Warum Landman trotz Rekord-Zahlen bei den Emmys leer ausgeht

·02.06.2026, 22:02 Uhr·4 Min
Warum Landman trotz Rekord-Zahlen bei den Emmys leer ausgeht
Bild: Paramount+ · TMDB

Rekord-Zahlen und trotzdem leer: Landman ist der große Emmy-Verlierer. Billy Bob Thornton lieferte die meistgesehene Paramount+-Premiere überhaupt, doch die Academy schaut weg. Dass selbst Kostüme und Stunts mehr Chancen bekamen als Regie oder Schauspiel, ist das eigentliche Urteil.

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Sheridan und die Emmy-Lücke

Taylor Sheridan hat seit 2018 ein beeindruckendes Serienuniversum aufgebaut: Yellowstone, 1883, 1923, Mayor of Kingstown, Tulsa King, Lawmen: Bass Reeves, Lioness, Landman und zuletzt The Madison und Marshals, die beide 2026 starteten. Die Kritiker schätzen seine Arbeit: 1923 hält bei 94 Prozent auf Rotten Tomatoes, 1883 bei 89 Prozent, Tulsa King bei 88 Prozent, Yellowstone bei 83 Prozent und Landman bei 80 Prozent.

Trotz dieser Bilanz brachten alle Sheridan-Serien zusammen nur neun Emmy-Nominierungen ein, keine davon in einer der wichtigen kreativen Hauptkategorien. Die Nominierungen beschränkten sich auf Produktionsdesign für Yellowstones dritte Staffel, Musik und Kamera für 1883, Stunt-Koordination für Tulsa King und Lioness sowie Kostüme und Produktionsdesign für 1923. Gewonnen wurde kein einziger Emmy.

Bei anderen Preisverleihungen sah es besser aus. Kevin Costner gewann einen Golden Globe für Yellowstone, Sam Elliott einen Schauspielpreis für 1883. Billy Bob Thornton erhielt für Landmans erste Staffel eine Globe-Nominierung, für die zweite Staffel folgte eine Critics-Choice-Nominierung sowie Ensemble-Nominierungen bei den Actor Awards.

Rekordquoten, aber kein Prestige

Landman ist die meistgesehene Originalserie in der Geschichte von Paramount+. Das überraschte selbst die Beteiligten. Thornton sagte dazu: 'Wir waren sehr überrascht, dass es ein internationaler Hit wurde. Wir dachten, es würde vor allem Middle America ansprechen, vielleicht nicht mal die Küsten.' Stattdessen fand die Mischung aus Öl-Industrie-Drama und schwarzem Familienhumor, getragen von Ali Larter und Michelle Randolph als Mutter-Tochter-Gespann, weltweit ein Publikum.

Popularität allein garantiert keine Emmys, aber sie ist kein Hindernis. Serien wie Dynasty sammelten 24 Nominierungen inklusive Hauptkategorien, Dallas kam auf 21 Nominierungen und vier Gewinne, Empire auf acht Nominierungen. Seifenopern mit großem Publikum wurden also durchaus von der TV Academy wahrgenommen.

Paramount+ kämpft dabei mit einem strukturellen Problem: Die Plattform gilt in Emmy-Kreisen noch nicht als Prestige-Anbieter. Hulu etablierte sich durch The Handmaid's Tale, Amazon durch The Marvelous Mrs. Maisel, Apple TV+ durch Ted Lasso. Yellowstone hätte diese Rolle für Paramount+ spielen können, scheiterte aber an einem komplizierten Rechtedeal, der die Serie über Jahre von der Plattform fernhielt.

Ein starkes Ensemble als Trumpf

Landman versammelt eine ungewöhnlich starke Besetzung: Neben Thornton spielen Veteranen wie Sam Elliott, Demi Moore und Andy Garcia tragende Rollen. Jüngere Talente wie Michelle Randolph und Paulina Chávez gelten als echte Entdeckungen der Serie. SAG-AFTRA nominierte das Ensemble für den Preis für die beste Serien-Besetzung, was als deutliches Signal aus der Schauspieler-Gemeinschaft gewertet werden kann.

