Nicholas Hoult, Dev Patel, Daniel Kaluuya: Was Counsels mit Skins verbindet

·09.06.2026, 16:16 Uhr·3 Min
Nicholas Hoult, Dev Patel, Daniel Kaluuya: Was Counsels mit Skins verbindet
Bild: BBC Scotland · TMDB

Multi-Strand ist out, sagt die Branche, Elsley macht es trotzdem. Während das Format in Großbritannien kaum noch produziert wird, setzt Counsels bewusst darauf. Die Serie könnte beweisen, dass das Publikum mehr will als konservative Anwaltsdramen mit Perücken.

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Ein Format verliert seinen Glanz

Zwanzig Jahre nach dem Kulterfolg Skins zieht Bryan Elsley eine ernüchternde Bilanz: Das mehrsträngige Serienformat, bei dem jede Episode mehrere Charaktere und Handlungsstränge gleichzeitig verfolgt, hat seinen Platz im britischen Fernsehen weitgehend verloren. Beim Seriencamp-Festival in Köln sagte Elsley: 'Multi-Strand ist heute aus Großbritannien heraus ziemlich ungewöhnlich. Es ist nicht mehr so in Mode.'

Dabei war genau dieses Format der Grundstein für eine der einflussreichsten Jugendsendungen der 2000er Jahre. Skins startete Karrieren, die heute zur ersten Reihe Hollywoods gehören: Nicholas Hoult, Dev Patel, Daniel Kaluuya und Kaya Scodelario standen alle in der Serie vor der Kamera, bevor sie weltberühmt wurden.

Elsley sieht den Rückgang des Formats als strukturelles Problem der Branche, nicht als inhaltliches Versagen. Dennoch lässt er sich davon nicht entmutigen, sondern setzt gezielt dagegen an.

Counsels soll das Format retten

Mit Counsels unternimmt Elsley den Versuch, das mehrsträngige Erzählen zurück auf den Bildschirm zu bringen. Die Serie folgt einer Gruppe junger Anwaltsanwärter und verbindet laut Elsley das 'Tempo und den Biss der besten amerikanischen Rechtsdramen' mit der Atmosphäre der Rechtsberufe in seiner Heimatstadt Glasgow.

Dabei grenzt sich die Serie bewusst vom klassischen britischen Anwaltsdrama ab, das Elsley als Welt von 'Perücken und vielen wunderschönen reichen Leuten' beschreibt. Counsels spielt auf ganz anderem Terrain: Die meisten Fälle drehen sich um Ladendiebstahl, Körperverletzung oder Kleinkriminalität. 'Aber sie verändern das Leben der Anwälte', betonte Elsley.

Produziert wird die Serie von Elseys Produktionsfirma Balloon Entertainment. Die Besetzung besteht aus einem jungen, diversen Ensemble, das weitgehend aus Newcomern zusammengesetzt ist.

Entstehung durch einen Zufall

Der Weg zur Serie verlief alles andere als geplant. Als die BBC ihre langjährige schottische Seifenoper River City absetzt hatte, lud der Sender unabhängige Produktionsfirmen ein, Konzepte für eine neue, in Schottland angesiedelte Reihe einzureichen.

Elsley entschied sich, gemeinsam mit Co-Schöpferin Gillian McCormack, spontan eine Anwaltsserie zu entwickeln. 'Ich beschloss aus einer Laune heraus, eine Serie über Anwälte zu schreiben', sagte er. Das Konzept überzeugte die BBC, und Counsels erhielt grünes Licht.

Aus diesem eher zufälligen Ausgangspunkt entstand eine Koproduktion, die über Großbritannien hinaus Interesse weckte. Die ZDF-Redakteurin Katharina Kremling stieß als Koproduktionspartnerin dazu und begleitete Elsley beim Seriencamp-Auftritt in Köln.

ZDF als internationaler Partner

Dass Counsels keinen direkten deutschen Bezug hat, war für das ZDF kein Hinderungsgrund. Kremling erklärte, ihr Sender gehe an Koproduktionen anders heran als viele andere Partner: 'Wir wollen dem Publikum ein Fenster zur Welt öffnen.' Entscheidend sei, dass der Kern der Serie überzeuge.

BBC und ZDF verbindet bereits eine etablierte Zusammenarbeit. Gemeinsam haben die beiden Sender unter anderem A Good Girl's Guide to Murder realisiert. Derzeit in Vorbereitung ist außerdem Honey, ein Prequel zur Erfolgsserie Killing Eve.

Counsels reiht sich damit in eine wachsende Liste britisch-deutscher Koproduktionen ein, bei denen der lokale Schauplatz bewusst nicht als Pflichtbedingung gilt, solange die inhaltliche Qualität stimmt.

Seriencamp als Bühne für Debatten

Elseys Auftritt beim Seriencamp in Köln fiel in eine breitere Branchendiskussion über die Zukunft des Fernsehens. Auf dem Festival wurden auch Fragen über den wachsenden Einfluss von YouTube-Kreativen wie Kane Parsons, Curry Barker und Markiplier diskutiert. Robert Franke argumentierte dort, dass der Aufstieg dieser Figuren den Einfluss der älteren Industrie-Generation spürbar schwäche.

Anke Greifeneder, bekannt als deutsche TV-Disrupterin, sprach auf dem Festival über ihren Anspruch, den Status quo herauszufordern und lokale Hits für internationale Plattformen zu entwickeln. Elsley bewegte sich mit seinem Counsels-Pitch also in einem Umfeld, das Wandel und Neuorientierung aktiv einfordert.

Für deutsche Zuschauerinnen und Zuschauer bleibt ein konkreter Starttermin für Counsels vorerst offen. Wann die Serie hierzulande zu sehen sein wird, steht noch nicht fest.

Quelle: BBC ScotlandZuletzt aktualisiert: 09.06.2026, 16:16 Uhr

Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann
Autor
Clara Hoffmann
Drama-SerienPeriod DramasStreaming-Analyse

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.

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