freund von uns hat eine Nachbildung. Wir sind in die Höhlen der Postojna-Höhle gegangen und haben sie aufgenommen.' Der Klang sei 'sehr unheimlich' und versetze Hörer sofort in eine ferne Zeit zurück.
Dunklerer Klang der Eiszeit
Die neue Musik setzt bewusst auf Schwere. Hohe Flöten, Violinen und Blech wurden aus dem Zentrum des Arrangements entfernt, damit die Partitur tiefer, kälter und bedrohlicher wirkt.
Rozman beschrieb den Aufbau mit einem starken Bild: 'Wir hatten eine Wand aus Celli im Halbkreis und Kontrabässen. Wir haben einen Oktobass aufgenommen, das ist ein riesiger Kontrabass.' Genau diese tiefe Staffelung gibt den Stücken ihre massive körperliche Wucht.
Der gemeinsame Ansatz dahinter bleibt klar. Zimmer, Talve und Rozman erklären: 'Wir haben uns Ein Planet vor unserer Zeit immer mit der Frage genähert, wie wir Klänge erschaffen können, die den Hörer in der Zeit zurückversetzen.'
Mammuts brauchen Tiefgang
Für die wolligen Mammuts setzte das Team auf einen Oktobass von rund 3,7 Metern Länge. Das Instrument erzeugt unterschwellige 16-Hertz-Frequenzen und liefert damit jenes Grollen, das die Tiere nicht nur groß, sondern fast geologisch wirken lässt.
Der Spieler musste dafür auf einem Hocker stehen, um das Instrument überhaupt bedienen zu können. Rozman sagte, genau das habe 'dieses rumpelnde, tiefe Gefühl für die Mammuts' erzeugt, das sich mit einem tief registrierten Orchester zu einer geradezu erderschütternden Klangmasse verbindet.
Auch die Terrorvögel bekamen eine eigene akustische Identität. Deren Laute basierten auf einem Prototypen nach dem Kehlkopf einer ausgestorbenen Art, bevor daraus das Triceratone entstand, ein Blasinstrument für den rauen, kehlig wirkenden Ton.
Zimmer bleibt gefragt
Die Zusammenarbeit von Hans Zimmer, Kara Talve und Anže Rozman reicht inzwischen über alle drei Teile von Ein Planet vor unserer Zeit. Talve und Rozman arbeiten bei Bleeding Fingers Music, dem von Zimmer gegründeten Kollektiv, und haben die Reihe durchgehend mitgeprägt.
Parallel schreibt das Trio bereits an der Musik für die kommende Harry Potter Serie. Das unterstreicht, wie stark Zimmer, Talve und Rozman derzeit den Klang großer Marken mitbestimmen, während Namen wie Yahya Abdul-Mateen II, Walker Scobell und Ryan Reynolds zuletzt in ganz anderen Serienmeldungen die Schlagzeilen bestimmten.
Für Ein Planet vor unserer Zeit bleibt die Richtung dennoch klar umrissen. Die Komponisten sprechen selbst von einer 'dunkleren, orchestralen Farbpalette' und davon, Landschaften und Kreaturen jeweils eine eigene musikalische Identität zu geben.
Artikel geschrieben von:

Sarah Becker analysiert Streaming-Highlights aus den Bereichen Krimi, Drama und Mystery mit geschultem Blick für Erzählstrukturen.
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