Happiness sammelt Millionen Aufrufe: Wie eine Instagram-Serie groß wurde

·02.06.2026, 15:30 Uhr·4 Min
Happiness sammelt Millionen Aufrufe: Wie eine Instagram-Serie groß wurde
Bild: tvN · TMDB

Kein Pitch, kein Entwicklungsraum: Happiness entstand ohne Sender im Rücken. Arte-Redakteure entdeckten die Serie auf Instagram und bestellten sie trotzdem. Jetzt feiert Staffel 2 Premiere, fast ein Jahrzehnt nach der ersten Idee.

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Von Instagram direkt zu Arte

Happiness begann nicht im Entwicklungsraum eines Senders, sondern auf dem Smartphone. Pouria Takavar drehte zunächst einfach Aufnahmen von den Teenagern in seiner Umgebung, fast ein Jahrzehnt ist das inzwischen her. Daraus entstand eine Instagram-Serie namens Tehrun, ein Wortspiel über junge Bohemiens, die unbedingt Teheran verlassen wollen.

Arte-Redakteure, die aktiv auf Instagram nach neuen Formaten suchten, wurden auf Tehrun aufmerksam. Sie bestellten die Serie und entwickelten sie gemeinsam mit La Onda Productions zu dem weiter, was Happiness heute ist. Staffel 1 sammelte fast fünf Millionen Aufrufe auf dem VoD-Player von Arte, auf YouTube und auf dem Instagram-Kanal des Senders für Kurzserien.

Takavar selbst nennt Andrea Arnolds Film American Honey als eine seiner zentralen Inspirationsquellen. Wie Arnold interessiert er sich für junge Menschen am Rand der Gesellschaft, die sich ihren Weg durch eine Welt bahnen, die für sie keine einfachen Antworten bereithält.

Shadi und die Suche nach Glück

Im Mittelpunkt von Happiness steht Shadi, gespielt von Ghazal Shojaei. Der Name bedeutet im Farsi schlicht 'Glück'. Takavar entwickelte die Figur nach einem realen Vorbild: einem hyperaktiven Mädchen aus seinen frühen Dokumentaraufnahmen, das 'super glücklich sein wollte, aber durch eine sehr schwere Zeit ging', wie er es beschreibt.

In Staffel 1 reist Shadi quer durch Iran, auf der Suche nach ihrem Vater. An ihrer Seite spielen Solmaz Ghani, Yasmine Fattahi, Maryam Boubani, Steve Mege und Marie Seux. Die erste Staffel feierte beim Seriencamp-Festival in Köln Premiere und gewann das Publikum des Festivals sofort für sich.

Takavar gegenüber Deadline: 'Die Absicht hinter der Serie war von Anfang an, dass es kaum Filme oder Serien über iranische Teenager gibt. Dabei glaube ich, dass sie die wertvollsten Menschen des Landes sind. Sie sind diejenigen, die die Zukunft gestalten werden.'

Staffel 2 landet in Frankreich

Staffel 2, die am 29. Juni 2026 startet, verlässt Iran und siedelt die Geschichte in Frankreich an. Shadi lebt seit sechs Monaten in Paris, kämpft zwischen Einsamkeit und dem Versuch der Anpassung, bis sie die franco-iranische Arezou kennenlernt und sich langsam öffnet. Die neue Staffel feiert ihre Weltpremiere beim Seriencamp-Festival in Köln.

Der Ortswechsel war keine kreative Entscheidung, sondern eine politische Notwendigkeit. Ursprünglich sollte Staffel 2 in Teheran gedreht werden. Dann brach nach dem Tod von Mahsa Amini die Bewegung 'Frauen, Leben, Freiheit' aus. 'Wir wollten nicht mit der Regierung zusammenarbeiten oder Genehmigungen einholen', erklärt Takavar. 'Ich wollte kein Bild von Mädchen mit Schleiern und Hijabs zeigen, also wurde es sehr riskant, in Iran zu filmen.'

So entstand die Idee, stattdessen von der ersten Generation iranischer Migranten in Frankreich zu erzählen, ein Thema, das viele Beteiligte hinter der Kamera aus eigener Erfahrung kennen. Takavar selbst lebt derzeit in Dubai und wird die Seriencamp-Premiere nicht persönlich besuchen: Beim letzten Verlassen Dubais wurde sein Visum fast annulliert.

Krieg und Blackout bedrohen die Serie

Die Produktion von Staffel 2 stand unter keinem guten Stern. Staffel 1 wurde inmitten der Corona-Pandemie abgedreht, was die Fertigstellung erheblich verzögerte. Gegen Ende der Dreharbeiten zu Staffel 2 im vergangenen Jahr brach der zwölftägige Krieg zwischen Iran und Israel aus. Teile der letzten Episoden wurden daraufhin umgeschrieben, um diese Realität einzubeziehen.

Takavar sorgt sich nun darum, ob die Zielgruppe der Serie die neue Staffel überhaupt sehen kann. Er sagt, er werde 'so traurig sein', wenn der Internet-Blackout in Iran die Jugendlichen des Landes daran hindert, Staffel 2 zu schauen.

Die politischen Ereignisse spiegeln sich nicht nur in der Produktion wider, sondern auch in den Themen der Serie selbst. Drehbuchautorin Sonia Emamzadeh, die auch an der französischen Soap Ici Tout Commence schreibt, sieht Happiness als Zeitzeugnis: 'Ich denke immer daran, dass das, was ich schreibe, etwas über die Ära aussagt, in der es geschrieben wird. Das ist ein Zeugnis dessen, was Iraner im Ausland in dieser Zeit durchmachen.'

Stimmen hinter der Kamera

Für Staffel 2 holte Takavar ein diverses Autorenteam zusammen, darunter mehrere Nachkommen iranischer Migranten in Frankreich. Sonia Emamzadeh war von Anfang an begeistert: 'Normalerweise sind die Filme über Iran, die nach Europa oder in die USA gelangen, sehr schwer, weil wir die Situation kennen. Aber eine Coming-of-Age-Geschichte über ein Mädchen, das gegen seine Mutter rebelliert und sich fragt, wo sein abwesender Vater ist, kann überall spielen.'

Emamzadeh betont, dass Happiness ihrer Einschätzung nach eine der ersten Serien in Frankreich ist, in der eine Migrantin der ersten Generation die Hauptrolle trägt. Sie entwickelt parallel eine eigene Serie über eine iranische Familie, die Wein herstellt.

Was nach Staffel 2 kommt, ist noch offen. Das Team plant vorerst nichts über die Premiere hinaus. Emamzadeh träumt dennoch laut: 'Das Traumszenario wäre der Sturz des iranischen Regimes und die Rückkehr zum Filmen in Iran.'

Quelle: tvNZuletzt aktualisiert: 02.06.2026, 15:30 Uhr

Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann
Autor
Clara Hoffmann
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Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.

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