Ohne Ryan Murphy gewinnt Monster: Die Geschichte von Ed Gein sieben Nominierungen

·24.07.2026, 20:02 Uhr·4 Min
Ohne Ryan Murphy gewinnt Monster: Die Geschichte von Ed Gein sieben Nominierungen
Bild: Netflix · TMDB

Kein Ryan Murphy, trotzdem sieben Emmy-Nominierungen: Das ist kein Zufall. Ian Brennan führte die Monster-Anthologie erstmals allein und erhielt dafür Anerkennung für Hunnam, Metcalf und fünf Craft-Kategorien. Jetzt stellt sich die Frage, ob Murphy für die Franchise überhaupt noch gebraucht wird.

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Ein Verhaftungsabend verändert alles

Am 16. November 1957 betraten Polizisten das Farmhaus von Edward Theodore Gein in Wisconsin und fanden Dinge, die das kollektive Vorstellungsvermögen einer ganzen Nation sprengten. Ein Menschenherz kochte auf dem Herd. In der Scheune hing der kopflose Körper einer Frau kopfüber, ausgeweidet wie ein Jagdtier. Ausgehöhlte Schädel, ein Anzug aus menschlicher Haut und Souvenirs nächtlicher Grabschändungen lagen verstreut.

Weniger als zwei Jahre später veröffentlichte der Autor Robert Bloch seinen Roman Psycho, Alfred Hitchcock kaufte die Rechte, und der Rest ist Filmgeschichte. Tobe Hoopers Texas Chain Saw Massacre von 1974 und Jonathan Demmes Das Schweigen der Lämmer von 1991, das bei den Oscars alle fünf Hauptpreise gewann, schöpften ebenfalls direkt aus Geins Geschichte.

Gein selbst starb 1984, erlebte also den größten Teil jener kulturellen Erschütterungen, die er ausgelöst hatte. Showrunner Ian Brennan nennt das 'wirklich seltsam': Ein Mann, der die Popkultur prägte, ohne je zu begreifen, was er angerichtet hatte.

Brennans erste Staffel ohne Ryan Murphy

Monster: Die Geschichte von Ed Gein markiert Brennans ersten Eintrag in der Monster-Reihe ohne seinen langjährigen Co-Schöpfer Ryan Murphy. Die acht Episoden zeigen Charlie Hunnam als Gein und Laurie Metcalf als seine dominante Mutter Augusta. Beide erhielten Emmy-Nominierungen. Insgesamt holte die Serie sieben Nominierungen, fünf davon in den technischen Kategorien für Maske, Kostüm und Kamera.

Die Figur der Adeline Watkins, gespielt von Suzanna Son, ist eine bewusste Erfindung. Sie basiert auf einer realen Frau aus Geins Umfeld, die öffentlich behauptete, mit ihm verlobt gewesen zu sein, diese Aussage aber wenige Tage später widerrief. Brennan nutzte diese Leerstelle, um das Publikum selbst zu spiegeln: Adeline verkörpert die morbide Faszination, die Gein bis heute auslöst.

Vicky Krieps spielt die Nazi-Kriegsverbrecherin Ilsa Koch, Alanna Darby die Transfrau Christine Jorgensen. Beide Figuren stoßen bei Gein Prozesse an, die sein Innenleben für den Zuschauer aufbrechen: der Holocaust als Beweis, dass menschliche Grausamkeit keine Grenzen kennt, Jorgensens Geschichte als Auslöser für Geins verdrängte Gedanken über seine eigene Geschlechtsidentität.

Auschwitz und das neue Gesicht des Monsters

Brennan erklärt im Interview, was er als Schlüssel zu Geins Psyche betrachtet: die Nachwirkungen des Holocaust auf das ländliche Amerika der 1950er Jahre. 'Das war wirklich der Kern', sagt Brennan. 'Diese Dinge lagen so weit außerhalb dessen, was wir für möglich hielten, dass sie kurz als Propaganda abgetan wurden.' Ein schizoaffektives Gehirn wie Geins konnte das schlicht nicht verarbeiten.

Im Gespräch zitiert Brennan eine Figur aus der Serie, die Alfred Hitchcock nachempfunden ist: 'Vor Auschwitz war das Monster Dracula oder die Mumie, und jetzt sind wir es selbst.' Diese Verschiebung, so Brennan, habe nicht nur Gein persönlich betroffen, sondern auch das kulturelle Verständnis davon, was als monströs gilt.

Genau diese Idee, Geins Geschichte durch den Filter der Filme und Comicbücher zu erzählen, die er inspirierte, war Murphys Beitrag zum Konzept. Brennan beschreibt den Moment, in dem das Konzept aufging: 'Dann klickte es. Hier ist ein weiteres Element, sodass man nicht einfach allein mit diesem Mann auf einer Farm sitzt.'

Staffel 13 und der Blick nach vorn

Die Monster-Reihe geht weiter. Staffel 13 dreht sich um Lizzie Borden, die berühmte Axtmörderin aus dem viktorianischen Boston. Die Besetzung vereint Ella Beatty, Vicky Krieps erneut, Charlie Hunnam erneut und Rebecca Hall. Brennan beschreibt es als 'wirklich, wirklich erstaunliches Ensemble'.

Die neue Staffel verknüpft drei Frauengeschichten: Neben Lizzie Borden tauchen Elizabeth Báthory und Aileen Wuornos auf. Brennan nennt das Ergebnis ein 'seltsames Triptychon aus gefangenen, schwierigen Frauen'. Strukturell bleibt die Reihe damit ihrer Methode treu, einzelne Täter in größere historische und kulturelle Zusammenhänge einzubetten.

Brennan und Murphy haben klare Ambitionen: Beide wollen zehn Staffeln dieser Reihe drehen, wenn die Möglichkeit besteht. Bemerkenswert dabei ist ein wirtschaftliches Paradox, das Brennan selbst benennt: Jede Staffel kostet weniger als die vorherige in der Produktion, sieht aber teurer aus.

Warum Gein den Horror dauerhaft veränderte

Brennan ringt im Interview sichtlich darum, Geins anhaltende Faszination zu erklären. 'Es ist für mich genauso eine offene Frage wie vor der Recherche', gibt er zu. Ein Teil der Antwort liegt in der schieren Fremdartigkeit seiner Taten: Gein mordete nachweislich zwei Frauen, schändete aber über Jahrzehnte Gräber, manchmal mitten im Wisconsin-Winter, ohne dass jemand etwas bemerkte.

Brennan beschreibt Gein als 'Naivling mit dem Geist eines Kindes', der gleichzeitig ein halbwegs funktionierendes Mitglied seiner Gemeinde war. Nachbarn vertrauten ihm die Kinderbetreuung an. Kinder berichteten danach von Schrumpfköpfen an der Wand. Die Erwachsenen hielten es für einen Scherz.

Der Showrunner fasst es so zusammen: Gein war ein Mann, der den Verlust seiner Mutter nie verwunden hat. Diese Schlichtheit, kombiniert mit der extremen Absurdität seiner Taten, macht ihn zu einem Charakter, der sich in das kulturelle Gedächtnis eingebrannt hat, weit über die Fakten seines Falls hinaus.

Quelle: NetflixZuletzt aktualisiert: 24.07.2026, 20:02 Uhr

Artikel geschrieben von:

Nina Wolf
Autor
Nina Wolf
Science FictionFantasy-SerienMystery

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.

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