Clinton bricht ihr Schweigen über 2016: The American Experiment zeigt eine ungewohnt direkte Seite

Drei Millionen Stimmen Vorsprung, trotzdem kein Präsidentenamt: Clinton bricht nun ihr Schweigen dazu. In The American Experiment erklärt sie, warum sie das Electoral College für eine Schande hält. Es ist das erste Mal, dass sie diesen Widerspruch so direkt beim Namen nennt.
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Clinton bricht ihr Schweigen über 2016
Hillary Clinton gehört zu den seltenen Stimmen, die so offen über die Wahlnacht 2016 sprechen. In 'The American Experiment' erklärt sie schlicht: 'Das Electoral College ist eine Schande. Aus naheliegenden Gründen.' Es ist eines der wenigen Male, dass sie sich so direkt zu diesem Abend geäußert hat.
Der Hintergrund ist bekannt, aber die Zahlen bleiben verblüffend. Clinton gewann die Volksabstimmung mit knapp drei Millionen Stimmen Vorsprung vor Donald Trump. Dennoch verlor sie das Präsidentenamt, weil Trump die drei traditionell demokratischen Rust-Belt-Staaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin zusammen mit nur 80.000 Stimmen Mehrheit für sich entschied.
Regisseur Brian Knappenberger beschreibt gegenüber dem Fachmagazin Variety, wie er sich auf dieses Gespräch vorbereitet hatte: 'Ich wusste, dass ich Hillary Clinton nach einem der schmerzhaftesten Momente ihres Lebens fragen würde. Sie hat selten offen über diese Wahlnacht gesprochen, und wir sind sehr froh, dass sie es für diese Serie getan hat.' Clinton sei eine der nur fünf Personen in der amerikanischen Geschichte, die die Präsidentschaft verloren, obwohl sie die Volksabstimmung gewonnen hatten.
Tom Hanks produziert, Knappenberger führt Regie
'The American Experiment' ist ein fünfteiliges Dokumentarformat, das die Geschichte und Struktur der Vereinigten Staaten von ihrer Gründung bis heute beleuchtet. Knappenberger, bekannt durch 'The Trials of Gabriel Fernandez', führt Regie. Tom Hanks zeichnet als ausführender Produzent verantwortlich.
Die Serie kommt nicht zufällig jetzt. Sie erscheint zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit und versammelt ein breites Spektrum an Politikern und Historikern. Neben Clinton kommen Kamala Harris, Mike Pence, Ted Cruz, Al Gore und Nancy Pelosi zu Wort.
Knappenberger beschreibt das Projekt als historische Bestandsaufnahme: 'Einige von Hamiltons Texten wirken bemerkenswert vorausschauend. Wir sprechen in der Serie über seine Warnung, dass eines Tages eine despotische Figur in Amerika aufsteigen könnte, die Chaos stiftet, um den Sturm zu reiten und den Wirbelwind zu lenken.' Das Ziel sei nicht, aktuelle Politik zu kommentieren, sondern die Bruchstellen der amerikanischen Demokratie sichtbar zu machen.
Das Wahlmänner-System unter Beschuss
Clintons Kritik steht nicht allein. Abgeordnete Zoe Lofgren aus Kalifornien formuliert es in der Doku so: 'Die Gründerväter selbst waren nicht verliebt in das Electoral College. Es war von Anfang an fehlerhaft. Eine Minderheit der Bevölkerung regiert, wegen der Struktur des Systems, in manchen Fällen gegen den ausdrücklichen Willen der Mehrheit.'
Umfragen des Pew Research Center stützen diese Kritik: 63 Prozent der Amerikaner würden es vorziehen, den Präsidenten per direkter Volksabstimmung zu wählen, statt über das Wahlmänner-Kollegium. Das System verteilt die Stimmen der Wähler ungleich, weil jeder Bundesstaat mindestens drei Wahlmänner erhält, unabhängig von seiner Bevölkerungsgröße.
Clintons Niederlage von 2016 ist dabei ein besonders markantes Beispiel. Ihr Vorsprung von fast drei Millionen Stimmen im Gesamtergebnis war der größte in der Geschichte der Vereinigten Staaten für jemanden, der die Wahl dennoch verlor. Knappenberger betont, das mache ihre Perspektive in der Serie einzigartig.
Demokratie am Scheideweg: Hamiltons Warnung
Knappenberger zieht in der Serie eine direkte Linie von den Gründervätern bis zur Gegenwart. Alexander Hamiltons Schriften, die vor einem charismatischen Anführer warnen, der Unruhe schürt, um Macht zu erlangen, lesen sich für den Regisseur wie ein Kommentar zur Gegenwart.
'Heute befinden wir uns mehr gespalten als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Bürgerkrieg', erklärt Knappenberger. George Washington habe in seiner Abschiedsrede gewarnt, dass Parteistreit die neue Nation zerreißen könnte. Diese Warnung, so die These der Serie, ist aktueller denn je.
Die Dokumentarserie versteht sich dabei nicht als politisches Gegenprogramm zu aktuellen Feierlichkeiten, auch wenn sie zeitlich mit dem 250. Jahrestag der Unabhängigkeit zusammenfällt. Ihr Anspruch ist ein anderer: die Robustheit und gleichzeitige Zerbrechlichkeit der amerikanischen Demokratie sichtbar zu machen.
Start auf Netflix, Deutschland wartet noch
'The American Experiment' startet am 24. Juni 2026 auf Netflix. Die fünf Folgen behandeln jeweils unterschiedliche Aspekte der amerikanischen Gründungsgeschichte und ihrer Auswirkungen auf die Gegenwart.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz steht ein konkretes Startdatum noch aus. Da Netflix die Serie international vertreibt, ist eine zeitnahe Verfügbarkeit im deutschsprachigen Raum wahrscheinlich, offiziell bestätigt wurde sie bislang jedoch nicht.
Mit Clinton, Harris, Pence, Cruz, Gore und Pelosi vereint die Produktion politische Figuren aus unterschiedlichsten Lagern. Das macht 'The American Experiment' zu einem seltenen Format: einer Doku, die parteiübergreifend die Grundlagen des Systems hinterfragt, das all diese Persönlichkeiten geprägt hat.
Artikel geschrieben von:

Marie Weber berichtet über Action-, Drama- und Mystery-Serien mit besonderem Fokus auf Spannungsdramaturgie und Figurenzeichnung.
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