機動戦士ガンダムRG XARX-ZERO debütiert mit KI-Kontrollverlust als zentraler Prämisse

Gundam zeigt erstmals, was passiert, wenn Technologie ihren Schöpfer überholt. Ray Azumi, ein Kriegswaise ohne Erinnerungen, sitzt in einem Cockpit, das er nicht versteht, auf einem Mond über einer verlorenen Erde. Wer die KI-Debatte der letzten Jahre verfolgt hat, wird diese Geschichte auf einer anderen Ebene erleben.
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KI-Angst als Kern der Story
Mobile Suit Gundam RG XARX-ZERO spielt in einer Welt, in der die Menschheit die Erde verlassen musste. Auslöser war ein außerirdisches Objekt, das drei Phänomene freisetzte: Gravitationskontrolle, überlichtschnelle Kommunikation und kognitive Materialisierung. Das daraus entstandene, sich selbst replizierende Ökosystem machte den Planeten unbewohnbar. Die Menschheit zählt die Jahre seither in einem eigenen Kalender.
Kamiyama beschreibt den Kern des Projekts gegenüber dem Fachmagazin Variety in klaren Worten: 'Können wir eine Technologie wirklich beherrschen, die wir nicht selbst erschaffen haben, oder werden wir am Ende von ihr benutzt? Es ist eine Metapher für Technologien, mit denen die Menschheit bereits jetzt zu kämpfen beginnt, wie zum Beispiel KI.' Diese Frage zieht sich durch die gesamte Serienhandlung.
Der Protagonist Ray Azumi, gesprochen von Takeo Otsuka, ist ein Kriegswaisenkind, das auf der Mondoberfläche erwacht und sich plötzlich als Pilot des experimentellen Kampfanzugs Gundam ZERO wiederfindet. Seine Geschichte beginnt nicht mit dem Trauma der Flucht von der Erde, sondern inmitten einer Welt, für die dieser Exodus längst Alltag ist.
Weltenbau ohne Erklär-Modus
Kamiyama entschied sich bewusst dagegen, die Vorgeschichte der Serie Schritt für Schritt aufzudröseln. Stattdessen wirft die Serie die Zuschauer direkt in eine bereits etablierte Realität. 'Als ich auf der Ebene des Settings die Idee erkundete, dass diese Welt ebenfalls ein Davor hat, kam ich zu dem Schluss, dass es die Geschichte bereichert, wenn die Zuschauer sich das Vergangene selbst ausmalen können', erklärt er.
Die zeitliche Dimension des Universums reicht dabei weit über das Gezeigte hinaus. Kamiyama hat nach eigenen Angaben einen Zeitraum von mindestens 50 Jahren vor dem Serienstart bis hin zu einer möglichen Zukunft ausgearbeitet, die 100 Jahre später in die Welt des Begleit-Videospiels Gundam Rogue Orbit übergeht.
Für die wissenschaftliche Plausibilität dieser Konzepte holte sich der Regisseur Unterstützung vom Romanautor Toh EnJoe, der als Science-Fiction-Setting-Supervisor am Projekt beteiligt ist. Kamiyama beschreibt ihn als 'einen Meister, der Worte durch Mathematik neu anordnet', und erklärt, dass EnJoes Urteile darüber, welche Ideen haltbar, überarbeitungswürdig oder vernachlässigbar waren, zur kreativen Inspiration wurden.
Spiel zuerst, Serie danach
Ungewöhnlich für ein Anime-Franchise: Das Begleit-Videospiel Gundam Rogue Orbit stand am Anfang des gesamten Projekts, nicht die Serie. 'Das Projekt begann eigentlich vom Spiel aus, aber die Spielseite hatte kein festgelegtes Setting, also baute ich die Welt ausgehend von der Frage auf, wogegen Gundam kämpft', sagt Kamiyama.
Den spielerischen Teil überließ er dem Entwicklerteam vollständig. Seine Begründung: 'Spiele haben einen Reiz, den nur ein Spiel liefern kann, den Spaß, der aus dem Gameplay und den Steuerungsmechaniken entsteht.' Kamiyamas Aufgabe war es, den narrativen Unterbau zu liefern: Was sind die Gegner, was haben sie der Erde angetan, wie lange dauerte es, bis eine Gegenmassnahme wie Gundam entwickelt werden konnte.
Genau diese Detailarbeit sei sowohl der schwierigste als auch der befriedigendste Teil des Science-Fiction-Schreibens, betont der Regisseur. Die Serie wird von Bandai Namco Filmworks produziert, die Animation übernimmt Sola Animation.
Antikrieg als zeitloses Thema
Kamiyama siedelt RG XARX-ZERO bewusst außerhalb der bekannten Gundam-Zeitlinien wie dem Universal Century oder der 00-Ära an. Diese Freiheit nutzt er, um über Krieg in einem universellen Sinn nachzudenken. 'Antikrieg ist ein universelles Thema; selbst wenn sich die Formen und Bedeutungen von Krieg mit der Zeit verändern, bleibt es zeitlos', sagt er.
Den Bezug zur Gegenwart stellt er dabei explizit her: 'Das wahre Wesen von Krieg sieht von einer Ära zur nächsten anders aus. Vielleicht ist es die Unruhe der Kriege, die sich gerade jetzt entfalten.' Ein neues Setting ohne vorbelastete Kontinuität gab ihm den Spielraum, diese Reflexion unabhängig von Franchise-Konventionen zu gestalten.
Kamiyama ist seit zwei Jahrzehnten mit großen Franchise-Welten vertraut. Nach Ghost in the Shell: Stand Alone Complex und den Netflix-CG-Reboots von Ultraman und Ghost in the Shell: SAC_2045, die er gemeinsam mit Shinji Aramaki inszenierte, folgte 2024 der Kinofilm The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim. Aktuell ist er als leitender Regisseur für die 2026er-Ausgabe von Star Wars: Visions verantwortlich, in der er die Geschichte aus The Ninth Jedi fortsetzt.
Überraschungen für Gundam-Fans
Beim Umgang mit etablierten Franchises verfolgt Kamiyama eine klare Philosophie: 'Es ging darum, zu wählen, was weitergetragen und was neu aufgebaut werden sollte.' Für RG XARX-ZERO bedeutet das, Gundam-Vertrautes mit einem völlig neuen Weltbild zu verbinden, das Fans weder aus dem Universal Century noch aus anderen bekannten Serien kennen.
Den Balanceakt zwischen Überraschung und Erwartungserfüllung beschreibt er so: 'Ich versuche, Überraschungen vorzubereiten, während ich mit größter Sorgfalt darauf achte, nicht von diesem Konsens abzuweichen. Wenn das gelingt, wird das Gefühl, den Moment mit den Fans zu teilen, zur Motivation, weiterzumachen.' Die erste Überraschung für neue Zuschauer sieht er in Gundams Rolle innerhalb eines Franchises, das riesige Roboter stets als Protagonisten in den Mittelpunkt stellte.
Mobile Suit Gundam RG XARX-ZERO ist für 2027 angekündigt. Wann und über welchen Anbieter die Serie in Deutschland zu sehen sein wird, ist bislang nicht bekannt.
Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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