Still Breathing schlägt zu: Warum der Triumph so überrascht
Kein Weihnachtskalender, trotzdem der größte Dramastart in NRK-Geschichte. Still Breathing holte 428.000 Zuschauer, obwohl Rekorde bislang ausnahmslos den populären Festtagsformaten des Senders gehörten. Staffel 2 ist bereits abgedreht, Staffel 3 wird verhandelt.
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Rekordstart für norwegisches Krankenhausdrama
Still Breathing startete diesen Monat mit 428.000 Zuschauern in die erste Folge und übertraf damit jeden bisherigen Dramaauftakt bei NRK außerhalb der beliebten Weihnachtskalender-Reihen. 231.000 davon riefen die Episode über den Streamingdienst NRK TV ab, weitere 197.000 verfolgten die Erstausstrahlung am Sonntagabend auf dem linearen Kanal NRK1.
Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 2023 und gehörte der Serie The Power Play mit damals 197.000 Zuschauern. Still Breathing hat diese Marke mehr als verdoppelt und damit eindrucksvoll belegt, dass das Interesse an qualitativ hochwertigen norwegischen Dramaproduktionen weiter wächst.
In Norwegen läuft die Serie unter dem Titel LIS. Die starken Zahlen bestätigen die Entscheidung von NRK-Verantwortlicher Marianne Furevold, die Serie von Beginn an mit einem Zweistaffel-Auftrag zu versehen.
Schöpfer und Besetzung im Überblick
Hinter Still Breathing stehen Karianne Lund und Nicolai Moland als Ko-Schöpfer und Ko-Autoren. Lund ist bekannt als Autorin der gefeierten Serie Occupied, Moland fungiert als Produzent. Gemeinsam entwickelten sie die Serie über rund drei Jahre, angetrieben von einem wachsenden Bewusstsein für die Belastungspunkte im öffentlichen Gesundheitssystem.
Die Besetzung vereint bekannte norwegische Schauspieltalente: Elpida Stojcevska, Deniz Kaya, Taume Dery und Sofia Tjelta Sydness übernehmen zentrale Rollen, ebenso wie Anders Baasmo Christiansen und Cathrine Frost Andersen. Zusammen zeichnen sie ein vielschichtiges Bild des Alltags in einem unter Druck stehenden Krankenhaus.
Produziert wird die Serie von Rubicon TV, einem Unternehmen unter dem Dach von Banijay Nordic. Den internationalen Vertrieb übernimmt DR Sales, das die Serie bereits aktiv auf dem Weltmarkt platziert.
Staffel 2 fertig, Staffel 3 geplant
Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel sind bereits abgeschlossen, ein Start im Herbst 2026 ist vorgesehen. Rubicon-Produzent Ivar Køhn bestätigt zudem, dass Gespräche über eine dritte Staffel bereits laufen, obwohl die erste noch mitten in der Ausstrahlung ist.
Dieser Produktionsvorsprung ist kein Zufall: Marianne Furevold hatte Still Breathing von Anfang an als Mehrstaff el-Projekt konzipiert und entsprechend grünes Licht für zwei Staffeln gegeben. Die Rekordquoten der Premiere haben diese Entscheidung nachträglich vollständig gerechtfertigt.
Für die Zuschauer bedeutet das eine seltene Planungssicherheit: Die Fortsetzung der Geschichte um Elpida Stojcevska, Deniz Kaya und ihre Kollegen im Krankenhaus ist gesichert, und die Weichen für eine langfristige Erzählung sind gestellt.
Europäisches Sendernetzwerk trägt die Serie
Still Breathing ist nicht nur ein norwegisches Projekt, sondern ein gesamteuropäisches Vorhaben. Neben NRK als Leitkommissionär sind ZDF aus Deutschland, NPO aus den Niederlanden, VRT aus Belgien, SVT aus Schweden, DR aus Dänemark, YLE aus Finnland und RÚV aus Island als Abnehmer beteiligt, allesamt verbunden über den europäischen Kommissionierungsverbund New8.
Finanzielle Unterstützung kam außerdem vom Norwegischen Filminstitut, dem Nordisk Film und TV Fond sowie dem Banijay Scripted Fund. Diese breite Förderstruktur ermöglichte die aufwendige Produktion und sichert gleichzeitig die europaweite Verbreitung.
Für deutschsprachige Zuschauer ist die Beteiligung des ZDF besonders relevant. Wann und auf welchem Weg die Serie in Deutschland zu sehen sein wird, steht noch nicht fest, ein konkretes Startdatum ist noch nicht bekannt.
Krankenhausserien erleben weltweiten Aufschwung
Still Breathing trifft einen Nerv, der gerade international freigelegt wurde: Das Krankenhausdrama erlebt weltweit eine Renaissance. The Pitt gewann 2025 den Emmy als herausragende Dramaserie und gab dem Genre neuen Schwung. Auch die Rückkehr von Scrubs sowie die starken Quoten von Best Medicine zeigen, dass das Publikum Geschichten aus dem Krankenhausalltag wieder verstärkt einfordert.
Lund und Moland hatten diese Entwicklung nicht bewusst antizipiert, als sie die Arbeit an Still Breathing vor drei Jahren begannen. Ihr Ausgangspunkt war ein gesellschaftliches Anliegen: die wachsende Überlastung des öffentlichen Gesundheitssystems sichtbar zu machen.
Banijay prüft nun aktiv den Verkauf des Formats an internationale Produktionsfirmen. Sollte ein Remake zustande kommen, wäre Still Breathing nicht nur ein nordischer Erfolg, sondern ein globales Serienphänomen.
Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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