Kimbal Musk und der Vorstand: The Man Will Burn zeigt interne Konflikte

Kimbal Musk sitzt im Burning Man-Vorstand, und die Doku zeigt warum das eskaliert. The Man Will Burn enthüllt auf HBO, wie 2021 mitten in der Pandemie ein erbitterter Streit über die Festival-Absage entbrannte. Dass ein Musk hier die Strippen zieht, hatten die wenigsten auf dem Schirm.
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Vier Stunden Doku ohne klare Richtung
The Man Will Burn ist das Werk der Regisseure Jehane Noujaim und Vikram Gandhi, die sich über mehrere Jahre hinweg Zugang zum Burning Man Festival verschafft haben. Auf rund vier Stunden Laufzeit verteilt die Serie Eindrücke aus der Festival-Community, beleuchtet interne Machtkämpfe und begleitet das Event durch turbulente Jahre. Das Ergebnis ist eine Doku, die vieles anreißt und wenig vertieft.
Der Einstieg führt in die Tage vor einer folgenreichen Ankündigung im Jahr 2021. Inmitten der globalen Pandemie stand das Festival vor einer Zerreißprobe: CEO Marian Goodell und der Vorstand diskutierten hitzig, ob das Event erneut abgesagt werden sollte. Die Entscheidung fiel zugunsten einer weiteren Pause, was nicht alle Beteiligten guthießen.
Kimbal Musk, Vorstandsmitglied, Investor und Bruder von Elon Musk, trat dabei als besonders vehementer Gegner der Absage auf. Sein Auftreten hinterlässt den Eindruck, dass Anspruchsdenken in der Familie Musk tief verwurzelt ist. Die Serie zeigt diesen Konflikt, zieht daraus aber keine weitreichenden Schlüsse.
Zwei Neulinge als Einstiegspunkte
Als Ankerfiguren für das Publikum dienen Lindsay, eine Dozentin aus Pasadena, die Onlinekurse unterrichtet, und Ray, ein schwarzer Veteran aus dem ländlichen North Carolina. Beide planten, zum ersten Mal am Burning Man teilzunehmen, und erklären aus ihrer jeweiligen Perspektive, was sie an dem Festival anzieht.
Das erzählerische Prinzip dahinter ist klar: Kein Neuankömmling gleicht dem anderen. Die Serie zeigt, wie das Festival mit seiner Mischung aus Kunst, Musik und Gemeinschaftsgefühl Menschen aus völlig unterschiedlichen Lebenswelten anspricht. Dieses Versprechen löst die Doku nur bedingt ein, weil die Figuren letztlich zu Schaufensterpuppen für Werbebotschaften des Festivals werden.
Parallel dazu liefert die Serie einen historischen Abriss über die Ursprünge des Festivals, das in der Bay Area aus der sogenannten Cacophony Society hervorging. Gründerfiguren wie John Law und Michael Mikel kommen zu Wort, ebenso die neuere Führungsgeneration, die 1999 mit der Gründung der Black Rock City LLC die Kontrolle übernahm.
Schöne Bilder statt harter Fragen
Das Festival selbst ist ein Geschenk für die Kamera. Drohnenaufnahmen über der Wüste Nevadas, schillernde Kostüme, gewaltige Pyrotechnik und fragile Kunstinstallationen füllen die Leinwand mit Leben. Die Kameraarbeit ist professionell und weiß das visuelle Potenzial des Schauplatzes zu nutzen.
Doch genau hier liegt das Kernproblem der Serie. Burning Man ist ein Festival voller Risikobereitschaft und künstlerischem Wagemut. The Man Will Burn hingegen geht kein einziges künstlerisches Risiko ein und stellt keine unbequemen Fragen. Die Doku dokumentiert ein Ereignis, das Konventionen brechen will, auf denkbar konventionelle Weise.
Als größte Bedrohung für das Festival-Idyll identifiziert die Serie Smartphones, Social-Media-Influencer und eine Medienlandschaft, die Burning Man angeblich mit reißerischer Neugier behandle. Besonders die Berichterstattung über das regenreiche Chaos-Event von 2023 wird als Fehldarstellung präsentiert, während die Bilder der überfluteten Wüstenebenen so malerisch wirken, dass Kritik kaum aufkommt.
Zu nah an der Werbebotschaft
The Man Will Burn streift immer wieder heikle Themen, bricht aber nie mit der Grundhaltung, das Festival im besten Licht erscheinen zu lassen. Die Spannungen zwischen dem Festival und den Anwohnern sowie Strafverfolgungsbehörden in Gerlach, Nevada, werden angedeutet und dann abrupt fallengelassen. Pläne zur Erweiterung des Geländes und zur Errichtung eines philosophischen Zentrums tauchen auf und verschwinden wieder, ohne je erklärt zu werden.
Noujaim ist auch Mitregisseurin der HBO-Doku-Serie The Vow über die Sekte NXIVM. Der Vergleich drängt sich auf: Burning Man entwickelt in der Darstellung der Serie eine ähnliche Anziehungskraft wie eine Gemeinschaft, die nach außen hin alle willkommen heißt und intern kaum Widerspruch duldet. Der entscheidende Unterschied ist, dass The Vow bereit war, seinen Protagonisten kritisch gegenüberzustehen.
Marian Goodell und andere Idealisten des Festivals bekommen nie die Frage gestellt, was sie wirklich über Kimbal Musk und die wachsende Abhängigkeit von Silicon-Valley-Milliardären denken. Stattdessen münden nahezu alle Konflikte in betont harmonische Auflösungen, die mehr nach Absprache als nach echter Versöhnung klingen.
Fazit: Solide, seicht, verschenktes Potenzial
The Man Will Burn ist kein schlechter Film. Wer einen gut gedrehten, gut vernetzten Einblick in das Burning Man Festival sucht, findet hier unterhaltsames Material. Die Zugänge sind beeindruckend, die Bilder stark, und die historischen Hintergründe sind informativ aufbereitet.
Aber die Serie bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sie bricht nach 2023 ab, obwohl die finanziellen Probleme des Festivals in den Folgejahren noch größere Dimensionen annahmen. Sie nähert sich dem Rand echter Kritik und zieht sich jedes Mal zurück. Das Ergebnis ist eine vierstündige Hochglanz-Werbung für ein Event, das eigentlich keine Werbung braucht.
Ein kürzerer, schärferer Schnitt hätte ebenso funktioniert wie eine längere, tiefgründigere Fassung. Stattdessen landet die Serie in einer unbefriedigenden Mitte: unterhaltsam, oberflächlich und am Ende so brav, wie Burning Man selbst nie sein wollte.
Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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