Love Story zieht gerade wieder Aufmerksamkeit auf sich, und Nivola weiß warum

Alessandro Nivola spielt Calvin Klein in Love Story ohne je mit ihm gesprochen zu haben. Die Vorbereitung bestand aus einem einzigen YouTube-Interview Kleins aus den 1980er-Jahren. Kleins Akzent, den er per Sprachtherapie loswerden wollte, blieb trotzdem hörbar und wurde Teil der Rolle.
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Calvin Klein per YouTube-Recherche gefunden
Alessandro Nivola kannte Calvin Klein vor den Dreharbeiten nur aus der Werbung, nicht aus persönlichen Begegnungen. 'Ich hatte ihn tatsächlich noch nie reden sehen. Ich hatte nie ein Interview mit Calvin gesehen und ihn nie persönlich getroffen', sagt Nivola. Die Vorbereitung begann schlicht mit einer YouTube-Suche, bei der ein Interview aus den 1980er-Jahren auftauchte.
Was Nivola dort fand, war präzises Rohmaterial: Stimme, Körpersprache, Akzent, Gestik. Alles sei sehr spezifisch für Klein gewesen, aber auch für New York in einer bestimmten Ära und einem bestimmten Milieu. Diese Kombination aus Vertrautheit und Eigenheit wurde zum Kern seiner Interpretation.
Die Serie zeigt Klein an einem Wendepunkt seines Lebens: frisch aus der Rehabilitation entlassen, bemüht um eine würdevolle Außenwirkung, während darunter noch die alte Wildheit brodelt. 'Der Trick war, jemanden zu zeigen, der die Autorität, Eleganz und Würde eines Menschen hat, der gerade beschlossen hat, der Welt nicht mehr den wilden Kerl zu präsentieren, der mit Steve Rubell die Nächte durchmacht', erklärt Nivola. 'Aber das deckt nur dünn diesen frechen, schelmischen, teuflischen, witzigen, sinnlichen und leidenschaftlichen Menschen ab.'
Der Bronx-Akzent als Charakterschlüssel
Besondere Sorgfalt widmete Nivola der Spracharbeit. Calvin Klein stammt aus der Bronx und hat jahrzehntelang versucht, diesen Akzent abzulegen, ohne je ganz damit Erfolg zu haben. 'Er hat sogar Sprechunterricht genommen, um ihn loszuwerden, aber er klingt immer noch leicht durch', sagt Nivola. Genau dieses Durchscheinen des Ursprungs trotz kosmopolitischer Verfeinerung war für ihn dramaturgisch entscheidend.
Für Nivola ist diese Art der Detailarbeit keine Ausnahme, sondern Grundprinzip. 'Für mich ist alles Schauspielerei Charakterschauspielerei', sagt er. Jede Person sei so spezifisch und einzigartig, dass er sich keine andere Herangehensweise vorstellen könne. Durch maximale Präzision im Detail werde eine Figur erst universell erkennbar.
Der Erfolg der Serie überraschte ihn trotzdem. 'Die Wirkung, die die Show hatte, habe ich nicht erwartet', gibt Nivola zu. Nach fast drei Jahrzehnten als einer der respektiertesten Nebendarsteller Hollywoods, von 'Disobedience' über 'American Hustle' bis 'Selma', synchronisiert sich erstmals die Aufmerksamkeit der Auszeichnungssaison mit seiner Arbeit.
Nicolas Cage als frühe Schutzinstanz
Nivolas Karriere begann mit einem prägenden Moment am Set von John Woos 'Face/Off'. Seine Figur Pollux Troy entwickelte er nach dem Dokumentarfilm über den Comiczeichner Robert Crumb, den Terry Zwigoff gedreht hatte. Das war ungewöhnlich genug, dass Nivola selbst Zweifel hatte, ob er den eingeschlagenen Weg durchhalten würde.
Nicolas Cage nahm ihm diese Zweifel. 'Nic war so aufgedreht. Er sagte immer wieder zu mir: Ja, weißt du, Alessandro, ich mag das, sehr dunkel. Ich finde, du solltest damit weitermachen', erinnert sich Nivola. Cage war begeistert von den seltsamen Entscheidungen, die Nivola traf, und gab ihm damit den Rückhalt, den er brauchte.
'Er war wie mein Schutzschild', sagt Nivola. Ohne Cages Ermutigung wäre er wohl zu ängstlich gewesen, die Figur so konsequent zu spielen. Als Orientierungspunkt für seine gesamte Karriere nennt Nivola Daniel Day-Lewis in 'Im Namen des Vaters': sexy, cool, liebenswert und gleichzeitig exzentrisch, tief verwurzelt in Zeit und Ort.
Geplatzter Haynes-Film: Oscar für Williams?
Das Projekt, das Nivola am meisten beschäftigt, ist eines, das nie gedreht wurde. Todd Haynes plante ein Biopic über Sängerin Peggy Lee mit Michelle Williams in der Hauptrolle. Nivola war als Lees langjähriger Gitarrist und Kollaborateur besetzt. Das Projekt scheiterte, bevor die Kameras liefen.
'Ich kann nicht glauben, dass das Ding geplatzt ist', sagt Nivola mit spürbarer Leidenschaft. Seine Einschätzung für Williams ist eindeutig: 'Da war ein Oscar im Entstehen, hundert Prozent. Es schrie danach, gemacht zu werden.' Was genau die Finanziers zum Rückzug bewog, blieb ihm verborgen. 'Ich bin nie dahintergekommen, was mit den Geldgebern passiert ist. Ich weiß einfach nicht, warum sie kalte Füße bekommen haben.'
Nivola hatte sich für die Rolle sogar Jazz-Gitarren-Kenntnisse angeeignet. 'Ich hatte meine Jazz-Gitarren-Fähigkeiten parat, und dann wurde alles abgesagt. Das war einfach so eine Enttäuschung.' Produzentin Christine Vachon, mit der Nivola an einem anderen Projekt arbeitet, wurde kurz nach diesem Gespräch gemeinsam mit ihrer Partnerin Pamela Koffler mit dem Irving G. Thalberg Memorial Award der Governors Awards ausgezeichnet.
Fußball, Lovable-Rollen und späte Blüte
Parallel zur Emmy-Diskussion rund um 'Love Story' dreht Nivola bereits das nächste Projekt. In Nicole Kassells Film 'The 99ers' spielt er Tony DiCicco, den Trainer der US-amerikanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft von 1999, an der Seite von Emilia Jones. Die Dreharbeiten liefen zum Zeitpunkt des Gesprächs bereits.
'Es ist tatsächlich eines der ersten Male seit einer Weile, dass ich jemanden spiele, der durch und durch liebenswert ist', sagt Nivola. 'Das ist wirklich schön.' Nach einer langen Reihe von moralisch ambivalenten oder dunklen Figuren ist DiCicco eine bewusste Abwechslung.
Auf die Frage, ob er diese Version seiner Karriere je erwartet habe, antwortet Nivola mit einem Lachen: 'Ich bin definitiv ein Spätentwickler. Besser so als andersherum.' Mit 53 Jahren und einer Emmy-Kandidatur im Rücken klingt das weniger nach Bescheidenheit als nach nüchterner Selbsteinschätzung.
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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