Seit Monte Carlo reden Serienfans wieder über Gomorrah Collection

·16.06.2026, 22:16 Uhr·3 Min
Seit Monte Carlo reden Serienfans wieder über Gomorrah Collection
Bild: TMDB

Was steckt hinter dem plötzlichen Hype um Gomorrah Collection? Das italienische Prequel gewann in Monte Carlo den Best Creation Award, während Fadia mit drei Preisen den Abend dominierte. Ob der Festivalerfolg auch in Zuschauerzahlen umgemünzt wird, bleibt abzuwarten.

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Fadia dominiert die Abschlussverleihung

Das palästinensisch-israelische Drama Fadia von Cinema Virgin war der große Abräumer des Abends. Die Produktion gewann Best Film, den Jury-Sonderpreis und die Auszeichnung als beste Schauspielerin für Yara Jarrar. Drei Preise für einen einzigen Titel: Das hatte zuletzt nur wenige Produktionen in der Geschichte des Festivals geschafft.

Die Jury unter Vorsitz von Lesley Manville zeigte damit klare Haltung. Manville, die kurz zuvor selbst einen Tony Award für ihre Bühnenrolle in Oedipus entgegengenommen hatte, leitete die Fiction-Jury und setzte mit der Entscheidung für Fadia ein deutliches Zeichen für politisch aufgeladenes Erzählkino.

Das Publikum wiederum wählte das US-amerikanische Drama Ponies mit Emilia Clarke in der Hauptrolle zum Public Prize. Damit spiegelte die Zuschauerentscheidung einen anderen Geschmack wider als das Jury-Votum.

The Uniform und Gomorrah siegen

Best Series ging an die dänische Produktion The Uniform von Miso Film. Die Serie setzte sich in einer starken Konkurrenz durch und bestätigt damit den anhaltenden Erfolg skandinavischer Fernsehdramen auf internationalem Parkett.

Best Creation sicherte sich Gomorrah: The Origins, das Prequel zur kultisch verehrten Gomorrah-Reihe. Sky Studios und Cattleya, ein Teil von ITV Studios, zeichnen für die italienische Produktion verantwortlich. Das Prequel beleuchtet die Ursprünge der neapolitanischen Camorra-Welt, die die Originalserie über fünf Staffeln hinweg erzählt hatte. Ein Starttermin für den deutschsprachigen Raum ist noch nicht bekannt.

Bester Schauspieler wurde Johannes Hegemann für seine Rolle in der deutschen Serie Olivia, in der er eine Dragqueen spielt. Damit gewann Deutschland neben dem Prequel-Erfolg eine weitere Auszeichnung.

Kurt Russell und Kristin Scott Thomas geehrt

Kurt Russell nahm die Crystal Nymph entgegen, die höchste Auszeichnung des Monte-Carlo TV Festivals. Die Ehrung würdigt sein Lebenswerk und seine Bedeutung für das internationale Fernsehen und Kino. Russell nutzte seinen Auftritt in Monaco auch, um über aktuelle Projekte zu sprechen.

Auch Kristin Scott Thomas wurde mit einer Crystal Nymph ausgezeichnet. Die britische Schauspielerin gab am Rande des Festivals bekannt, dass sie an einem zweiten Regieproject arbeite. Beide Ehrungen unterstrichen den Anspruch des Festivals, internationale Stars jenseits der üblichen Preisverleihungszirkusse zu würdigen.

SEAL Team-Darsteller David Boreanaz war ebenfalls in Monaco und sprach über seine Rolle im Rockford Files-Neustart, in dem er an der Seite seines Sohnes zu sehen sein wird.

Neue Digital-Kategorie, BBC-Sonderpreis

Erstmals vergab das Festival einen Preis in der Kategorie Digitale Inhalte. Den Vorsitz der Digital-Jury übernahm Susanne Daniels, die frühere Leiterin von YouTube Originals. Best Original Digital Creation gewann das südkoreanische Projekt Next-Door Families: What Makes a Family? vom Sender KBS in Zusammenarbeit mit Yoo Kyung-Hyun.

In den Faktual-Kategorien führte Joshua Seftel, Regisseur von All The Empty Rooms, die Jury. Den Jury-Sonderpreis in der Kategorie Reportage und Nachrichten sicherte sich Into the Void: Putin's Foreign Fighters der BBC. Der Dokumentarfilm beleuchtet ausländische Kämpfer im Dienst des Kremls.

Den Prince-Rainier-III-Sonderpreis erhielt der französisch-belgische Dokumentarfilm PFAS, Our Forever Poisons von Brotherfilms und Dancing Dog Productions. Der Film beschäftigt sich mit sogenannten Ewigkeitschemikalien und deren Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit.

65. Festivaljahrgang zieht Bilanz

Die Abschlussveranstaltung beendete die 65. Ausgabe des Monte-Carlo TV Festivals. Eröffnet wurde das Event von der dritten Staffel von The Walking Dead: Dead City, deren Showrunner und Besetzung eigens in das Fürstentum gereist waren.

Matthew Broome, Hauptdarsteller von My Fault: London, dem britischen Remake des spanischen Hits Culpa Mia, sprach über den Druck, eine derart populäre Vorlage neu zu interpretieren. Susanne Daniels äußerte sich zudem zu Cobra Kai und prognostizierte, dass YouTube als ihr früherer Arbeitgeber in absehbarer Zeit wieder in Eigenproduktionen investieren werde.

Michael Hirsts Wikinger-Drama Bloodaxe wurde unterdessen für eine zweite Staffel bei Prime Video verlängert, was das Festival als Bühne für aktuelle Branchennachrichten einmal mehr bestätigte.

Zuletzt aktualisiert: 16.06.2026, 22:16 Uhr

Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann
Autor
Lea Zimmermann
Science FictionFantasy-SerienMystery

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.

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