Regisseur Stephen Kay, der sechs der zehn Folgen in Staffel 1 und alle zehn Folgen in Staffel 2 inszenierte, beschreibt Sheridans Ansatz so: Jede Staffel solle sich anfühlen wie ein zehnteiliger Film. Sheridan selbst war Oscar-nominiert für das Drehbuch zu Hell or High Water, schrieb Sicario und Wind River und brachte diese Filmemacher-Haltung in sein Serienschaffen.

Die visuelle Qualität der Serie wird bei Vorführungen auf großer Leinwand besonders deutlich. Kameramann Robert McLachlan und Produktionsdesignerin Charisse Cardenas schufen eine Ästhetik, die im offiziellen FYC-Screening in der TV Academy in North Hollywood das Publikum beeindruckte. Solche Vorführungen sollen Emmy-Wähler gezielt auf die handwerkliche Stärke der Serie aufmerksam machen.

Sheridans Image als Hindernis

Das größte Hindernis für Emmy-Erfolg könnte Sheridan selbst sein. Er gibt kaum Interviews, lebt auf einer rund 270.000 Hektar großen Ranch in Texas und meidet die Öffentlichkeit konsequent. Was über ihn bekannt ist, hat sein Image in der Branche belastet. Sein Auftritt im Podcast von Joe Rogan 2024 verstärkte bei vielen den Eindruck, er stehe politisch weit rechts.

Thornton widersprach dieser Einschätzung: 'Ich glaube, die Leute denken, Taylor ist irgendwie ein Rechtsaußen-Typ, aber das stimmt nicht wirklich. Selbst mit dieser Serie über die Ölindustrie zeigt er dir einfach, wie es ist. Er sagt nicht: Hurra für Öl.' Sheridans Serien zeigen durchaus auch respektvolle Porträts hispanischer und indigener Charaktere sowie umweltbewusste Perspektiven.

Hinzu kommen anhaltende Vorwürfe, er schreibe Frauenfiguren schlecht. Dem widerspricht die Praxis: Kelly Reilly, Helen Mirren, Nicole Kidman, Zoe Saldaña, Michelle Pfeiffer und Demi Moore haben alle mit Sheridan zusammengearbeitet und beschreiben ihre Rollen als Karrierehöhepunkte. Kay zitiert Sheridan mit dem Satz, die Figur Beth aus Yellowstone sei 'der Mann, der er immer hätte sein wollen'.

Was Landman jetzt noch fehlt

Das Abstimmungsfenster für Emmy-Nominierungen läuft vom 11. bis 22. Juni. Landman tritt mit einer zweiten Staffel an, die kritisch und publikumsseitig besser aufgenommen wurde als die erste. Die Kombination aus Ensemble-Stärke, handwerklicher Qualität und einer aktiven FYC-Kampagne gibt der Serie reale Chancen, erstmals in bedeutenden Kategorien nominiert zu werden.

Die entscheidende Frage bleibt, ob genug Mitglieder der TV Academy Paramount+ inzwischen regelmäßig nutzen. Die Plattform ist in Deutschland über Paramount+ direkt, den Paramount+ Amazon Channel sowie den Paramount Plus Apple TV Channel verfügbar. International wächst die Nutzerbasis, doch das Abstimmungsverhalten der TV Academy hinkt der tatsächlichen Reichweite der Plattform erkennbar hinterher.

Ein Vergleich macht das Dilemma greifbar: Yellowstone und Succession starteten beide im Juni 2018, beide handeln von den Kindern eines reichen, emotional distanzierten Patriarchen, der einen Nachfolger sucht. Succession räumte zahlreiche Emmys ab. Yellowstone gewann keinen einzigen. Der Unterschied lag nicht im Inhalt, sondern in der Plattform.

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Quelle: Paramount+Zuletzt aktualisiert: 02.06.2026, 22:02 Uhr

Artikel geschrieben von:

Emma Mueller
Autor
Emma Mueller
Action- & Adventure-SerienDrama-SerienMystery

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.

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