Sendungen gestrichen, Kanäle überprüft: Review vor dem Aus?

Lieblingsformate könnten ersatzlos gestrichen werden. Die BBC kappt ihr Produktionsbudget um 80 Millionen Pfund und prüft, welche Kanäle überhaupt noch Zukunft haben. Fans müssen sich darauf einstellen, dass vertraute Sendeplätze und ganze Sender bald Geschichte sein könnten.
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80 Millionen Pfund weniger für Inhalte
Die BBC kürzt ihr Auftragsbudget massiv: Bis zum Haushaltsjahr 2027/28 sollen die Ausgaben für Inhalte, Nachrichten und Regionalprogramme um rund 80 Millionen Pfund sinken. Das entspricht etwa 93 Millionen Euro. Generaldirektor Matt Brittin, früherer Führungsmanager bei Google, informierte die Belegschaft in einer internen E-Mail über das Ausmaß der geplanten Einsparungen.
Die Kürzungen beim Auftragsbudget sind Teil eines umfassenderen Sparplans: Insgesamt will die BBC über drei Jahre 500 Millionen Pfund einsparen, was rund 580 Millionen Euro entspricht. Dieser neue Zielwert erweitert ein bereits bestehendes Sparprogramm, das auf 1,5 Milliarden Pfund ausgelegt war.
Brittin betonte, dass alle Abteilungen erhebliche Beiträge leisten müssen. 'Das Ausmaß der Einsparungen erfordert schwierige Entscheidungen und sorgfältige Arbeit', schrieb er. Konkrete Details zu einzelnen Programmen sollen in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden.
Sendungen gestrichen, Kanäle überprüft
Neben dem Budgetschnitt werden gezielt Sendungen abgesetzt. Welche Programme betroffen sind, nannte Brittin noch nicht beim Namen. Fest steht jedoch, dass die BBC ihr gesamtes Portfolio an TV-Kanälen und Radionetzwerken auf den Prüfstand stellt, da sich das Publikum zunehmend ins Netz verlagert.
Als Leitprinzip gilt dabei: Inhalte mit dem höchsten Publikumswert bleiben erhalten, während Ausgaben in anderen Bereichen reduziert werden. Doppelstrukturen sollen abgebaut, Verantwortlichkeiten klarer definiert und Entscheidungsprozesse beschleunigt werden. Führungskräfte auf Seniorebene werden dabei um mindestens zehn Prozent reduziert.
Für das Publikum in Deutschland und Österreich sind BBC-Produktionen häufig über Streaming-Plattformen wie Netflix, Amazon Prime Video oder Apple TV+ verfügbar. Welche Formate durch die Sparmaßnahmen wegfallen, bleibt vorerst unklar.
Bis zu 2.000 Stellen fallen weg
Zwischen 1.800 und 2.000 Stellen sollen in den kommenden Monaten bei der BBC gestrichen werden. Allein in den Nachrichten- und Regionalabteilungen verschwinden rund 550 Positionen, was laut Brittin Einsparungen von 160 Millionen Pfund ermöglichen soll. Weitere 700 Stellen fallen in den zentralen Verwaltungsbereichen weg.
Betriebsbedingte Kündigungen lassen sich bei einem solchen Umfang nicht vollständig vermeiden, wie Brittin einräumte. Die BBC habe jedoch bereits in mehreren Abteilungen freiwillige Abfindungsprogramme geöffnet und werde weitere folgen lassen, um Zwangskündigungen so weit wie möglich zu begrenzen.
Am 23. Juni will Brittin in einer unternehmensweiten Fragerunde Stellung nehmen. An seiner Seite stehen dabei Kate Phillips, Rhuanedd Richards und Jonathan Munro, die gemeinsam Fragen der Belegschaft beantworten sollen.
Brittin setzt neue Prioritäten
Matt Brittin ist seit knapp einem Monat Generaldirektor der BBC. In seiner E-Mail an die Belegschaft beschrieb er die aktuelle Lage als 'doppelt schwierige Zeit', in der die BBC ihrem Auftrag nachkommen und gleichzeitig sparen müsse. 'Unser Publikum verlässt sich jeden Tag darauf, dass wir es informieren, unterhalten und in die Lage versetzen, die Welt zu verstehen', schrieb er.
Für September kündigte Brittin an, seine Vision für die Zukunft der BBC vorzustellen. Bis dahin stehen die Sparmaßnahmen im Vordergrund. Die Nachrichtensparte, die Regionalprogramme sowie die Inhaltesabteilung sollen als erste konkrete Pläne vorlegen.
Parallel zur Krise bei der BBC sorgt die Branche für weitere Schlagzeilen: Peaky-Blinders-Schöpfer Steven Knight forderte zuletzt, dass Netflix und andere Streamingdienste in einen britischen Talentfonds einzahlen sollen, um die heimische Produktionslandschaft zu stärken.
Branche im Wandel: Weitere Umstrukturierungen
Der Stellenabbau bei der BBC steht nicht allein. Auch NBCUniversal hat seine Produktionsstudios UCP und Universal International Studios unter der Führung von Beatrice Springborn zusammengelegt und dabei 22 Stellen gestrichen. Die Konsolidierung im Medienmarkt nimmt branchenweit Fahrt auf.
Bari Weiss, Chefin von CBS News, soll unterdessen Gespräche mit BBC-Journalist Justin Webb geführt haben, während sie internationale Talente für ihre Redaktion sondiert. Solche Personalbeobachtungen zeigen, wie sehr der Druck auf öffentlich-rechtliche Sender auch private Medienunternehmen in Bewegung setzt.
Für die BBC bedeutet der Umbau eine Zäsur: Ein Sender, der über Jahrzehnte als Maßstab für Qualitätsfernsehen galt, muss sich neu erfinden, ohne seinen Kernauftrag aufzugeben. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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