Warum The Terror sein Monster diesmal ganz woanders versteckt
The Terror kehrt zurück, diesmal in einer psychiatrischen Einrichtung in den USA. Dan Stevens, Tobias Menzies, CCH Pounder und Judith Light sind dabei, die Serie läuft bei Magenta TV+. Das neue Kapitel setzt das Serienkonzept konsequent fort: Das Böse ist immer ein Spiegel der Gesellschaft.
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Ein neues Böses, ein neuer Ort
Frühere Staffeln von The Terror schickten britische Polarforscher gegen eine arktische Kreatur ins Feld und ließen japanischstämmige Amerikaner in einem Internierungslager während des Zweiten Weltkriegs einem Gestaltwandler begegnen. Die neue Staffel verlegt das Geschehen in eine psychiatrische Einrichtung in Queens, New York, und stellt damit ein Böses in den Mittelpunkt, das laut Drehbuchautorin und Showrunnerin Christopher Cantwell zu jedem Menschen anders spricht.
Cantwell beschreibt das zentrale Übel so: Es ist ein Gefühl, aber gleichzeitig etwas Reales, das Menschen schadet, sie gegeneinander aufbringt und sich auf eine Art manifestiert, die mit der jeweiligen Person zu tun hat, der es begegnet. Damit ist das Böse dieser Staffel weniger eine äußere Bedrohung als eine innere, die durch das Umfeld verstärkt wird.
Regisseurin Karyn Kusama betont, dass die Serie bewusst in einem realen, stillgelegten Gefängnisgebäude auf Staten Island gedreht wurde, umgeben von Stacheldraht, mit engen Gängen und verfallenen Räumen. Das Gefühl der Enge und Klaustrophobie, das die Zuschauer spüren werden, sei echt, so Kusama, denn für die Serie wurde kein einziges Set gebaut.
Dan Stevens als rauer Einzelkämpfer
Dan Stevens spielt Pepper, einen impulsiven Mann, der nach einem Vorfall mit einem Angreifer seiner Freundin zu Unrecht in der psychiatrischen Einrichtung in Queens eingesperrt wird. Stevens beschreibt seine Figur als jemanden, der die Welt als zutiefst ungerecht empfindet und Probleme mit den Fäusten löst.
Im Verlauf der Staffel muss Pepper jedoch über sich hinauswachsen. Stevens schildert die Entwicklung seiner Figur als Weg von einem impulsiven, rücksichtslosen Mann hin zu jemandem, der sich seinen eigenen Dämonen stellt, die Geister seiner Vergangenheit konfrontiert und Verantwortung für andere übernimmt, darunter seinen eigenen Sohn.
Dabei gilt: Pepper lehnt sich gegen das System auf, aber es ist auch ein System, gegen das es sich zu lehnen lohnt. Diese Ambivalenz zieht sich als roter Faden durch die Figur und gibt Stevens reichlich Spielraum für eine vielschichtige Darstellung.
Judith Light und CCH Pounder als Autoritäten
Judith Light übernimmt eine Schlüsselrolle in der Einrichtung. Ihre Figur trägt den Spitznamen Miss Chris und wird als die große, bestimmende Autoritätsfigur beschrieben, die das Geschehen in der Anstalt maßgeblich kontrolliert. Was sie weiß und was sie tun musste, um zu überleben, enthüllt die Staffel schrittweise.
CCH Pounder ergänzt das Ensemble mit einer weiteren gewichtigen Präsenz. Zusammen mit Judith Light bildet sie ein ungleiches Duo, das laut Produzenten eine Art skurrile Komödie zwischen zwei sehr unterschiedlichen Charakteren entfaltet. Dass ausgerechnet in einer Horroranthologie Raum für solche Momente entsteht, zeigt die Bandbreite der neuen Staffel.
Tobias Menzies komplettiert das Hauptensemble und bringt seine bekannte Fähigkeit mit, moralisch komplexe Figuren zu verkörpern, die zwischen Täter und Opfer changieren.
Das amerikanische Gesundheitssystem als Schrecken
Einer der pointiertesten Sätze im Vorschau-Material stammt aus dem Kreativteam: Die Serie ermögliche es, die Aussage zu treffen, dass nichts gruseliger sei als das amerikanische Gesundheitssystem. Dieser Satz ist nicht nur ein Witz, sondern programmatisch für den gesellschaftskritischen Ansatz der neuen Staffel.
Autor Victor LaValle, der gemeinsam mit Christopher Cantwell an der Staffel arbeitet, beschreibt die Welt hinter den Mauern der Einrichtung als einen Ort, an dem sich reale gesellschaftliche Ungerechtigkeiten verdichten. Die desolaten Zustände des Systems spiegeln sich im Drehort wider: ein stillgelegtes Gefängnisgebäude, das ohne Umbau als Kulisse dient.
LaValle hebt hervor, dass die Figuren trotz allem Widerstandskraft zeigen. Die Haltung lautet: Ich werde durchkommen, ich werde tun, was nötig ist. Diese Resilienz steht dem Horror gegenüber und verleiht der Staffel eine menschliche Wärme, die über reines Schrecken hinausgeht.
Körperlicher Horror und echte Pferde
Dan Stevens beschreibt eine Szene, in der er es mit einem echten Pferd zu tun bekommt. Wenn ein Huf wirklich ins Gesicht trifft, sei das deutlich realer und körperlicher als jeder Stunt mit einem Requisit, so Stevens, der diese Erfahrung als großen Spaß bezeichnet, allerdings mit einem deutlichen Augenzwinkern.
Die physische Intensität des Drehs passt zum Gesamtkonzept der Staffel. Karyn Kusama als Regisseurin legte großen Wert darauf, dass die beengte Atmosphäre des Drehortes unmittelbar auf die Darstellenden und damit auf die Zuschauer wirkt. Das Ergebnis soll ein Gefühl von Enge erzeugen, das sich von innen heraus aufbaut.
Produzent Christopher Cantwell verweist zudem auf eine Frage, die die Staffel stellt: In einer Zeit, in der viele metaphorische Silbertüren existieren, hinter denen man nicht weiß, was sich verbirgt, fragt die Serie nach der Wahrheit. Was ist wirklich? Was lauert hinter der nächsten Tür?
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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