Warum Only Murders in the Building gerade im Emmy-Rennen wieder auftaucht

Was genau bringt 'Only Murders in the Building' jetzt zurück ins Emmy-Gespräch? Eine Doku über John Candy, gedreht von Colin Hanks und abrufbar bei Amazon Prime Video, zieht gerade viel Aufmerksamkeit auf sich. Ob das der Serie bei den Emmys wirklich nützt, bleibt offen.
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Candy und Short im Emmy-Rennen
Zwei Dokumentarfilme über kanadische Comedy-Legenden stehen in diesem Jahr besonders im Fokus. Colin Hanks, Sohn von Tom Hanks, hat mit 'John Candy: I Like Me' ein Porträt über den geliebten Komiker gedreht, der durch Filme wie 'Planes, Trains and Automobiles' und 'Uncle Buck' weltberühmt wurde. Der Film ist bei Amazon Prime Video abrufbar.
Colin Hanks begegnete John Candy als Kind am Set von 'Splash', dem Ron-Howard-Film von 1984, der sowohl für Tom Hanks als auch für Candy ein Karrieredurchbruch war. 'Es ist fast wie ein großer Zaubertrick. John hat jeden das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein', erinnert sich Colin Hanks. 'Er hat mich willkommen und akzeptiert fühlen lassen.'
Parallel dazu widmet sich 'Marty, Life Is Short' dem Schauspieler Martin Short, dessen Popularität durch seine Rolle in 'Only Murders in the Building' einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Regie führt Oscar-Nominierter Lawrence Kasdan, ein enger Freund von Short. Kasdan beobachtet: 'Er hat sich nicht verändert. Das ist das Erstaunliche. Es hat 50 Jahre gedauert, bis die Menschen ihn wirklich verstanden haben.'
Promi-Dokus dominieren die Kategorie
Die Tradition der Emmy-prämierten Promi-Dokumentationen ist stark: Im vergangenen Jahr gewann Matt Wolfs 'Pee-wee as Himself' über den verstorbenen Schauspieler Paul Reubens den Emmy für herausragende Dokumentar- oder Nonfiction-Specials. Zwei Jahre zuvor räumte Ron Howards 'Jim Henson Idea Man' gleich fünf Emmys ab, darunter ebenfalls diese Hauptkategorie.
Netflix tritt in diesem Jahr mit mehreren Produktionen an: 'Being Eddie' über Eddie Murphy, 'aka Charlie Sheen' sowie 'Selena y Los Dinos' über die verstorbene Tejano-Sängerin und ihre Familienband. Dazu kommt die mehrteilige Dokuserie 'Rafa' über Tennisstar Rafael Nadal.
Apple TV+ schickt 'Stiller and Meara: Nothing Is Lost' ins Rennen, in dem Ben Stiller liebevoll seine berühmten Eltern, das Komiker-Duo Jerry Stiller und Anne Meara, porträtiert. Außerdem produzierte der Streamingdienst 'Mr. Scorsese', eine fünfteilige Serie über den Oscar-prämierten Regisseur Martin Scorsese, inszeniert von Rebecca Miller.
Scorsese, Mel Brooks und Billy Joel
Rebecca Millers Scorsese-Serie beleuchtet nicht nur den Triumph, sondern auch die tiefen Krisen im Leben des Filmemachers. 'Eines der Hauptthemen ist die Neuerfindung, die persönliche Neuerfindung', erklärt Miller. 'Er wurde von seinem ersten Spielfilm gefeuert, kämpfte mit Drogen und wurde in den 1980er-Jahren vollständig abgeschrieben. Jedes Mal musste er sich neu aus der Asche erheben.'
Beim Streamingdienst Max erscheinen gleich zwei Teile von 'Billy Joel: And So It Goes', inszeniert von Susan Lacy und Jessica Levin. Ebenfalls zweiteilig ist 'Mel Brooks: The 99 Year Old Man!', das Judd Apatow und Michael Bonfiglio gemeinsam realisiert haben.
Außerdem streamt Max 'I'm Chevy Chase and You're Not', geführt von Regisseurin Marina Zenovich. Der Film verspricht einen autorisierten, aber ungefilterten Blick auf den Komiker, dessen Verhalten wiederholt für Schlagzeilen sorgte, und fragt, was hinter seinem Stargehabe wirklich steckt.
True Crime und gesellschaftliche Themen
Neben den Promi-Porträts konkurrieren auch True-Crime-Produktionen um Emmy-Aufmerksamkeit. 'The Yogurt Shop Murders' bei Max, inszeniert von Margaret Brown, untersucht den lange ungelösten Mord an vier jungen Frauen in Austin, Texas aus dem Jahr 1991. Kurz nach der Ausstrahlung identifizierte die Polizei tatsächlich einen Täter, woraufhin Brown eine fünfte Episode mit dem Titel 'The End of Wondering' nachproduzierte.
Netflix bringt daneben 'American Murder: Gabby Petito', eine dreiteilige Serie über die 2021 von ihrem Verlobten getötete junge Frau, sowie 'Oklahoma City Bombing: American Terror'. Die Dokuserie 'Sean Combs: The Reckoning', ebenfalls bei Netflix, beleuchtet das Verhaltensmuster des Musikmoguls, das letztlich zu einer Bundesgefängnisstrafe führte. Regisseurin Alex Stapleton und Produzent Curtis 'Fifty Cent' Jackson haben das Projekt gemeinsam entwickelt.
Jenseits von Promi und True Crime ragt Ken Burns' sechsteilige Serie 'The American Revolution' heraus, die den Unabhängigkeitskrieg ohne Beschönigung darstellt, inklusive der Tatsache, dass George Washington und andere Gründerväter Sklaven hielten. Für PBS entstand außerdem 'W.E.B. Du Bois: Rebel With A Cause', erzählt von Viola Davis, mit Texten, die von Jeffrey Wright, Courtney B. Vance und Common gesprochen werden.
Nominierungen fallen Anfang Juli
Die Emmy-Nominierungen werden am 8. Juli 2026 bekanntgegeben, wenige Tage nach dem 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit. Das Timing verleiht Produktionen wie 'The American Revolution' eine besondere Symbolik.
Lawrence Kasdan fasst die Faszination für Martin Short in einem Satz zusammen: 'Sein Publikum ist gewachsen. Und manchmal glaube ich, seine Reichweite wurde unterschätzt, weil er neben den hellsten Mediensternen der Welt steht.' Das gilt sinnbildlich für viele der diesjährigen Dokumentarfilm-Kandidaten: Sie erzählen bekannte Geschichten neu und finden dabei ein Publikum, das größer ist als erwartet.
Ob John Candy, Martin Short, Charlie Sheen oder Rafael Nadal, ob True Crime oder Geschichtsrevision: Die Bandbreite der Emmy-Anwärter 2026 im Dokumentar-Bereich ist so groß wie selten. Welche Produktionen am Ende nominiert werden, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
Alle Artikel von LeaLea hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.