Transparent-Produzentin Yona Speidel: Jetzt trägt sie einen neuen Namen und eine neue Religion
Nicht das Trans-Coming-out war die größte Herausforderung, sondern die Religion. Yona Speidel, Emmy-nominierte Produzentin von Transparent, konvertierte am 23. März zum Judentum und tauschte gleichzeitig den Künstlernamen Our Lady J gegen ihren neuen bürgerlichen Namen. Dass ausgerechnet der Glaubenswechsel schwerer wog als alles zuvor, wirft ein neues Licht auf ihre Arbeit.
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Vom Amish-Dorf zur Netflix-Produktion
Yona Speidel wuchs in einer streng religiösen Amish- und Mennoniten-Gemeinschaft in Chambersburg, Pennsylvania auf. Mit 21 Jahren verließ sie dieses Umfeld und zog nach New York City, wo sie ihr Leben grundlegend neu ausrichtete. Im Jahr 2004 outete sie sich als Transfrau, ein Schritt, der ihr Leben veränderte, aber wie sie heute sagt, nicht der schwerste war.
Speidel machte sich zunächst als Performerin einen Namen und schrieb Geschichte, als sie als erste offen trans Frau im Carnegie Hall auftrat. Später verschlug es sie nach Los Angeles, wo sie als Autorin für die wegweisende Amazon-Prime-Video-Serie Transparent tätig wurde. Die Serie erzählt die Geschichte einer älteren Transfrau, gespielt von Jeffrey Tambor, und ihrer sehr jüdisch geprägten Familie in Los Angeles.
Heute ist Speidel als Ko-Exekutivproduzentin und Autorin an der kommenden Netflix-Serie 'The Boroughs' beteiligt, einem Science-Fiction-Abenteuer im Stil der 1980er Jahre über eine Gruppe älterer Menschen, die Wesen aus einer anderen Welt bekämpfen. Ein Startdatum für Deutschland steht noch aus.
Zwölf Jahre bis zur Konversion
Der Weg zum Judentum begann für Speidel ausgerechnet im Autoren-Zimmer von Transparent. Die tief jüdisch geprägte Atmosphäre der Serie brachte sie vor rund zwölf Jahren dazu, die Möglichkeit einer Konversion ernsthaft in Betracht zu ziehen. Was folgte, war ein langer innerer Prozess, der nun seinen Abschluss fand.
Am 23. März konvertierte Speidel offiziell zum Judentum und nahm gleichzeitig ihren neuen Namen an. Nur sechs Wochen später spricht sie offen darüber, wie tiefgreifend dieser Schritt für sie war. 'Es ist um einiges schwerer als das Coming-out als Transfrau', sagte sie und beschreibt damit die gesellschaftliche und persönliche Dimension dieser Entscheidung.
Die Parallelen zu anderen öffentlichen Bekenntnissen liegen nahe: Ähnlich wie Barbra Streisand in ihrer 2023 erschienenen Autobiografie 'My Name Is Barbra' die eigene Identität und Herkunft schonungslos offenlegte, teilt auch Speidel ihre Geschichte mit bemerkenswerter Offenheit.
Neuer Name auf dem Bildschirm
Besonders bewegend war für Speidel ein Detail rund um ihre neue Serie 'The Boroughs': In den Credits war ursprünglich noch ihr alter Künstlername Our Lady J vorgesehen. Sie wandte sich daraufhin direkt an einen der Produzenten und die Showrunner mit der Bitte, den Namen zu ändern.
'Ich schrieb einer der Produzentinnen und auch den Showrunnern und fragte, ob sie meinen neuen Namen einfach noch einbauen könnten', erzählte Speidel. Die Reaktion war positiv: Die Episoden wurden entsperrt, um ihr eine neue Namenseinblendung zu ermöglichen. 'The Boroughs' ist damit die erste Produktion, in der ihr echter Name Yona Speidel auf dem Bildschirm erscheint.
Dieser Moment hat für sie eine besondere symbolische Bedeutung, denn er verbindet ihre neue Identität unmittelbar mit ihrer professionellen Arbeit vor einem weltweiten Publikum.
Transparent als Wendepunkt
Die Arbeit an Transparent hatte für Speidel eine Wirkung, die weit über das Berufliche hinausging. Das jüdische Familienleben, das die Serie so eindringlich porträtiert, öffnete bei ihr eine Tür zu einer spirituellen Suche, die über ein Jahrzehnt andauern sollte. Jeffrey Tambor spielte in der Serie eine Transfrau, deren Familie tief im jüdischen Glauben verwurzelt ist.
Die Serie gilt als eine der bedeutendsten LGBTQ-Produktionen der vergangenen Jahre und prägte eine ganze Generation von Erzählungen über Identität und Familie. Dass sie ausgerechnet dort Speidels religiöse Reise auslöste, ist eine der bemerkenswerten Geschichten hinter den Kulissen des Projekts.
Speidels Werdegang zeigt, wie eng persönliche und berufliche Entwicklung miteinander verknüpft sein können, gerade in einem Umfeld, das Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Gemeinschaft ins Zentrum stellt.
Was kommt als Nächstes
Mit 'The Boroughs' steht Speidels nächstes großes Projekt in den Startlöchern. Die Netflix-Produktion verbindet Science-Fiction mit einem ungewöhnlichen Ensemble älterer Hauptfiguren und spielt in der Ästhetik der 1980er Jahre. Wann die Serie in Deutschland verfügbar sein wird, ist noch nicht bekannt.
Speidel bringt in das Projekt ihre langjährige Erfahrung als Autorin und Produzentin mit, die sie in einer der anspruchsvollsten Serien des vergangenen Jahrzehnts gesammelt hat. Ihr Name, nun offiziell Yona Speidel, wird dabei erstmals auf dem Bildschirm zu lesen sein, ein symbolischer Neuanfang auf mehreren Ebenen.
Unterdessen treibt auch das Produktionsunternehmen Secuoya Studios seine Strategie voran: José María Caro wurde dort zum neuen Kreativchef ernannt, um die inhaltliche Ausrichtung des Unternehmens zu stärken.
Artikel geschrieben von:

Lena Bergmann ist Serienredakteurin mit Schwerpunkt auf Sci-Fi- und Fantasy-Formate wie The Witcher und Wednesday.
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